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Kann das Risiko nicht mehr schultern: der Vhs-Vorstand mit (v.l.) Roland Geiling, Elisabeth Hoechner, Heinfried Barton, Marie-Christine Schmötzer, Dr. Michael Rapp.

Finanzielles Risiko ist für die Verantwortlichen nicht mehr tragbar 

Integrationskurse: Vhs zieht die Notbremse

Murnaus Volkshochschule sieht bei ihren Integrationskursen das Ende der Fahnenstange erreicht und stellt diese aus finanziellen Gründen wohl ein. Für die Verantwortlichen ist das Risiko nicht mehr tragbar.

Murnau – Seit 2016 ist die Volkshochschule (Vhs) Murnau zugelassener Träger für Integrations- und Alphabetisierungskurse sowie seit 2018 für berufsvorbereitende B-2-Kurse. Bisher hat man 320 000 Euro in die Beschulung von 253 Flüchtlingen und Migranten investiert. Mindestens 41 Menschen fanden dadurch einen Ausbildungsplatz oder eine Festanstellung.

Der gemeinnützige Träger sieht sich nun gezwungen, diese Kurse einzustellen. Der finanzielle Spielraum der Vhs sei erschöpft, wie der Vorstand geschlossen in einem Pressegespräch zur unklaren Zukunft des Fachbereichs Integration informierte. „Nach aktuellem Stand werden wir den Betrieb in den kommenden Monaten trotz aller Erfolge beenden müssen“: So lautet das traurige Fazit des Ersten Vorsitzenden Dr. Michael Rapp. Die laufenden Kurse mit 65 Teilnehmern sollen bis Oktober noch zu Ende geführt werden; ein Kurs, der in zwei Wochen beginnen sollte, ist abgesagt. Und das, obwohl der Träger mit aufwändiger Vorarbeit jüngst eine B-2-Zulassung für fünf Jahre vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erwirken konnte.

2015 stellte sich die Vhs Murnau mit einem Erstintegrationskurs und den folgenden Sprach- und Integrationskursen einer Verantwortung. „Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die wir angenommen haben“, sagt Rapp. Hierfür haben engagierte Mitarbeiter und Mitglieder des Vereins eine professionelle Infrastruktur geschaffen: In zwei Räumen des Innovations-Quartiers (IQ) findet täglich vormittags und nachmittags Unterricht wie in einer Sprachenschule statt. Arbeitsplätze wurden geschaffen – im Schnitt lehren zehn hochqualifizierte Dozenten in Zweierteams, begleitet durch individuellen Unterricht von Ehrenamtlichen vom Team 7 des Vereins Murnau Miteinander. Dabei unterliegt der Träger strengen Regeln durch das BAMF. So müsse er finanziell in Vorleistung gehen, die Kostenstruktur sei durch das Ministerium vorgegeben, und Fehltage eines Teilnehmers würden nicht bezahlt, obwohl die Kosten weiterliefen, wie es hieß. Was ohnehin nur durch die Vorfinanzierung in Höhe von 68 000 Euro durch den Landkreis möglich gewesen sei, sei mit aktuellen Außenständen von 85 000 Euro für eine kleine Vhs nicht mehr zu stemmen. „Das System stimmt nicht, es ist nicht finanzierbar“, betont Kassier Roland Geiling. Der Gemeinde-Zuschuss von 3500 Euro im Rahmen der Vereinsförderung ist dabei ein Tropfen auf den heißen Stein – 14 000 Euro betrage alleine die Miete der beiden Räume im IQ. Ein Nachlass, wie in manchen Kommunen Usus, würde dem diesjährigen Defizit von 17 000 Euro deutlich entgegenwirken.

Die Zweite Vorsitzende Elisabeth Hoechner sieht die Verantwortung von oben nach unten geschoben. Mit dem Ende der Kurse in Murnau sei es vielen Betroffenen nicht mehr möglich, die Lehrgänge zu besuchen. „Es sind haufenweise Eltern und alleinerziehende Mütter, die nur dann in der Lage sind, einen Schulbesuch zu machen, wenn er ortsnah angeboten wird“, weiß Vhs-Leiter Heinfried Barton um die Not ansässiger Migranten. Das Erlernen der deutschen Sprache ist allerdings wesentliche Voraussetzung für Integration – menschlich wie beruflich. Eine Aufgabe, die künftig wohl andere schultern müssen.

Birgit Schwarzenberger

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