Auf der Wiese neben dem James-Loeb-Haus (hi.r.) soll bezahlbarer Wohnraum entstehen.
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Auf der Wiese neben dem James-Loeb-Haus (hi.r.) soll bezahlbarer Wohnraum entstehen.

Umfrage unter den Fraktionen

In der Warteschleife: Das Wohnbauprojekt am James-Loeb-Haus in Murnau

  • Roland Lory
    vonRoland Lory
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Vor rund einem Jahr schlug das Thema Wohnungsbau am James-Loeb-Haus hohe Wellen. Damals lag ein Bürgerbegehren in der Luft. Seitdem hat man so gut wie nichts mehr von dem Großprojekt gehört. Das Tagblatt hat sich bei den Fraktionen des Marktgemeinderats umgehört.

  • Um das Thema Wohnungsbau am James-Loeb-Haus in Murnau ist es ruhig geworden.
  • Dort ist ein genossenschaftliches Projekt geplant.
  • Die Redaktion hat sich bei den Fraktionen nach dem Stand der Dinge erkundigt.

Murnau – Im großen Tagblatt-Interview nahm Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) den Marktgemeinderat in die Pflicht. Anfang des Jahres 2020 sei im Gremium vereinbart worden, dass sich die Fraktionen zum Thema genossenschaftlicher Wohnbau am James-Loeb-Haus nochmals zusammensetzen, um zu sondieren und auszuloten, ob sich eventuell auch Kompromisse finden lassen. „Das müssen die Fraktionen dann auch mal machen“, sagte der Rathauschef Mitte Januar.

Bedenken der Anlieger

Der Gemeinderat hatte sich mit der Materie in öffentlicher Sitzung zuletzt im Februar 2020 befasst. Der Entwurf eines Bebauungsplans sieht dreigeschossige Gebäude vor. Dies ist in den Augen von Anliegern zu massiv. Sie befürchten eine Verschandelung des Ortsbildes und eine Zunahme der Verkehrsbelastung in dem Viertel. Im Gespräch war bereits ein Bürgerbegehren.

Gemeinderat kam nicht recht weiter

Die Fraktion ÖDP/Bürgerforum schlug damals einen Kompromiss vor. Dieser sah eine Teilbebauung im Nordwesten des Areals vor – allerdings mit drei Vollgeschossen. Doch zu einer Abstimmung kam es nicht. Der Punkt wurde vertagt. „Daraufhin machte unsere Fraktion das Angebot, im kleinen Kreis unter den Fraktionssprechern das Bauvorhaben zu besprechen“, sagt Michael Manlik, Fraktionssprecher des ÖDP/Bürgerforums. Nur von einer Fraktion sei eine positive Rückmeldung gekommen. „Dieses Angebot steht weiterhin und wir werden demnächst dieses Thema wieder aufgreifen, wobei wir nach wie vor hinter unserem damaligen Antrag stehen. Wenn sich, was wir hoffen, der Gemeinderat auf eine Bebauung verständigt, soll eine frühzeitige Bürgerbeteiligung stattfinden, sobald der Gemeinderat den Startschuss für ein Planungsverfahren gegeben hat.“

Freie Wähler gegen massive Bebauung

Die Freien Wählergemeinschaft haben sich nach Auskunft von Fraktionssprecherin Maria Schägger in den vergangenen Monaten nicht mit dem Wohnbau auf dem James-Loeb-Areal beschäftigt. „Gleichwohl ist grundsätzlich festzuhalten, dass wir weiterhin einer massiven Bebauung sehr kritisch gegenüberstehen.“ Einen Dialog mit allen Beteiligten halten die Freien für unabdingbar, um nach einer gemeinsamen Lösung zu suchen. Im Februar 2020 „haben einfach wichtige Informationen gefehlt, die Meinungen waren zu unterschiedlich und es wäre auf eine Kampfabstimmung hinausgelaufen. Letzteres galt es unbedingt zu vermeiden.“

