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Beeindruckende Perspektive: Blick von oben auf die Loisach-Baustelle. Das Schachtkraftwerk selbst  befindet  sich in der Bildmitte (schäumendes Wasser zwischen parallelen Seitenbegrenzungen).

Einzige Chance: “Augen zu und durch“

Verzug bei supermodernem Wasserkraftwerk-Bau: Wenn im Mai Hochwasser kommt, folgt „Katastrophe“

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Die Fertigstellung im Frühjahr ist vom Tisch: Die Arbeiten am bahnbrechenden Schachtkraftwerk in der Loisach bei Großweil befinden sich in Verzug. Nun nähert man sich einer besonders kritischen Phase. 

Großweil – Alles blickt aufs kleine Großweil: Im Loisach-Abschnitt Raue Rampe entsteht ein auf über fünf Millionen Euro taxiertes Pilotkraftwerk, das die Welt noch nicht gesehen hat. 

Der Prototyp, von der Technischen Universität München entwickelt, funktioniert nachweislich unter Laborbedingungen, birgt aber nach der Umsetzung so manche Unwägbarkeit. Und auch die Errichtung ist nicht ohne. Deshalb gilt: Wer solch ein Schachtkraftwerk bauen lässt, braucht Geduld, gute Nerven, Zuversicht. Und möglichst wenig Hang zu Hypertonie, selbst unter Anspannung.

Doch es gibt Phasen, die Günther Rösch, einer von zwei Geschäftsführern der Investorin Wasserkraftwerk Großweil GmbH, als „Blutdruck steigernd für alle Beteiligten“ bezeichnet. Tage, an denen sich „Angstschweiß“ einstellt. 

In den Monaten Mai/Juni werden dem Technischen Leiter der Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen und seinem Geschäftsführerkollegen Manfred Sporer, Bürgermeister von Großweil, solche Momente bevorstehen. 

Dann nämlich würde ein größeres Hochwasser eine „Katastrophe“ für das Projekt bedeuten, weiß Rösch. In dieser Zeit werden im Abstand von mehreren Wochen die zwei Turbinen für die Anlage geliefert, jede für sich Ergebnis feinsten Maschinenbaus. 

Wasserkraftwerk in Großweil: Bis zur Abdichtung bleibt es kritisch

Diese müssen jeweils eingebaut, verrohrt, angeschlossen werden. Bis zur Abdichtung der sensiblen und teuren Technik darf nur kein großes Hochwasser kommen; ihr natürlicher Feind Schmutz würde dieser den Garaus machen. „Dann könnten wir die Turbinen wegwerfen“, sagt Rösch. Also gilt es, die Witterungsprognosen genau zu verfolgen, um den richtigen Startmoment abzupassen. „Dann Augen zu und durch“, sagt Rösch. Danach gibt es kein Zurück mehr.

Klar ist: Die GmbH, in der Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen, Gemeinde Großweil und Kraftwerk Farchant gemeinsame Sache machen und die einst Ende 2018 mit der Produktion umweltfreundlichen Stroms beginnen wollte, wird die staatlich stark bezuschusste Anlage auch nicht in diesem Frühjahr in Betrieb nehmen können. Die Termin-Frage sei „immer schwer zu beantworten“, sagt Sporer. Man sei stark von der Witterung abhängig, „und in dieser steckt man nicht drin“. So herrschte des Winters wegen auch von Jahresanfang bis Mitte Februar Zwangspause auf der Baustelle. Die eineinhalb Monate hat man verloren, „sie sind nicht mehr aufzuholen“, sagt Rösch. Sporer hofft nun auf eine Fertigstellung im Sommer. Falls die Witterung mitspielt.

Derzeit werden die zweite Fischtreppe sowie der Wehrständer eingebaut; dieser Teil neben dem eigentlichen Kraftwerk wird angepasst und erhält Klappen, über die Wassermengen variabel abtransportiert werden können. Damit sich die Turbinen trocken in die Anlage einbauen lassen, fließt die Loisach in der kritischen Phase ebenfalls in diesem Bereich.

Der Bau an sich stellt für die Fachfirmen kein Problem dar. „Die Besonderheit liegt darin, dass das Ganze ein Pilotprojekt ist“, erklärt Sporer. Rösch ergänzt: „Wir sind praktisch ein Forschungsobjekt.“ 

Dieses zeige, wie sich die Anlage unter natürlichen Bedingungen bewähre „und ob alles mit den Laborergebnissen übereinstimmt“. Man gehe davon aus, Strom zu erzeugen. Doch wie viel genau – das ist eine der offenen Fragen. Weitere unbekannte Größe: die Betriebskosten. Rösch sieht in diesen einen „ganz erheblichen Faktor“. Bei einem neuen Kraftwerkstyp sei „nicht bekannt, was da auf uns zukommt“. Die Summe könne niedriger, aber auch wesentlich höher ausfallen als bei einer konventionellen Anlage.

Großweil wird der Welt Antworten liefern.

Lesen Sie dazu auch: Schon einmal gab es beim Bau des Schachtkraftwerks Großweil eine kritische Phase.

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