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Kraftvoll: die Jazz-Legende Klaus Doldinger mit seiner Band Passport. 

Landesjazzfestival in Murnau 

Weltmusik, rockige Nummern und verträumte Klangmalerei

„Ich gebe zu, dass die Musik aus Ländern mit heißem Klima mich immer sehr beeinflusst hat“, sagte Klaus Doldinger bei seinem Auftritt im Kultur- und Tagungszentrum Murnau. „Heute Abend haben wir die Quittung dafür.“ Das zweite Landesjazzfestival begann am Freitag mit einem heißen Abend, was am Klima, aber natürlich auch an der Musik lag. Der Murnauer Kulturverein feiert damit seine ersten 25 Jahre.

Murnau – Bevor das Raumschiff Doldinger dann landete, betrat erst einmal der „Local Hero“ Florian Oppenrieder mit seinem Trio die Bühne. Mit Jan Eschke am Klavier und Andreas Kurz am Kontrabass ließen sie es mit zwei Kompositionen des Pianisten gefühlvoll angehen. Torita Wolfart, Mittelpunkt dieses ersten Konzerts, schlich sich im dritten Stück ein. Ihre emotionsgeladene Stimme war bereits zu hören, bevor sie die Bühne betrat. Und sie zeigte von Anfang an, dass sie ihr Publikum noch immer zu fesseln versteht. Sie fühle sich „nervous and comfortable“ zugleich, sagte sie, denn ein Auftritt in Murnau sei für sie ein Heimspiel. Wolfart sang eigene Songs, die auch durch ihre interessanten Texte überzeugten. Mit gefühlvollen Balladen und mitreißenden Soulnummern, in denen Popelemente ebenso wie Latin-Rhythmen zu finden waren, begeisterten sie und die Musiker das Murnauer Publikum.

Mit dem Stück „Happy Landing“ ließen sich nach der Pause dann die Musiker von Klaus Doldinger’s Passport auf der Bühne nieder. Wohl kein Jazzensemble in Deutschland hat es geschafft, so lange Zeit erfolgreich in der ersten Liga zu spielen und sich seine Frische zu bewahren. Bereits 1971 wurde die Band, allerdings in anderer Besetzung, gegründet. Noch länger, nämlich mehr als siebzig Jahre, ist es her, dass Klaus Doldinger selbst, im Ort Schrobenhausen, zum ersten Mal die Musik der amerikanische Soldaten, den Jazz, gehört hat. „Und damit war’s um mich geschehen, für mein ganzes Leben“, sagte er in Murnau. Heute, mit über 80 Jahren, merkt man Doldinger noch immer die Freude an, die es ihm macht mit seinen erstklassigen Musikern gemeinsam zu spielen. Viele Nummern, die zum Teil aus dem 1970iger Jahren stammen, bis hin zur Tatortmelodie standen auf der Playlist des Abends. Allerdings spielten sie Stücke wie Ataraxia oder Sahara im aktuellen musikalischen Gewand. „So, wie es uns heute gefällt“, sagte Doldinger.

Zum ganz eigenen Passport Sound gehört natürlich das markante Saxophon Doldingers selbst. Ein Schlagzeuger und zwei Perkussionisten schufen kraftvolle und markante Rhythmen. Keyboarder Michael Hornek und Gitarrist Martin Scales brachten manchmal überraschende Sounds und eigenwillige Klangfarben, vor allem aber intensive, lebendige Soli. Und Patrick Scales, der am E-Bass für eine Grundlage sorgte, die das Haus erbeben ließ, steuerte manchmal ein paar begeisternde Funk-Riffs bei. Weltmusik und rockige Nummern, manchmal auch verträumte Klangmalerei, beispielsweise in dem Stück Jungle-Song, sind bis heute die Kennzeichen von Doldingers Musik. In seinem persönlichen Passport wird es inzwischen kaum eine Seite mehr geben, die nicht mit Visa und Einreisestempeln gefüllt ist. Das Publikum im restlos ausverkauften Saal dankte ihm seinen Besuch in Murnau mit stehenden Ovationen.

Heribert Riesenhuber 

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