Burger: Beschluss umsetzen

Felix Burger (SPD), Referent für Wohnungswesen, wünscht sich „von Herzen, dass wir hier bald weitermachen und den genossenschaftlichen Wohnbau endlich umsetzen“. Das sei auch die Abmachung gewesen, dass im Gegenzug das Forschungsprojekt der Neurovision Pharma GmbH im Kemmelpark realisiert werden kann. „Daran sollten sich die Gemeinderäte dann auch halten“, sagt Burger. Ein vernünftiger Mietpreis kann ihm zufolge nur entstehen, wenn man maximale Flächen schafft, also drei Geschosse. „Sonst lohnt sich kein Genossenschaftsmodell.“

Manlik: Drei Geschosse sinnvoll

Ähnlich sieht es Manlik: „Aus verschiedenen Gründen ist es sinnvoll, dreigeschossig zu bauen.“ Nur mit einer dichten Bebauung und einer möglichst hohen Anzahl von Wohnungen lasse sich Wirtschaftlichkeit erzielen. „Und nur so lässt sich eine niedrige Miete realisieren.“ Auch ökologisch machten drei Geschosse Sinn.

Mehr Bewegen fühlt sich an Beschluss gebunden

Die Fraktion „Mehr Bewegen“ fühlt sich grundsätzlich an den Beschluss von 2017 gebunden. Dieser sah die Ansiedlung der Firma Neurovision im Kemmelpark vor, den genossenschaftlichen Wohnbau am James-Loeb-Areal und das Innovationsquartier (IQ) als dauerhafte Einrichtung. „Allerdings wollten wir aber auch, dass die Neurovision Pharma GmbH nach dem vorgelegten Planungs- und Nutzungskonzepts ein Forschungs- und Therapiezentrum im Kemmelpark errichtet“, sagt Fraktionssprecher Phillip Zoepf. „Leider ist hier nach vier Jahren noch nichts passiert.“ Ihm erscheint fraglich, ob überhaupt noch etwas geschieht. „Sollte sich herausstellen, dass auf der Parzelle GE Mitte 2 kein Forschungs- und Therapiezentrum entsteht, müssen wir den Beschluss nochmals hinterfragen (ausgenommen IQ). Unsere bevorzugte Lösung wäre ohnehin der genossenschaftliche Wohnbau im Kemmelpark gewesen.“

Jones: Weg von Insellösungen

Veronika Jones, Fraktionssprecherin der Grünen, findet, dass sich der Marktgemeinderat angesichts des Mangels an bezahlbarem Wohnraum „dringend des Themas wieder annehmen“ müsse. „Dazu gehört auch, endlich weg von Insellösungen zu kommen. Wir brauchen als Grundlage die schnelle Wiederaufnahme des Flächennutzungsplans.“ Die Grünen hatten laut Jones bereits aufgezeigt, dass es durchaus noch einige größere Grundstücke gebe, die für genossenschaftlichen Wohnbau geeignet seien. „Neben dem Grundstück am James- Loeb-Areal zum Beispiel auch das in Hechendorf.“ Damit eine Genossenschaft auch wirklich bezahlbaren Wohnraum für alle Einkommensschichten in einem Projekt bauen könne, bedarf es Jones zufolge einer gewissen Anzahl an Wohnraum. „Dass das dann in die Höhe geht, ist klar.“ Hier gelte es, alle mitzunehmen, über Computermodelle Ideen abzubilden und darzustellen. „Und vor allem alle möglichen Standorte miteinander vergleichen, in einem Bürgerbeteiligungsprozess für und Wider abwägen, die Beibehaltung unseres Ortscharakters nie aus den Augen verlierend.“

CSU: Nicht mit Thema beschäftigt

Die CSU-Fraktion betrachtet das Thema nach Auskunft von Fraktionssprecher Rudolf Utzschneider „insgesamt im Gesamtkontext der Entscheidungen, die neben dem genossenschaftlichen Wohnbau auch die gewerbliche Entwicklung des Kemmelgeländes beinhalten“. Die Marktgemeinde habe sich auch aufgrund der Corona-Situation in den vergangenen Monaten nicht mehr mit dieser Thematik auseinandergesetzt. „Deshalb bestand auch bei uns in der CSU-Fraktion kein akuter Handlungsbedarf, sich damit zu beschäftigen.“ Utzschneider bittet daher um Verständnis, dass seine Fraktion zur Zeit keine detaillierten Antworten auf Fragen geben könne.

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