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Nicht überzeugt:  Die Grünen-Sprecherin Dorothee Sührig befürchtet ein hohes Defizit.

Umfangreiches Zahlenwerk vorgelegt

Hallenbad: Grüne zweifeln an Kosten-Kalkulation

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Kann sich Murnau ein Hallenbad leisten? Der Förderverein sagt Ja – und legte eine konkrete Kostenkalkulation vor. Der Ortsverband der Grünen hält diese jedoch für nicht realistisch.

Murnau – Der Förderverein Hallenschwimmbad Murnau hatte sich viel Arbeit gemacht und kürzlich im Rahmen einer Info-Veranstaltung ein umfangreiches Zahlenwerk vorgelegt. Die Befürworter kommen bei einem einfachen Schulschwimmbad auf ein jährliches Defizit von rund 300 000 bis 350 000 Euro – inklusive der Nebenkosten, Abschreibungen und Kreditzinsen.

Die Berechnungen, die Josef Bierling, CSU-Gemeinderat und Zweiter Vorsitzender des besagten Fördervereins, vorstellte, überzeugen jedoch den Ortsverband der Grünen (Murnau und Umgebung) nicht. „Ich schätze, dass das Defizit sehr viel höher sein wird“, sagt Sprecherin Dorothee Sührig, die sich in der Sache mit einem Leserbrief ans Tagblatt gewandt hat. Aus diesem Grund sieht sie auf Nachfrage den Bau einer solchen Sportstätte „sehr kritisch“. Wenn sich solch ein Hallenbad nicht selbst trage oder zumindest nicht deutlich günstiger betrieben werden könne, sei sie dagegen. An Bierlings Zahlenspielen hat Sührig ihre Zweifel.

Bestes Beispiel: die Personalkosten – mit jährlich 140 000 Euro der größte Posten. Bierling rechnet mit nur zweieinhalb Stellen. Viel zu wenig, meint Sührig. „Ich halte das für nicht machbar.“ Mit Bierlings Annahme, dass bei einem Schulbetrieb keine weitere Aufsicht zur Unterstützung der Lehrkräfte notwendig sei, kann sich die Grünen-Politikerin nicht anfreunden. In dem besagten Brief schreibt sie dazu: „Gestatten Sie mir den Hinweis, dass ich bedauernswerterweise einmal Zeugin einer Reanimation nach einem Badeunfall wurde, als nämlich eine Klassenkameradin beim Schulschwimmen den Nichtschwimmerbereich völlig unbehelligt verlassen konnte. Wir waren damals in der dritten Klasse Grundschule, und unsere Lehrerin war mit der alleinigen Aufsicht offenbar überfordert.“ Dass die Verwaltungskosten samt Reinigung lediglich 20 000 Euro im Jahr ausmachen sollen, kann Sührig offenbar auch nicht so recht glauben. „Dazu mag sich jeder, der sich im Schwimmbad in den Toiletten oder Umkleiden schon mal geekelt hat, seine eigene Meinung bilden.“

Für die Bad Kohlgruberin steht fest: Das Großprojekt Schwimmbad sei nicht die drängendste Aufgabe in Murnau – zumal der Markt jeden Euro nur einmal ausgeben könne. Ganz oben auf der To-do-Liste müsse die Schaffung bezahlbaren Wohnraums stehen. Die Mieten seien zu hoch, viele Familien müssten wegziehen, weil sie sich Murnau nicht mehr leisten könnten, klagt die Sprecherin des Ortsverbandes der Grünen.

Bierling kann indessen Sührigs Kritik an seiner Kostenkalkulation nicht nachvollziehen. „Das ist seriös gerechnet. Das müsste so funktionieren“, sagt er. Angedacht sei kein Spaßbad, sondern ein einfaches Schulschwimmbad, das auch die Öffentlichkeit und Vereine nutzen könnten. Der CSU-Mann geht von Baukosten in Höhe von sechs Millionen Euro und zwei Millionen Euro Zuschüssen aus. Das Grundstück müsste vorhanden sein. Bierling kann sich vorstellen, an der Mittelschule einen Kombi-Bau mit Turnhalle und Schwimmbad zu verwirklichen.

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