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Streitfrage: Ob in Murnau ein Bad gebaut werden kann, muss sich noch zeigen.

Pensionierter Lehrer meldet sich zu Wort 

Hallenbad: JU-Aussagen „geradezu grotesk“

Murnau - Die Schwimmbad-Debatte wird in Murnau zum Dauerbrenner. Anton Rieger, der bei Murnau Miteinander mitwirkt, schlägt jetzt vor, sich an Feuchtwangen zu orientieren. Aussagen der Jungen Union bezeichnet er als „grotesk“.

Ein Schulschwimmbad ist in Murnau machbar und auch bezahlbar: Diese Ansicht vertritt der Murnauer Anton Rieger. Dass man den Unterhalt eines solchen Bades, „das natürlich auch der Öffentlichkeit zur Verfügung steht, intelligent organisieren kann, zeigt das Beispiel der Stadt Feuchtwangen“. 

Der Ort in Mittelfranken zählt rund 12 000 Einwohner. Etwa 2000 Schüler nutzen das dortige Hallenbad. Das Becken ist 25 Meter lang und hat vier Bahnen. Es wurde vor etwa 35 Jahren gebaut und kürzlich saniert. Rieger, der bei Murnau Miteinander aktiv ist, kennt die Örtlichkeit. Er war in Feuchtwangen drei Jahre als Lehrer tätig. Inzwischen ist er pensioniert. Seines Wissens kostet das Bad die Stadt Feuchtwangen pro Jahr circa 50 000 Euro. Kämmerer Bernd Hippelein sagte dem Tagblatt, dass die Stadt jährlich freiwillig rund 35 000 Euro für den Betrieb zahlt. Es kommen aber noch Kosten dazu.

Das Bad wird von einem Zweckverband getragen, dem die Stadt, der Landkreis Ansbach sowie ein Schulverband angehören. „Das ist ein historisch gewachsenes Konstrukt“, sagt Hippelein. Er geht davon aus, dass der nicht gedeckte Bedarf heuer rund 250 000 Euro ausmachen wird. Diesen Betrag müssen die Mitglieder des Zweckverbands stemmen. 2013 waren es 210 000 Euro, im Jahr 2014 kamen 230 000 Euro zusammen. Für den Betrieb des Bades sind heuer Ausgaben von 350 000 Euro angesetzt. In Murnau ergab eine Machbarkeitsstudie, dass eine Einrichtung, die in erster Linie für das Schulschwimmen ausgelegt wäre, aber auch von der Öffentlichkeit mitgenutzt werden könnte, jedes Jahr ein Defizit von mindestens rund 570 000 Euro produzieren würde (wir berichteten).

Rieger kritisiert auch Aussagen der Jungen Union (JU). „Die neuesten Zahlen sind alarmierend“, betont der pensionierte Lehrer. „59 Prozent der Zehnjährigen können nicht oder nicht ausreichend schwimmen. Vor diesem Hintergrund mutet die Aussage des JU-Chefs Florian Lempert geradezu grotesk an, wenn er bei dem dringend notwendigen Schulschwimmbad von einem ,Luxus-Pool‘ spricht, den sich Murnau nicht leisten sollte.“ Lempert wisse vielleicht nicht, dass der Schwimmunterricht im Lehrplan aller Schularten verbindlich vorgeschrieben sei – aber leider in Ermangelung eines Schwimmbades (bei 109 Sportklassen) fast gänzlich entfalle. „Der sattsam bekannte Einwand, ,wir haben ja den See oder können die Schüler in die umliegenden Bäder fahren‘, ist eher geeignet, die Lufthoheit über die hiesigen Stammtische zu erringen als durchdacht oder gar praktikabel – eine kreative JU sollte weiter denken!“ In Seen dürfe gar kein Schulschwimmunterricht erteilt werden, macht Rieger deutlich. 109 Sportklassen müssten nach Oberammergau, Garmisch-Partenkirchen oder Penzberg gefahren werden, was zu erheblichen Kosten und Unterrichtsausfällen führe. Das Ohlstädter Bad werde vom Ministerium abgelehnt.

„Auch zu argumentieren, dass bei Errichtung eines Schwimmbades keine Mittel für den sozialen Wohnungsbau mehr blieben, ist einfach ignorant, da sich Investitionen in den sozialen Wohnungsbau über die Mieten refinanzieren.“

Was Rieger, der 2014 auf der CSU-Liste für den Murnauer Marktgemeinderat kandidierte, auch missfällt: Die Machbarkeitsstudie „geht überhaupt nicht auf die finanziellen Zuschüsse seitens der Regierung ein“. Diese habe aber in jüngster Zeit das Problem erkannt und fördere den Bau von Schulschwimmbädern nach Aussagen des zuständigen Ministeriums „mit bis zu 80 Prozent“. Ein Sprecher des bayerischen Finanzministeriums bestätigt dies, wobei der Fördersatz von der finanziellen Lage der Kommune abhänge. In begründeten Einzelfällen könne sogar ein Zuschuss von 90 Prozent gewährt werden.

„Auch bei den Unterhaltskosten ist der Landkreis auf jeden Fall beteiligt“, ergänzt Rieger. Denn als Sachaufwandsträger für Realschule und Gymnasium stehe er in der Pflicht. „In meiner Zeit als Konrektor der Zugspitzrealschule wurden für jeden Schüler pro Besuch des Alpspitzbades 1,50 Euro bezahlt, die über unseren Haushalt vom Landkreis kamen.“

Roland Lory

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