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Kindergartenplätze sind in Murnau begehrt: Auf diesem Archivfoto ist Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) zu sehen, wie er kostenlose Malbücher an die Mädchen und Buben des Gemeinde-Kindergartens „Drachennest“ verteilt. 

Eltern schlagen Alarm

In Murnau sind Kindergartenplätze Mangelware

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Für das kommende Kindergartenjahr zeichnet sich in Murnau ein Engpass ab: Es fehlen nach dem derzeitigen Stand 27 Plätze. Eltern sind alarmiert und fordern eine rasche Lösung. Im Gespräch ist die Erweiterung des gemeindlichen „Drachennests“ um eine zusätzliche Naturgruppe.

Murnau – Das Problem ist nicht neu – und treibt Murnaus Kommunalpolitikern regelmäßig die Sorgenfalten auf die Stirn: Es erfordert häufig einen großen Kraftakt, um das benötigte Betreuungsangebot für die Mädchen und Buben, die noch nicht in die Schule gehen, zu organisieren. Mit Blick auf das kommende Kindergartenjahr wird es besonders schwierig: Denn es fehlen, Stand heute, circa 27 Plätze – ganz schön viel für eine Gemeinde wie Murnau. Das heikle Thema kam jüngst in der Sitzung des Ferienausschusses zur Sprache.

Unter den Eltern geht bereits die Befürchtung um, Job und Familie nicht unter einen Hut zu bringen: „Mich erreichen immer mehr Nachrichten von verzweifelten Eltern, die wie wir keinen Platz erhalten haben. Viele von ihnen planen ab Herbst wieder zu arbeiten oder sind in einem festen Job oder selbstständig. Die Verunsicherung ist groß“, berichtet Catharina Gindhart, selbst betroffene und berufstätige Mutter aus der Marktgemeinde. Ihre Forderung: „Es sollte schnellstmöglich eine praktikable und verantwortungsvolle Lösung gefunden werden.“

Entschieden ist zwar noch nichts. Aber der Ferienausschuss legte sich zumindest auf einen Favoriten fest, wie die Rathaus-Verwaltung auf Tagblatt-Nachfrage erklärt: Es soll vorrangig die Umsetzung eines waldpädagogischen Konzepts am Gemeinde-Kindergarten „Drachennest“ geprüft werden. Das heißt konkret: eine zusätzliche Gruppe, die sich, wie in einem Waldkindergarten, verstärkt in der Natur aufhält. Ein Konzept dazu liegt bereits in der Schublade. Der Titel: „Naturindianer“. „Die größte Hürde ist, eine Betriebserlaubnis für diese integrierte Form als Ergänzung zum Drachennest zu bekommen“, heißt es aus dem Rathaus. Auch Alternativen werden durchgespielt, zu denen unter anderem das Aufstellen eines Containers zählt.

Die Leiterin der gemeindlichen Kindertagesstätte, Marieta Helbling, fragt derzeit das Interesse der Eltern an der Waldpädagogik-Variante ab. Helbling dazu: „Etwas Neues zu schaffen und die Nachfrage abzuschätzen, ist schwierig. Ich denke aber, dass diese Form der Naturgruppen-Waldpädagogik immer mehr an Zuspruch gewinnt. Gute Kommunikation und Aufklärung sowie ein stimmiges Konzept, eine gute Betreuung und die Anbindung an die Einrichtung sind gute Voraussetzungen. Da schätze ich die Nachfrage gut ein und denke, dass die circa 20 Plätze belegt werden.“

Gindhart befürchtet jedoch, dass die Betreuungszeit in einer Waldgruppe wie in vergleichbaren Einrichtungen bereits um 12.30 Uhr enden könnte. „Dies ermöglicht noch nicht einmal einen Halbtagsjob und ist somit für die meisten Eltern keine Alternative“, erklärt sie. Die Gemeinde entkräftet allerdings diese Sorge. Man könnte ein kombiniertes Angebot schaffen und somit auch längere Öffnungszeiten gewährleisten, heißt es.

Die ganze Vorgehensweise nicht nachvollziehen kann indessen Grünen-Sprecherin Veronika Jones, die sich seit Jahren für eine Verbesserung des Betreuungsangebots stark macht: „Es ist mir schleierhaft, wie eine Verwaltung jahrelang dem Gemeinderat vorrechnet, dass man auf Grundlage der Geburtenzahlen stets ausreichend Plätze hätte und in den kommenden Jahren keinen Grund für eine Erweiterung der Plätze sieht. Und nun gibt es plötzlich 27 Kinder, die keinen Platz bekommen? Wie erklärt sich das?“ Gefragt seien „zukunftsfähige Lösungen mit hoher pädagogischer Qualität“. An der Idee, eine naturpädagogische Gruppe einzurichten, findet die künftige Gemeinderätin Gefallen. „Denkbar ist auch, dass über ein internes roulierendes System alle Kinder des Drachennests in den Genuss dieses pädagogischen Angebots kommen. Quasi im Sinne regelmäßiger Waldtage“, schlägt Jones vor. Entscheidend sei, das Ganze dem Gemeinderat schleunigst vorzulegen, um keine Zeit zu verlieren.

Murnau verfügt über vier Kindertagesstätten (326 Plätze, ohne UKM). Diese sind: „Drachennest“, St. Nikolaus, „Bienenhaus“ und Murmel. Hinzu kommen zwei Krippen (78 Plätze), vier Horte (157 Plätze, ohne UKM) und drei Großtagespflegen (42 Plätze). Derzeit gibt es coronabedingt nur eine Notbetreuung.

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