Areal in Spitzen-Lage: das ehemalige Hotel Ludwig (Bildmitte), das einen neuen Eigentümer hat. In Nachbarschaft (rechts) befindet sich das frühere Lux-Plastic-Gelände, auf dem Wohnraum entstanden ist.
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Areal in Spitzen-Lage: das ehemalige Hotel Ludwig (Bildmitte), das einen neuen Eigentümer hat. In Nachbarschaft (rechts) befindet sich das frühere Lux-Plastic-Gelände, auf dem Wohnraum entstanden ist.

Was passiert mit Areal am Seidlpark?

Ehemaliges Hotel Ludwig: Tausende Quadratmeter Grund in Murnauer Top-Lage verkauft

  • Silke Reinbold-Jandretzki
    vonSilke Reinbold-Jandretzki
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Mehr als fünf Jahre nach der Schließung ist das frühere Murnauer Hotel Ludwig am Seidlpark mit tausenden Quadratmetern Grund verkauft worden. Wer das Objekt erworben hat, bleibt unklar, die geplante Nutzung ebenfalls. Experten schließen nicht aus, dass Luxus-Wohnraum entstehen könnte.

Murnau – Rupert Poettiner gerät ins Schwärmen: „Das ist ein absolutes Sahnestück“, sagt der Murnauer Immobilienexperte. Für ihn steht außer Frage, dass einige Millionen Euro geflossen sein müssen beim Verkauf des früheren Hotel Ludwig, das mit einer Spitzen-Lage nördlich des Seidlparks glänzt. Der Beherbergungsbetrieb ruht seit Oktober 2015; damals hatte das Traditionshaus, an dem der Zahn der Zeit nagte, nach rund 40 Jahren geschlossen (wir berichteten). Noch im November 2020 hatte ein Vertreter der alten Eigentümerin Helvetic Investment GmbH erklärt, es gebe für das Objekt kein Nutzungskonzept. Auf eine Anfrage zum Verkauf ging die GmbH inhaltlich nicht ein: Man bitte „um Verständnis dafür, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Erklärungen in dieser Angelegenheit abgeben“.

Marktgemeinde Murnau bestätigt Verkauf des früheren Hotels

Doch auch so ist klar: Die Gesellschaft trennte sich von der Immobilie mit ihren tausenden Quadratmetern Grund, die seit der Hotelschließung einen deutlichen Wertzuwachs erfahren haben dürften. Angeblich hat sich ein Projektentwickler das Areal gesichert; eine Bestätigung dafür gibt es indes nicht. Rathaus-Sprecherin Annika Röttinger erklärt die Nachricht vom Eigentümerwechsel, die im Ort aktuell die Runde macht, für zutreffend: „Das Hotel Ludwig wurde nach Kenntnis des Marktes verkauft.“ Ansonsten gibt sich die Gemeinde zurückhaltend und geht nur partiell auf eine Tagblatt-Anfrage ein. Es handle sich „um ein ganz normales Grundstücksgeschäft zwischen privaten Dritten“, heißt es. Deren Recht und Aufgabe sei es nun, das Grundstück zu entwickeln. „Der Markt Murnau wird dabei im Rahmen baurechtlicher Fragestellungen an diesem Prozess beteiligt.“ Ihm liegen keine konkreten Bauanträge vor. Und: Für das Areal gebe es „keinen rechtskräftigen Bebauungsplan“. Dieser regelt grundsätzlich, was wo errichtet werden darf.

Ehemaliges Hotel Ludwig: Es gibt keinen rechtskräftigen Bebauungsplan

Die Frage, ob ein solches Instrument im Fall des Hotel Ludwig greife, warf jüngst Freie-Wähler-Vertreter Welf Probst in der Gemeinderatssitzung auf. Nein, entgegnete Marktbaumeister Klaus Tworek. Und: 2007 sollte ein solcher Plan erstellt werden, sei aber nicht zum Abschluss gekommen. Im Sommer 2015, nach Bekanntwerden der Schließungsabsicht, entschied der Gemeinderat wie berichtet, den Planentwurf für das Sondergebiet am Seidlpark weiterzuverfolgen, der eine Nutzung im Bereich Hotel, Kur, Reha, Wellness und Tagung festlegen sollte. Das Verfahren brachte man aber nicht zu Ende. Ausklammern wollte man das benachbarte Lux-Plastic-Areal, auf dem in der Zwischenzeit Wohnbebauung entstanden ist. Das war möglich, weil sich herausgestellt hatte, dass das Gelände wohl dem Innenbereich zuzuordnen ist. Der Weg für die Schaffung neuen Wohnraums war frei.

Experte kann sich hochpreisigen Wohnungsbau vorstellen

Fehlt ein Bebauungsplan, dann gilt im Grundsatz: Ein Vorhaben ist zulässig, wenn es sich in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt und die Erschließung gesichert ist. Falls die Bauleitplanung tatsächlich keine Hinderungsgründe vorsieht, kann sich Experte Poettinger nur eine Wohnbebauung vorstellen, und zwar „mit Sicherheit hochpreisig mit gehobener Ausstattung. Sozialer Wohnungsbau wird das keiner“. Poettinger findet indes, dies sei „besser als eine leerstehende Ruine“.

Freie-Wähler-Vertreter Probst kritisiert fehlende Einbindung des Gemeinderats

Gemeinderat Probst geht ebenfalls nicht davon aus, dass das Hauptaugenmerk des neuen Eigentümers darauf liegen wird, ein Zuhause für sozial Schwache zu schaffen. Seines Wissens nach wurde das frühere Hotelgelände über ein Bieterverfahren verkauft. Er fragte Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) in öffentlicher Sitzung, warum der Gemeinderat davon nicht in Kenntnis gesetzt worden sei. Beuting entgegnete, der Verwaltung sei von dem Verfahren nichts bekannt gewesen. Probst findet, die Kommune hätte sonst mitbieten können: „Es ist immer in ihrem Interesse, gerade bei solchen Objekten Einfluss nehmen zu können.“ Immerhin gehe es um knapp 7000 Quadratmeter Fläche – in Probsts Augen wäre das ein Thema für den Gemeinderat gewesen. Das Gremium müsse nun sowieso überlegen, was es sich künftig auf der Fläche vorstellt: weiter ein Hotel – oder etwas anderes? Probst stört, dass seine Fraktionskollegin Dr. Julia Stewens nichts von der Angelegenheit wusste. „Schade, dass der Bürgermeister es nicht schafft, die Leute mitzunehmen – nicht mal die Zweite Bürgermeisterin.“

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