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Joachim Loy, Chef der Murnauer Polizei.

Interview mit Murnauer Inspektions-Chef Joachim Loy 

Polizeiauto als Taxi?

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Das wird nicht zur Regel: Nur in Ausnahmefällen chauffieren Beamte Betrunkene nach Hause. Auch die Logis in der Ausnüchterungszelle kostet.

Murnau – Zuletzt bescherten auffällig viele Betrunkene der Polizei Einsätze – es ist Hochzeit für Festivitäten, bei denen reichlich Alkohol fließt. Vor eineinhalb Wochen brachten Beamte der Polizeiinspektion Murnau einen 26 Jahre alten Bad Kohlgruber nach Hause, der volltrunken und fast nicht mehr ansprechbar im Straßäcker gelegen war. Und in der Nacht zum Sonntag chauffierten Polizisten einen 50-Jährigen aus Murnau im Dienstfahrzeug heim. Zuvor hatte der Rettungsdienst den volltrunkenen Mann in die Unfallklinik gebracht. Dort hatte dieser die Behandlung verweigert. Also wollte die Polizei helfen. Unappetitliches Ergebnis: Der Mann verrichtete seine Notdurft im Streifenwagen. Generell gilt jedoch: Das Dienstfahrzeug ist kein Taxi. Im Interview erklärt Murnaus Polizei-Chef Joachim Loy, in welchen besonderen Fällen seine Beamten trotzdem Betrunkene nach Hause bringen. Ein Service, der übrigens nicht kostenlos ist.

Was muss geschehen, damit das Dienstfahrzeug der Polizei zum Taxi wird?

Joachim Loy: Also grundsätzlich sind wir natürlich kein Taxi, und wir fahren auch grundsätzlich niemanden nach Hause. Aber es gibt immer Ausnahmen. Es ist so: Wenn eine Person in so einem Zustand ist, dass wir sie eigentlich auch in Gewahrsam nehmen könnten – das heißt, dass sie bei der Polizei in der Zelle übernachten müsste, weil sie entweder eine Gefahr für sich oder für andere darstellt –, dann kann es sein, dass wir diese Person als sogenannte Mindermaßnahme heimfahren. Da muss es aber so sein, dass jemand zu Hause ist, der sich dann um denjenigen kümmert. Und die Person darf nicht in einem so schlechten Zustand sein, dass man sie eigentlich einem Arzt übergeben müsste.

Dieser „Service“ wird in Rechnung gestellt. Was kostet es, wenn die Polizei einen Betrunkenen nach Hause fährt?

Loy: Da gibt es eine genaue Vorschrift mit einer Aufzählung. Da steht genau drin, was wie viel kostet.

Aber wenn mich die Polizei heimbringt, werde ich wohl mehr bezahlen müssen als einem Taxifahrer?

Loy: Es wird teurer als mit dem Taxi sein, ja. Aber wie gesagt: Es handelt sich hier um Ausnahmen, wir sind ja keine Konkurrenz zum Taxi-Unternehmen. Und wir machen das natürlich auch nicht gerne. Wer hat schon gerne einen Betrunkenen bei sich im Fahrzeug, bei dem er Angst haben muss, dass dieser sich vielleicht übergibt?

Sie sprechen von einer Ausnahme. Wie häufig tritt denn der Fall ein, dass die Polizei Taxifahrer spielen muss?

Loy: Wenn das einmal im halben Jahr vorkommt, dann ist das viel.

Eine Alternative ist die Ausnüchterungszelle . . .

Loy: Ja. Am Samstag (8. Juli, Anm. der Red.) hatten wir zwei Personen in der Ausnüchterungszelle. Der eine war aggressiv und wäre eine Gefahr für andere gewesen. Zusätzlich war er aber noch stockbetrunken, und wir hatten den Verdacht, dass er Drogen genommen hatte. Zudem war jemand bei uns in der Zelle, der auch betrunken war. Man musste ihn nicht ins Krankenhaus bringen, man konnte ihn aber auch nicht guten Gewissens heimgehen lassen. Also nahmen wir ihn mit zu uns in die Zelle.

Stellt die Polizei dann auch Kosten für die Logis in der Ausnüchterungszelle in Rechnung?

Loy: Ja, das kostet auch etwas. Und wenn sich derjenige übergeben muss und man das sauber machen muss, kostet es extra.

Wieviel wird denn für eine Übernachtung fällig?

Loy: Das weiß ich nicht.

Da könnte ja jemand anfangen zu überlegen: Was kostet mich eine Nacht in einer Pension – oder gehe ich gleich zur Polizei?

Loy: Wir hatten das im Jahr 2014. Da haben uns zwei Jugendliche den ganzen Sommer lang beschäftigt. Sie hatten keinen festen Wohnsitz mehr, weil sie zu Hause rausgeworfen worden waren. Die haben sich echt überlegt: Was muss ich anstellen, damit ich mal wieder in einem Zimmer – also in der Zelle – übernachten kann? Es durfte nicht zu viel sein, damit sie nicht in die Justizvollzugsanstalt kommen, aber es musste so viel sein, dass sie von uns eingesperrt werden. Und sie haben versucht, es auszureizen.

Auf wie viele Nächte haben es die beiden Jugendlichen denn gebracht?

Loy: Ich denke, dass sie insgesamt in ihrer ganzen Laufbahn dann schon zehnmal bei uns waren und übernachtet haben, bis wir endlich einen Haftbefehl bekommen haben. Dann sind sie eingesperrt worden.

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