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So soll die geplante Schleifmühle am Heimgartenweg aussehen.

Schleifmühle nach historischem Vorbild in Ohlstadt

Stück Ortsgeschichte lebt auf

Die Wetzsteinmacherei wird in Ohlstadt zum Leben erweckt - mit einer Schleifmühle nach historischem Vorbild für über 200 000 Euro. Die Baugenehmigung liegt vor, eine Förderzusage ebenfalls.

Ohlstadt – Die Wetzsteinmacherei ist früher eines der Hauptgewerbe in Ohlstadt gewesen. Längst sind die Schleifmühlen, in der die grauen, länglichen Werkzeuge aus dem Stein geschnitten wurden und ihre endgültige Form erhielten, aus der Gemeinde verschwunden. Doch das soll anders werden: Die von sieben Ohlstädtern gegründete „Interessengemeinschaft Schleifmühle“ will nach genauem historischen Vorbild für rund 212 000 Euro ein solches Gebäude auf einem 880 Quadratmeter großen Grundstück an der Heimgartenstraße aufbauen. Das Projekt, das auf dem Wetzsteinmacher-Lehrpfad von Schwangau zum Freilichtmuseum an der Glentleiten eine besondere Attraktion markieren soll, stellte der Sprecher der Interessengemeinschaft, der CSU-Gemeinderat Toni Schmuttermeier, im Rahmen der Ohlstädter Bürgerversammlung vor.

„Wir haben bereits die Baugenehmigung und auch den Förderbescheid des Leader-Entscheidungsgremiums, das rund 75 000 Euro für die Verwirklichung des Vorhabens zugesagt hat“, erklärte der 28-jährige Bauingenieur. Mitte 2016 war das Projekt dem Ohlstädter Gemeinderat vorgestellt worden, der sich mit 15 zu 1 Stimmen dafür entschieden habe. Die Genehmigung durch das Wasserwirtschaftsamt Weilheim stehe noch aus, da aus dem Dorfbach Wasser entnommen und wieder in den Bach zurückgeführt werden müsse, um das Mühlrad anzutreiben, sol Schmuttermeier, Überdies werde eine „Bau-ARGE“ gegründet, in der sich Handwerker, Planer, Ideengeber und andere ehrenamtliche Helfer sowie Gönner des Projektes zusammenfinden sollen. „Wir brauchen Euch alle“, rief Schmuttermeier in den Saal, „ohne die Mithilfe aus dem Dorf ist das nicht zu stemmen“.

Ohlstadt sei 600 Jahre lang ein Zentrum der Wetzsteinmacherei gewesen: „Dieses Handwerk findet erstmals 1350 urkundliche Erwähnung.“ So lieferten die östlich von Ohlstadt gelegenen Steinbrüche das Rohmaterial, wobei man 141 verschiedene Gesteinsarten für Wetzsteine unterschieden habe. „Das Absatzgebiet erstreckte sich über die Floßfahrten bis in die Balkanländer“, so Schmuttermeier. „1953 kam dieses Gewerbe aber zum Erliegen, als Maschinen und Kunststeine das heimische Naturprodukt verdrängten.“ Durch den Neubau der Schleifmühle sollen die Geschichte, das Handwerk und die Tradition nicht in Vergessenheit geraten, sondern nachhaltig gestärkt werden, betonte der Sprecher. Ziel sei es, alle Altersgruppen zum Nachdenken über die Geschichte Ohlstadts anzuregen. „Die Schleifmühle soll eine überregionale Bereicherung als Ausstellungs- und Museumsgebäude für den Tourismus aller Kooperationspartner darstellen“, bilanzierte Schmuttermeier. „Das Primärziel ist dabei, den Charakter des Oberdorfes zu erhalten.“ Zunächst müsse jedoch die alte Säge, die sich auf dem Grundstück befindet, abgebrochen werden. „Wir wollen aber möglichst viele Teile von ihr bei dem Neubau verwenden.“

Der 28-Jährige hofft auf einen Baubeginn im Frühjahr 2018. „Durch die Leader-Förderung haben wir eine einmalige Chance, die Schleifmühle zu verwirklichen.“

Heino Herpen und Manuela Schauer

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