Markierte Bäume in einem Wald: Die Stämme sollen gefällt werden.
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Markierte Bäume in einem Wald: Die Stämme sollen gefällt werden (Symbolbild).

Sofortiger Stopp gefordert

Holzeinschlag im Murnauer Gemeindewald: CSU äußert massive Kritik

  • Roland Lory
    vonRoland Lory
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Die CSU-Fraktion im Murnauer Marktgemeinderat erhebt schwere Vorwürfe. „Der Wald der Marktgemeinde Murnau wurde nicht nachhaltig bewirtschaftet und in Teilen sehr stark übernutzt“, heißt es in einem Antrag der Christsozialen. Die Rathausverwaltung weist die Anschuldigungen zurück.

  • Die CSU-Fraktion im Murnauer Marktgemeinderat äußert massive Kritik.
  • Sie beklagt, dass der Gemeindewald nicht nachhaltig bewirtschaftet werde.
  • Das Rathaus weist die Vorwürfe zurück.

Murnau – Die rund 120 Hektar Wald, die dem Markt Murnau gehören, betreut das staatliche Forstamt. „Eine nachhaltige Bewirtschaftung ist hier oberstes Ziel, denn sie ist die beste Option für einen zukunftsfähigen Wald“, verlautet aus dem Rathaus.

Forderungen der CSU

Die CSU-Fraktion im Marktgemeinderat hat jetzt einen Antrag eingereicht, der es in sich hat. Darin heißt es: „Der Wald der Marktgemeinde Murnau wurde nicht nachhaltig bewirtschaftet und in Teilen sehr stark übernutzt. Das forstliche Gutachten, das als Basis für die Bewirtschaftung dient, wurde offensichtlich ignoriert.“ Die CSU-Fraktion verlangt daher einen sofortigen Stopp sämtlicher Maßnahmen, die nicht dem Waldschutz oder der Verkehrssicherung dienen. „Gleichzeitig fordern wir eine Erklärung zu den nicht durchgeführten Maßnahmen sowie zu den Mehrnutzungen, die nicht allein mit Kalamitätsfällen erklärbar sind.“ Besonders im Distrikt Galthütte sieht die CSU-Fraktion Mängel. Dieser „wurde geplündert“. Die E-Mail mit dem Antrag hat Fraktionssprecher Rudolf Utzschneider verschickt.

Beuting weist die Vorwürfe zurück

Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) weist die Anschuldigungen zurück: „Die sehr polemisch geäußerten Vorwürfe sind nicht haltbar, die Forderungen entsprechen nicht der Praxis.“ Der CSU-Fraktion dient das „Forstbetriebsgutachten für den Gemeindewald Murnau“ aus dem Jahr 2009 sowie jährliche Berichte über Holzeinschlag und Verkauf als Grundlage ihrer herben Vorwürfe. Als Ziel sei in dem Gutachten von 2009 „ein nachhaltiger Jahreshiebsatz von 181 Festmetern für die gesamte Fläche des Gemeindewaldes Murnau ermittelt“ worden. „Das ergibt für die Jahre 2010 bis 2019 ein Ziel insgesamt 1810 Festmetern. Die tatsächlich eingeschlagene Menge im Zeitraum 2010 – 2019 beträgt 2950 Festmeter. Es wurde somit mehr als 160 Prozent des Plans zur nachhaltigen Bewirtschaftung eingeschlagen“, monieren die Christsozialen.

Rathaus: Stürme nicht vorhersehbar

Nina Herweck-Bockhorni, stellvertretende Geschäftsleiterin im Murnauer Rathaus, erklärt, dass der starke Windwurf durch den Sturm „Niklas“ 2015 und der Borkenkäferbefall nicht vorhersehbar waren und daher zu höheren Einschlagmengen führten. „Nach 2015 wurden außer aufgrund des Sturmes, des Borkenkäferbefalls oder aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht keine zusätzlichen Hiebmaßnahmen mehr durchgeführt.“ In Bezug auf den Bereich Galthütte weist Herweck-Bockhorni darauf hin, dass es dort seit 2015 keine Hiebmaßnahmen gab. „Dieser Bereich war vom Sturm besonders betroffen.“ Aufforstungsmaßnahmen seien bereits in Planung. Das Rathaus widerspricht damit der CSU-Fraktion, die erklärt hatte: „Die gängige Praxis der nachhaltigen Bewirtschaftung, die Nutzung nach Schadereignissen ruhen zu lassen, wurde für den Distrikt Galthütte ignoriert.“

CSU-Kritik: Maßnahmen nicht umgesetzt

Die CSU-Fraktion hat noch mehr zu bekritteln: „Gleichzeitig wurden zahlreiche im Gutachten festgelegte Maßnahmen für eine Vielzahl von Distrikten nicht umgesetzt, die eine Gesamtmenge von 261 Festmetern liefern sollten. Es wurde hier keinerlei Holz eingeschlagen.“

Gutachten für 20 Jahre

Herweck-Bockhorni erklärt dazu: „Pflegemaßnahmen wurden im gesamten Bereich des Waldes durchgeführt. Jedoch wurden diese aus forstfachlichen Gründen nach dem schweren Sturm 2015 und dem Borkenkäferbefall der geänderten Situation angepasst.“ Die Forstbetriebsgutachten werden für 20 Jahre aufgestellt – „wohl wissend, dass unvorhersehbare Ereignisse stets die Umsetzung der konkreten Ziele der Gutachten unmöglich machen können“. Daher erfolge alle zehn Jahre ein Zwischengutachten des Staatlichen Forstamtes. „Dieses wird derzeit erstellt und soll bis Ende des Jahres vorliegen“, teilt Herweck-Bockhorni mit.

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