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Gefragtes Gründerzentrum: das Innovationsquartier im alten Murnauer Gemeinde-Krankenhaus.

Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger in der Kritik

Innovationsquartier Murnau: Der Haussegen hängt schief

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Murnaus Innovationsquartier gilt als Leuchtturmprojekt. Doch das Vorzeige-Image hat einen Kratzer bekommen. Eine (Noch-)Mieterin erhebt schwere Vorwürfe gegen Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger, der für das Haus zuständig ist. Sie scheint aber mit ihrer Kritik alleine dazustehen.

Murnau – Das Innovationsquartier (kurz: IQ), eine Dauereinrichtung des Marktes Murnau im ehemaligen Gemeinde-Krankenhaus, zieht auch außerhalb der Landkreisgrenzen das Interesse von Politikern und Wirtschaftsleuten auf sich. Denn das im vergangenen Jahr gestartete Projekt scheint etwas Bemerkenswertes zustande zu bringen: Das Zentrum bietet Jungunternehmern der Kreativbranche ein Zuhause, zum Teil zu sehr attraktiven Konditionen – und schafft auf diese Weise Arbeitsplätze.

Doch es rumort: Mieterin Dr. Natalie Struve – die promovierte Juristin arbeitet als Textcoach für Wissenschaftler – ist mit der Entwicklung des Startup-Treffpunkts überhaupt nicht zufrieden. Und der Schuldige steht in ihren Augen fest: Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger, der das IQ federführend managt.

Es sind massive Anschuldigungen, die die 50-jährige Murnauerin gegen den Rathaus-Mitarbeiter erhebt. Vergangene Woche gab sie eine Art Anklageschrift in einer öffentlichen Sitzung des Gemeinderats ab; zuvor hatte sie in einem mehrseitigen Schreiben Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) über „IQ-Probleme“ informiert. Nach Ansicht Struves ist Bittlinger der falsche Mann für diese Aufgabe: Sein Führungsstil sei autoritär und intransparent, beschwert sie sich. Er verweigere zum Beispiel wichtige Informationen, etwa über die Kriterien für die Mietreduzierung, halte sich nicht an Vereinbarungen und Termine, treffe nicht nachvollziehbare Entscheidungen und unterdrücke Kritik durch ständige Kündigungsdrohungen. „Anstatt Transparenz und Offenheit herrschen Willkür und Angst“, beklagt sich Struve. Und Bittlinger nutze nicht das Potential des Hauses, da es kein Nutzungskonzept gebe. Beispielsweise müsste man, so Struve auf Nachfrage, den Netzwerk-Gedanken viel stärker fördern und die Jungunternehmer besser beraten.

Der Anlass für Struves Attacke war offenbar die Kündigung ihres Büros in dem Komplex. Außerdem habe sie ein Hausverbot für die Gemeinschaftsräume erhalten. Dabei habe sie nicht vor, der Einrichtung zu schaden, im Gegenteil: „Das IQ ist eine großartige Idee.“ Sie wolle bleiben – und werde sich gegen die Kündigung wehren.

Das Thema schlägt hohe Wellen. Am Wochenende trafen sich nach Tagblatt-Informationen einige Gemeinderäte mit der renitenten Mieterin. Und auch unter den Unternehmern im IQ sorgt der Fall für Aufregung. Allerdings scheint dort die Juristin keine Mitstreiter zu haben. Die Mehrheit der Mieter verfasste vielmehr eine „Gegendarstellung“ – und stellt sich schützend vor Bittlinger.

Die Gruppe – auf einer Unterschriftenliste stehen rund 35 Namen (insgesamt sind es 43 Mieter) – distanziert sich darin „in jeglicher Art von Form und Inhalt der Ausführungen und Anschuldigungen von Natalie Struve“. Die Vorwürfe seien „unbegründet“ und „in keiner Weise haltbar“. Bittlinger wird in den höchsten Tönen gelobt: Die Gemeinschaft der Mieter profitiere vom „bedingungslosen Einsatz des Wirtschaftsförderers“, heißt es. Dieser sei mit seiner unkomplizierten und offenen Art Ansprechpartner für alle Fragen rund um das Haus und bringe Projekte voran. Nach Ansicht von Tomas Bastian, einer der Initiatoren des Schreibens, handle es sich nur um einen „Feldzug“ Struves, weil sie mit ihrer Kündigung nicht einverstanden sei.

Bittlinger bezeichnet deren Kritik als „diffamierend“ – und weist diese zurück. Er sei mit der Entwicklung des Quartiers „rundum zufrieden“, erklärt er in einer Stellungnahme: „Das Haus entwickelt sich wie von uns gewünscht in Richtung eines Zentrums für Wirtschaft und Arbeit.“ Die Mieter würden „in hohem Maße“ in die Entscheidungen miteingebunden. Natürlich werde verlangt, dass sie an ihrem wirtschaftlichen Erfolg arbeiten. Vergünstigte Mieten seien dabei nur als Starthilfe zu verstehen. „Konsequent und mitunter auch streng geht es zu, wenn Mieter wie Frau Dr. Struve dauerhaft den Hausfrieden stören und viele Streitigkeiten mit Mitmietern führen und keine Konsensfähigkeit bei Netzwerkveranstaltungen erkennen lassen“, sagt Bittlinger. Dann würden in letzter Konsequenz auch Kündigungen ausgesprochen. „Ich denke das ist durchaus verständlich, denn das Konzept soll nicht am falschen Verhalten eines Einzelnen scheitern.“

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