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Domizil junger Unternehmen: das Murnauer Innovationsquartier, hier der Eingangsbereich. 

Plädoyer für schlanke Strukturen

Innovationquartier Murnau: Unternehmer verfassen offenen Brief

In die Debatte um ein Aufsichtsgremium für das Murnauer Innovationsquartier kommt Bewegung. Rund ein Dutzend Murnauer Unternehmer hält eine solche Kontrollinstanz für kontraproduktiv. 

Murnau – Das Murnauer Innovationsquartier (IQ) – die Marktgemeinde will damit vorwiegend Jungunternehmer der Kreativbranche fördern – sorgte vor ein paar Wochen für Schlagzeilen. Eine Mieterin wandte sich damals mit einer Beschwerde an den Gemeinderat. In dem Schreiben erhob die Juristin, der gekündigt worden war, massive Anschuldigungen gegen Wirtschaftsförderer und IQ-Manager Jan-Ulrich Bittlinger. Sie warf dem Rathaus-Mitarbeiter unter anderem einen intransparenten und autoritären Führungsstil vor. Einige Ortspolitiker forderten daraufhin mehr Kontrolle über bestimmte Abläufe in der Vorzeige-Einrichtung. Konkret wurden die Freien Wähler: Sie beantragten die Schaffung eines Aufsichtsgremiums als „Kontrollinstanz“ – und zur Entlastung der Wirtschaftsförderung eine Neuorganisation der Gemeinde-Verwaltung.

Aufsichtsrat als „hinderlich“ eingestuft

Nun hat sich rund ein Dutzend Murnauer Geschäftsleute und Firmeninhaber mit einem offenen Brief an Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), Stellvertreterin Dr. Julia Stewens (Freie Wähler) und die Gemeinderäte gewandt. Sie möchten Entwicklungen verhindern, „die für uns klar in die falsche Richtung gehen“. Dazu gehört die Diskussion um ein Aufsichtsgremium, die man als „hinderlich“ einstuft. „Schlanke Strukturen und kurze Entscheidungswege sind die Grundvoraussetzungen für ein funktionierendes, flexibles und daher zukunftsfähiges Unternehmen – und genau als ein solches sollte man unserer Meinung nach auch das IQ begreifen.“ Und weiter: „Ein Aufsichtsrat würde dem entgegenstehen, die Entscheidungswege verkomplizieren und ein innovatives Projekt mit Bürokratie beschränken.“ Der Charme und die Funktion eines offenen, unkomplizierten Zentrums für kreative Macher würde aus Sicht der Unterzeichner an der Unflexibilität einer Gremien-gesteuerten Organisation zugrunde gehen. „Flexibilität, Entscheidungsfreudigkeit und -geschwindigkeit bestimmen über Erfolg und Misserfolg.“

Wirtschaftsförderung sollte eigenes Ressort darstellen

Das Murnauer Tagblatt hat den Offenen Brief von Carsten Elitzsch zugeschickt bekommen, einer der Geschäftsführer der Cama Verwaltungs GmbH (Werk 11) mit Sitz im Untermarkt. Unter den Unterzeichnern sind Christian Echter (Firma Echter), Ekkehard Alschweig (Kern Microtechnik), Angelika Rebholz (Parfümerie Rebholz) oder auch Reiner Daub (Werksleiter von Geiger Automotive in Neu-Egling), im IQ angesiedelte Unternehmen hingegen nicht. Das sei eine bewusste Entscheidung, sagt Elitzsch. Er ist Gründungmitglied des Vereins MakerLab Murnau, der im ehemaligen Gemeinde-Krankenhaus eine Hightech-Werkstatt einrichtete.

Auch einen anderen Vorschlag der Freien Wähler sehen die Unterzeichner kritisch. Nämlich die Bildung eines Riesenreferats, bestehend aus Tourismus, Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing. Die Wirtschaftsförderung sollte „zwingend ein eigenes Ressort darstellen und auf keinen Fall dem Tourismusbereich unter- oder zugeordnet werden“, heißt es in dem Offenen Brief. „Zwei gleich starke Standbeine ergeben ein stabiles Fundament für die Zukunft.“

Zu Beginn des besagten Schreibens zeigen sich die Unternehmer „irritiert, dass offensichtlich im Gemeinderat selbst keine Klarheit beziehungsweise Einigkeit über die Rahmenbedingungen und die Konzeption des IQ herrscht, zumal dessen Errichtung doch von demselben beschlossen wurde“.

Roland Lory

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