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Alteingesessenes Ladengeschäft: Haushaltswaren Paul an der Murnauer Bahnhofstraße.

Ende einer Murnauer Institution: Am 2. Mai startet der Räumungsverkauf

Haushaltswaren Paul schließt: Ein Geschäft wird Geschichte

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Murnau verliert eines seiner alteingesessenen Ladengeschäfte: Im Sommer schließt Haushaltswaren Paul an der Bahnhofstraße. Eine Übernahme durch Zitzmann Spielzeugland zerschlug sich.

Murnau– Der Entschluss fiel Florian Paul schwer: „Natürlich – doch er ist vernünftig. Die Ratio hat entschieden.“

Seit Jahrzehnten ist das Haushaltswarengeschäft der Pauls fester Bestandteil der Murnauer Bahnhofstraße. Doch bald ist Schluss – und der Ort verliert wieder eine Institution: Florian Paul und seine Frau Daniele, die dritte Unternehmer-Generation, hören auf. Am 2. Mai wird der Räumungsverkauf starten und bis Ende Juni laufen. So lange bleiben auch die acht Teilzeitkräfte im Geschäft, die bereits im Januar Kündigungen erhielten. Damals noch mit der Aussicht, ihre Arbeitsplätze doch behalten zu können – falls die Option greift, dass Max Zitzmann das Geschäft übernimmt. Dieser hat sein Spielzeugland in Garmisch-Partenkirchen, für das die Gemeinde den Mietvertrag wegen Eigenbedarfs gekündigt hatte, mittlerweile geschlossen. Er spielte offenbar mit dem Gedanken, in Murnau einzusteigen. Doch die rettende Tür fiel ins Schloss. Zitzmann, der nach Angaben Pauls einen Teil des Haushaltswaren-Sortiments fortführen und um Spielwaren ergänzen wollte, sagte nach zahlreichen Gesprächen und dem Vernehmen nach bereits weit gediehenen Verhandlungen ab. Paul macht ihm keinen Vorwurf: „Er hat die Sache durchgerechnet und ist für sich auf keinen grünen Zweig gekommen.“ Zitzmann selbst stellte schon vor Wochen klar, sich nicht äußern zu wollen.

Seit der schlechten Nachricht befindet sich Paul in Kontakt mit anderen Interessenten, „aber das ist schwierig: Alle sind in meinem Alter und haben keinen Nachfolger“. Paul zählt 56 Jahre, und die einzige Tochter des Paars hat eine Karriere als Schauspielerin, Künstlerin und Autorin eingeschlagen. Um das Geschäft erfolgreich weiterbetreiben zu können, müsse man investieren, betont Paul. „Das macht man nicht ohne Nachfolger.“ Erstes Ziel bleibt für ihn, dass jemand den Laden übernimmt: „Er liegt mir am Herzen – aber man muss etwas ändern, neue Kunden gewinnen.“ Kommt es nicht zu einer Übernahme, wollen die Pauls, die weiter im Haus wohnen werden, vermieten. Rund 950 Quadratmeter sind zu vergeben, davon etwa 550 Quadratmeter Verkaufsfläche.

Den „alten Stiefel“ fortzuführen, kommt für Paul nicht in Frage. Der Entschluss steht, und er ist in erster Linie wirtschaftlichen Erwägungen geschuldet. „Hauptfaktor ist das immer schlechter werdende Geschäft“, räumt der 56-Jährige unumwunden ein. Feine Tischkultur, die Paul unter anderem mit Porzellanservice-Serien, Gläsern, Bestecken und Küchenausstattungs-Sortimenten bedient, spielt in seinen Augen eine weitaus geringere Rolle als früher. Es herrsche eine „Henkelbecher- und Espressokapsel-Mentalität“, die dazu führt, dass es in der Regel kaum mehr Interesse an teurem Geschirr oder Hochzeitstischen gibt. Dazu kommt die Billig-Konkurrenz: Online-Handel, Discounter, Supermärkte mischen längst bei Haushaltswaren mit. Und als vor rund eineinhalb Jahren Christian Patrzek das von ihm gepachtete Geschäft Eisenwaren Paul nebenan schloss, „hat uns das noch mal Kunden und Umsatz gekostet, weil man das mit uns in Verbindung brachte“, sagt Florian Paul.

Einst hatten Eisen- und Haushaltswaren wirklich zusammengehört. Alles begann 1919, als der Großvater eine Schmiede an der Grüngasse betrieb. Nach dem Krieg eröffnete die Familie dort eine Eisenwarenhandlung, Mitte der 1950er Jahre bauten die Pauls an der Bahnhofstraße. Schließlich kamen die Haushaltswaren dazu und Ende der 1970er Jahre ihr heutiges Geschäftsgebäude. Parallel wurden Haushalts- und Eisenwaren in separaten Läden getrennt. Nun ist nach dem einen Geschäft wohl auch das andere bald Geschichte. Florian Paul zeigt sich zwar überzeugt, einen Mieter zu finden, „aber einen sanften Übergang wird es nun nicht geben“.

Jan-Ulrich Bittlinger, Wirtschaftsförderer der Marktgemeinde, kann sich vorstellen, dass das Objekt angesichts seiner Fläche, der Lage und der vorhandenen Parkplätze „für einen Filialisten durchaus attraktiv sein könnte“. Lieber gehe jemand planvoll, als dass er in Insolvenz gehe, sagt Bittlinger mit Blick auf Pauls wohl durchdachten Ausstieg. Das Haushaltswaren-Segment sei im Zeitalter von Internet und Großkaufhäusern kein einfaches. Grundsätzlich muss es in Bittlingers Augen Ziel in Murnau sein, einen Teil der Frequenz der Fußgängerzone in die Bahnhofstraße zu leiten.

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