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Im April 1995 eingeweiht: die Tafel am ehemaligen Moosberg-Steinbruch.

Gedenkstein im Murnauer Moos

Doering: Dingler-Tafel entfernen

Der Bund Naturschutz hat seit längerem eine heikle „Baustelle“. Dabei geht es um den Umgang mit einem Gedenkstein, der an Max Dingler und Ingeborg Haeckel erinnert. Eine Entscheidung fällt den Naturschützern schwer.

Murnau – Der Ehrenbürger Max Dingler ist Geschichte. Der Murnauer Marktgemeinderat beschloss vor zwei Wochen, den Hitlerputschteilnehmer, Naturschützer und Mundartdichter von der Liste zu streichen (wir berichteten). Diese Entscheidung sei „richtig“, sagt Axel Doering, Vorsitzender des Kreisverbandes des Bund Naturschutz (BN). Die Kreis- sowie die Ortsgruppe Murnau mit Umgebung stehen aber nach wie vor vor einem Problem. Wie soll man mit dem Gedenkstein umgehen, der im Murnauer Moos steht und der Dingler sowie Ingeborg Haeckel würdigt?

Die Naturschützer haben das heikle Thema schon länger auf dem Tisch liegen. Sie diskutierten auch bereits mehrfach darüber. Doch eine endgültige Entscheidung ist offenbar noch nicht gefallen. Im vorigen Jahr hieß es, die Bronzetafel solle hängen bleiben. Daneben wollte man drei Info-Schilder platzieren. Döring regt an, diesen Beschluss zu überprüfen. Seine persönliche Meinung ist: Die Tafel sollte entfernt werden. Stattdessen sollte eine befestigt werden, die ausschließlich Haeckels Tätigkeit beleuchtet. „Dingler hat seine Verdienste“, sagt der Kreisvorsitzende. „Aber er ist keine Person, die als Vorbild dienen kann.“ Hätte Dingler sich nach dem Zweiten Weltkrieg distanziert, „wäre mein Problem kleiner“, betont Doering. „Aber er war ein Opportunist reinsten Wassers.“

Dr. Rudolf Nützel, Chef der BN-Ortsgruppe, hält sich mit konkreten Aussagen zurück. „Die Vorstände der Kreisgruppe und Ortsgruppe des BN werden den Umgang mit dem Gedenkstein erneut diskutieren und hoffentlich zu einem einstimmigen Votum kommen.“ Leider könne er derzeit „keine abgestimmte BN-Meinung mitteilen“.

Sollte der Stein aus seiner Sicht stehen bleiben und durch drei Infotafeln ergänzt werden, wie es mal geplant war? Oder sollte er entfernt werden? Auf diese Fragen geht Nützel in einer schriftlichen Antwort nicht ein.

Guntram Gattner, Beisitzer in der Ortsgruppe, ist auskunftsfreudiger. In der Ortsgruppe sei man bisher der Meinung, dass die Tafel bleiben und ein ergänzendes Schild angebracht werden sollte, die Auskunft über Dingler gibt. Nach Gattners Ansicht sollte man „nicht päpstlicher als der Papst sein. Man sollte eine pragmatische Lösung finden“, betont der Buchhändler. Eine zusätzliche Tafel würde seiner Meinung nach zeigen: „Da hat sich jemand Gedanken gemacht.“ Damit würde eine Änderung in der Sichtweise dokumentiert. Gattner weist darüber hinaus darauf hin, dass das Murnauer Moos bei der älteren Bevölkerung „immer noch mit dem Namen Max Dingler verbunden“ sei.

Roland Lory

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