Viele Städte setzen Konzept um 

Grüne fordert: Murnau soll essbar werden

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Ein Obstbaum hier, eine Tomatenstaude dort: Der Markt Murnau soll essbar werden. Diesen Antrag reichte nun Grünen-Politikerin Veronika Jones ein. Dahinter steckt ein Konzept, das zahlreiche Städte bereits umsetzen.

Murnau – Eine Kommune wird essbar. Bitte was? Ja, das klingt komisch. Doch dahinter steckt eine Idee, die so merkwürdig eigentlich nicht ist. Die Gemeinden sollen verstärkt mit Fruchtgehölzen oder Beerensträuchern bepflanzt werden. Viele Städte und Kommunen praktizieren dies bereits erfolgreich. Nun soll Murnau nachziehen. Das würde sich zumindest Grünen-Gemeinderätin Veronika Jones wünschen.

Grundsätzlich findet die Lokalpolitikerin schon, dass Murnau grün ist, doch Obstbäume fallen nicht gerade ins Auge, sagt sie. Und dort, wo Exemplare stehen, gebe es keine Hinweise darauf. Nicht gerade optimal. Deshalb soll sich das auch ändern. Dafür setzt sie sich mit ihrem Antrag an den Gemeinderat ein.

Veronika Jones wünscht sich ein „essbares Murnau“.

Mit der Initiative will sie ankurbeln, zum Beispiel mehr Nuss- oder Obstbäume zu pflanzen oder Gemeinschaftsgärten zu schaffen, die entweder öffentlich zugänglich beerntet oder von Einwohnern bewirtschaftet werden. „Das wäre kein großer Aufwand“, betont Jones. Ihre Vorstellung: Auf kleinen, freien Seitenstreifen beispielsweise Kohlsorten pflanzen, in der Fußgängerzone statt Blumen Tomaten oder, wenn man ohnehin plant, einen Platz zu gestalten, diesen mit einem Obst- statt mit einem Laubbaum zu versehen.

Der Vorteil liegt für sie auf der Hand. „Man geht mehr raus und fördert das Miteinander.“ Davon würden Murnau und die Bürger profitieren. Viele Freunde hat die Bewegung bereits gewonnen, darunter Städte wie Augsburg, Bamberg oder Geretsried im Landkreis Bad TölzWolfratshausen. Arnbach als Vorreiter in Deutschland wirbt sogar mit einem Konzept im Stadtmarketing unter dem Slogan „Pflücken erlaubt“. Jones sieht darin den richtigen Weg. „Das ist die Tafel der Natur.“ Gerade für Menschen mit einem kleineren Geldbeutel geeignet – und vor allem für Kinder.

Denn im neuen Lehrplan spielt Ernährung eine immer wichtigere Rolle. Als „essbare Gemeinde“ könne man Jones zufolge Buben und Mädchen vermitteln, wo Obst und Gemüse herkommen und wie man es pflanzt und erntet. Sie sollen lernen, dass „die gelbe Rübe nicht in der Dose wächst“. Die öffentlichen Gärten wären ideal für diese Art der Bildung. Sie könnten Schulen und Kindergärten die Möglichkeiten bieten, das Thema Natur und Ernährung praxisnahe in die Unterrichtsgestaltung einzubringen, heißt es in Jones’ Antrag. Kooperationen, Projekte – alles ist möglich.

Von dem Prinzip zeigt sich auch Andreas Müssig begeistert. „Das ist eine sehr gute Idee“, sagt der CSU-Gemeinderat. Ganz im Sinne des „Urban Gardening“, bei dem in Siedlungsgebieten städtische Flächen gärtnerisch genutzt werden. Einiges spricht dafür, Murnau essbar zu machen. Erstens, weil man die Bevölkerung miteinbeziehen kann. Zweitens, es sieht gut aus. Drittens wären Obstbäume gut für die Bienen. Unkonventionell, aber effektiv also. Und vor allem keine zusätzliche finanzielle Belastung für den Markt. „Man pflanzt ja eh was, dann muss man schauen, für was man das Geld ausgibt“, sagt er.

Doch bis sich Murnau in die lange Liste an Städten und Kommunen einreihen kann, die den Schritt gewagt haben, muss erst noch die Standortfrage geklärt werden. Deshalb beantragt Jones, dass das Umweltreferat prüft, welche Flächen für einen Anbau überhaupt in Frage kommen. Ein paar Vorschläge hätte sie schon parat: den Kultur- oder Molopark, die Wiese hinter der evangelischen Kirche oder eben kleinere Bereiche in der Fußgängerzone. Im nächsten Schritt soll dann der Gemeinderat über ein konkretes Konzept entscheiden. Beispiele jedenfalls gibt es zur Genüge.

Rubriklistenbild: ©  dpa

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