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Bald ein Zentrum der Kreativwirtschaft: das alte Gemeinde-Krankenhaus, hier eine Archivaufnahme aus der Luft.

Innovationsquartier im alten Gemeinde-Krankenhaus

Rund 40 Mieter in den Startlöchern

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Im Frühjahr wird’s ernst: Voraussichtlich am 1. April soll Murnaus Innovationsquartier im ehemaligen Gemeinde-Krankenhaus den Betrieb aufnehmen – und zu einem Zentrum der Kreativwirtschaft werden. Rund 40 Mieter – eine bunte, vielversprechende Mischung – stehen schon fest.

Murnau – Die Gemeinde Murnau betritt mit dem Innovationsquartier wirtschaftspolitisches Neuland. Ein vergleichbares Projekt sucht man im Landkreis vergebens. Das Besondere daran: Es sollen – neben den beiden etablierten Standbeinen Tourismus und Gesundheit – gezielt neue Branchen sowie Start-up-Unternehmen angesiedelt und qualifizierte Arbeitsplätze geschaffen werden.

Doch derzeit regieren in dem ehrwürdigen Gemeinde-Krankenhaus an der James-Loeb-Straße, das dem Markt gehört und lange Zeit verwaist war, noch die Handwerker. Bevor der Startschuss fällt, müssen nämlich Auflagen erfüllt werden, vor allem im Bereich des Brandschutzes. Außerdem entsteht eine moderne Internet-Infrastruktur. Laut dem Murnauer Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger, der für das Vorhaben federführend zuständig ist, investiert die Kommune insgesamt zwischen 650 000 und 800 000 Euro in die Sanierung.

Der Rathaus-Mitarbeiter ist zuversichtlich, dass man bis zum 1. April alles hinbekommt und die Firmen loslegen können. „Wir scharren schon mit den Hufen“, sagt er. An Bedarf mangelt es offenbar nicht. „Es kommen immer wieder Anfragen rein“, berichtet Bittlinger. Er zählt mittlerweile rund 40 Mieter; zwölf Räume sind seinen Angaben zufolge in dem viergeschossigen Komplex mit rund 3500 Quadratmetern Nutzfläche noch frei. Es wurden sogar Etagenküchen aufgelöst, um mehr Platz zu erhalten. „Ich bin sehr zufrieden“, resümiert der Wirtschaftsexperte. Nach etwa einem Jahr – so lange laufen bislang die konkreten Vorbereitungen – sei man fast bei einer Vollbelegung angelangt. Diese Ergebnis nach so kurzer Zeit kann sich seiner Meinung nach sehen lassen. Bittlinger: „Wir haben alle zusammen eine Menge geschafft.“

Die Bandbreite der Betriebe, die einziehen wollen, ist groß; ihre Tätigkeitsfelder klingen spannend. Eine Firma bearbeitet Filme nach, eine andere beschäftigt sich mit Software für das autonome Fahren, eine weitere coacht Doktoranden. Es werden Apps entwickelt, Events organisiert, Schmuckstücke aus Stein gefertigt, Synthesizer gebaut und, und, und.

Doch im Ort ist auch immer wieder Kritik zu hören. Beispielsweise wird davor gewarnt, die Gemeinde könnte mit subventionierten Mieten den Wettbewerb verzerren. Bittlinger lässt diesen Einwand nicht gelten. „Wir müssen Anreize schaffen“, argumentiert er. Schließlich wolle man zukunftsträchtige Firmen nach Murnau holen. Und von Dumpingpreisen könne nicht die Rede sein. Im Schnitt zahlen seinen Angaben zufolge die Nutzer monatlich 5,26 Euro plus vier Euro Nebenkosten pro Quadratmeter. Spezielle Förderkonditionen für einige Existenzgründer sollen nur eine zeitlich befristete Anschubhilfe sein.

Auch gegen den Vorwurf, das Innovationsquartier ziehe vor allem Münchner an, wehrt sich Bittlinger entschieden. Es seien bislang nur zwei Firmen aus der Landeshauptstadt mit an Bord, erklärt er. Der Großteil stamme aus Murnau und der Region.

Neben dem Gewerbe finden aber auch Organisationen in der alten Klinik ein Zuhause. Zum Beispiel erhalten Murnau Miteinander und die Volkshochschule Räume für die Flüchtlingshilfe und Integrationskurse.

Und dann ist da noch der Verein MakerLab Murnau mit von der Partie. Die über 30 Mitglieder starke, vergangenen Sommer gegründete Gruppe – Bittlinger ist deren Vorsitzender – betreibt eine Hightech-Werkstatt. Die Tüftler verfügen etwa über einen 3D-Drucker und Lasercutter, mit denen sie alles mögliche herstellen können. Mittlerweile gibt es auch erste Projekte, von denen Betriebe profitieren. Künftig sollen die Schulungsangebote für Kinder und Jugendliche ausgebaut werden, um die jüngere Generation an die modernen Technologien heranzuführen.

Das anvisierte Eldorado für Kreativmenschen ist vorerst nur eine Übergangslösung. Was langfristig aus der Liegenschaft werden soll, steht noch nicht fest.

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