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Umstritten: die Präsentation der Jagdtrophäen bei Hegeschauen – wie hier in Putzbrunn. 

Hegeschauen bleiben Pflichttermine

„Ekelhafte und grausame“ Praxis: Murnauer Forstwirt scheitert mit Petition

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    Andreas Seiler
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Jäger sind weiterhin dazu verpflichtet, die Geweihe und Gehörne der abgeschossenen Wildtiere im Rahmen von Hegeschauen öffentlich auszustellen. Der Murnauer Forstwirt Thomas Grebenstein scheiterte jetzt mit einer Petition, diese Regelung abzuschaffen.

Landkreis/München – Der Stein des Anstoßes ist die Ausführungsverordnung zum Bayerischen Jagdgesetz: Demnach müssen Jäger den Kopfschmuck des in ihren Revieren erlegten oder verendet aufgefundenen Schalenwildes bei der jährlichen Hegeschau vorlegen. Thomas Grebenstein hält diese Praxis für nicht mehr zeitgemäß – und sinnlos. „Das Präparieren des Kopfschmuckes empfinde ich als ekelhaft und grausam. Es entwürdigt das erlegte Tier“, schrieb er in einer Online-Petition an den Bayerischen Landtag. Außerdem seien die Stücke völlig ungeeignet, um Rückschlüsse auf den Zustand des Wildbestandes und des Waldes zu ziehen. Der Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Ammer-Loisach mit Sitz in Murnau forderte daher, die besagte Verpflichtung zu streichen und die Präsentation der Trophäen nur noch auf freiwilliger Basis zu verlangen. Grebenstein sammelte für sein Anliegen über 1200 Unterschriften.

Am Mittwoch beschäftigte sich in München der Landwirtschaftsausschuss mit dem Thema – und lehnte das Gesuch mit einer Mehrheit aus CSU und Freien Wählern ab. Tenor: Es gebe keinen Grund, die Anweisung zu kippen. Die Hegeschauen hätten auch die Aufgabe, die Öffentlichkeit zu informieren. Nur Grüne und SPD folgten Grebensteins Argumentation.

Dieser nimmt die Niederlage sportlich: „Das hat sich im Vorfeld abgezeichnet.“ Vielleicht werde seine Initiative von Organisationen weitergeführt, die ähnliche Interessen verfolgen. Grebenstein stellt klar: Er sei nicht gegen die Jagd. Ganz im Gegenteil: „Die Jagd ist ein Geben und Nehmen mit der Natur.“ Auch sei sie wichtig, um die Verbissschäden im Wald in einem akzeptablen Rahmen zu halten. Allerdings könne man mit den Trophäenschauen bestimmt keine höhere Akzeptanz in der Bevölkerung erreichen.

Im Bayerischen Jagdverband herrscht indes Erleichterung über den Ausgang des Verfahrens: „Ich bin dankbar für den Beibehalt der Pflichthegeschau“, sagt Präsident Jürgen Vocke. „Wir brauchen ein Instrument, um an alle Revierinhaber ranzukommen. Wenn wir die Summe betrachten, können wir sehr wohl erkennen, wie es um die Tiere steht.“

Auch Tessy Lödermann, Kreisvorsitzende des Tierschutzvereins, hält die Ausstellungen für wichtig. Denn: „Man sieht ganz genau, wie in den Bestand eingegriffen wird.“ Und man gewinne wertvolle Erkenntnisse über das Wild, etwa über die sozialen Strukturen oder das Geschlechterverhältnis.

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