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Schwimmer in Aktion: Ob in Murnau ein Hallenbad gebaut wird, steht noch nicht fest.

Experten-Studie liegt vor

Hallenbad als Kostenfresser

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Murnau – Jetzt liegen die Zahlen auf dem Tisch: Ein Murnauer Sporthallenbad würde jedes Jahr ein Defizit von rund 570 000 bis 707 000 Euro verursachen. Für die Ortspolitik scheint festzustehen: Ohne den Landkreis wäre das nicht zu schultern.

Wieviel kostet es, ein Hallenbad zu bauen und zu betreiben? Es ist nicht einfach, diese Frage zu beantworten, weil es in dieser Rechnung eine Vielzahl an Variablen gibt, die nur grob geschätzt werden können. Die Marktgemeinde Murnau hatte mit der Nürnberger con.pro GmbH eine Beraterfirma beauftragt, eine Machbarkeitsstudie zu erstellen. Die Ergebnisse wurden jetzt erstmals öffentlich in der Sitzung des Gemeinderats präsentiert. Herauskamen verschiedene Varianten und etliche Zahlenreihen.

Die entscheidende Botschaft: Das angedachte einfache Hallenbad mit Sport- und Lehrschwimmbecken wäre ein ordentliches Draufzahlgeschäft. Diese Einrichtung, die in erster Linie für das Schulschwimmen ausgelegt wäre, aber auch von der Öffentlichkeit mitgenutzt werden könnte, würde jedes Jahr ein Defizit von mindestens rund 570 000 Euro (einschließlich Abschreibung der Baukosten auf 25 Jahre und Zinsen) produzieren. Zählt man die Personalkosten für eine Aufsicht während des Schulschwimmunterrichts hinzu, sind es schon 613 000 Euro – und bei erweiterten Öffnungszeiten 707 000 Euro. Zur Erinnerung: Der Förderverein, der sich für die Schaffung einer solchen Sportstätte stark macht, kam anfangs in seinen Kalkulationen auf deutlich weniger, genannt worden waren mal rund 350 000 Euro.

Den Berechnungen der jetzt vorgelegten Experten-Studie liegen Baukosten in Höhe von 7 Millionen Euro zugrunde. Nicht mitgerechnet sind in dieser Summe ein möglicher Grundstückskauf und die Mehrwertsteuer. Zusammen mit diesen beiden Positionen ergäbe sich eine Investition in Höhe von 9,5 bis 9,8 Millionen Euro. In diesen Zahlenspielen nicht berücksichtigt sind Zuschüsse.

Wer in der besagten Sitzung ein klares Ja oder Nein zu dem Großprojekt erwartete, wurde enttäuscht – wenngleich in einigen Beiträgen eine gewisse Skepsis herauszuhören war. Erwartungsgemäß beauftragte das Gremium mit großer Mehrheit Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), mit dem Landkreis über eine Mitfinanzierung zu verhandeln. „Wenn sich der Landkreis nicht beteiligt, werden wir uns das Bad nicht leisten können“, betonte der Rathaus-Chef. Der Kreis, so das Argument, sei als Sachaufwandsträger von Gymnasium und Realschule für fast zwei Drittel der 109 Murnauer Sportklassen zuständig. Also müsse er auch das Unternehmen Hallenbad unterstützen. Wie berichtet, zeigt sich das Landratsamt zumindest gesprächsbereit. Festlegen wollte sich die Behörde auf Tagblatt-Nachfrage aber nicht.

Mit den Kalkulationen der Beraterfirma ist Josef Bierling nicht so recht einverstanden. Der CSU-Gemeinderat ist bekanntlich als Mitstreiter in dem Förderverein ein Hallenbad-Verfechter. „Ich bin schon erstaunt, wie die Zahlen hochgerechnet werden“, sagte er. Dem widersprach Beuting: „Die Zahlen sind fair und solide.“ Und eigentlich habe man sich in einem Vorgespräch auf diese Diskussionsgrundlage verständigt. Bemerkenswert: Auch in Bierlings eigenen Reihen wird offenbar ein Hallenbad-Bau kritisch gesehen. „Ich habe mein Problem damit“, erklärte sein Fraktionskollege Michael Hosp. An das Ganze sei nur dann zu denken, wenn der Landkreis einen „Löwenanteil“ der Kosten übernimmt.

Und auch Veronika Jones (Bündnis 90/Die Grünen) meinte: „Alleine können wir das auf keinen Fall leisten.“ Sie dachte schon mal laut über einen „Kompromiss“ nach: Die Marktgemeinde könnte sich doch, so ihre Überlegung, darum bemühen, den Vorschulkindern einen Schwimmkurs in einem Bad in der näheren Umgebung zu ermöglichen.

Andreas Seiler

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