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Das Murnauer Rathaus: Veronika Jones fordert, die Arbeit im Gemeinderat familienfreundlicher und vor allem für Frauen und junge Menschen attraktiver zu gestalten.

Veronika Jones plädiert für Reformen

Eher Teilzeitjob als Ehrenamt

Grünen-Gemeinderätin Veronika Jones möchte den Murnauer Sitzungsbetrieb grundlegend umkrempeln, um mehr Frauen und junge Menschen in die Politik zu bringen. In einem Antrag fordert sie familienfreundlichere Zeiten und eine höhere Aufwandsentschädigung.

Murnau – Es ist ein Abschiedsantrag, den Veronika Jones jetzt eingereicht hat. Und er hat einen autobiografischen Hintergrund. Denn die Einzelkämpferin der Grünen im Murnauer Gemeinderat legt ihr Mandat nieder, weil sich Ortspolitik und Familie schwer miteinander vereinbaren lassen. Für die 38-Jährige rückt ihr Parteifreund Hans Kohl nach. Der fliegende Wechsel soll nächste Woche über die Bühne gehen.

In dem besagten Antrag fordert die Volksvertreterin, die Arbeit im Gemeinderat familienfreundlicher und vor allem für Frauen und junge Menschen attraktiver zu gestalten. Denn bislang dominierten Männer und die älteren Semester das Gremium. Von den 24 Gemeinderäten seien gerade mal acht Frauen, sagt Jones. Und das Durchschnittsalter betrage 52 Jahre.

Nach Ansicht der Murnauerin hat dies strukturelle Ursachen. Dazu zählten unter anderem die Sitzungszeiten. Diese seien „oft nur schwer sowohl mit familiären als auch beruflichen Realitäten in Einklang zu bringen“, argumentiert Jones. Das Kommunalparlament und die Ausschüsse der Staffelsee-Gemeinde tagen in der Regel abends um 18 oder 19 Uhr. Die Vertreterin der Grünen verweist darauf, dass viele Vollzeit arbeiteten. Da falle es schwer, sich anschließend noch mehrere Stunden zu konzentrieren, um mitunter zukunftsweisende und finanziell schwerwiegende Entscheidungen zu treffen.

Aus diesem Grund plädiert Jones für andere Zeiten: Gemeinderatssitzungen sollten ihrer Ansicht nach grundsätzlich bereits um 16 Uhr beginnen, die der Ausschüsse eventuell noch früher. Auch sollten viermal im Jahr Treffen am Vormittag stattfinden, um beispielsweise Schulklassen einen Einblick in die Abläufe der Kommunalpolitik bieten zu können. Jones ist davon überzeugt, dass sich diese Terminplanung und die Anforderungen der Arbeitswelt unter einen Hut bringen lassen. „Das kann man organisieren“, erklärt sie. Beim Kreistag, der meist am Nachmittag zusammenkomme, funktioniere dies schließlich auch.

Jones will auch über Geld sprechen. Zum Beispiel müsste in ihren Augen die Aufwandsentschädigung deutlich erhöht werden. Auch sollte es für Referenten am Ende des Jahres einen Bonus geben – und bei Bedarf eine Kostenübernahme für Kinderbetreuung. Konkrete Summen nennt sie nicht. „Das habe ich bewusst offen gelassen. Darüber muss man diskutieren.“ Für die Ortspolitikerin steht aber fest: Wer im Gemeinderat sitzt und sich intensiv den Themen widmet, leiste mehr als ein Ehrenamt. Es handle sich eher um eine Art Teilzeitarbeit. „Wer sich wirklich gut einbringen will, muss mit einer zusätzlichen wöchentlichen Arbeitszeit von oft 20 Stunden plus X rechnen. Dies zusätzlich zum Berufs- und Privatleben aufzubringen, stellt eine große Herausforderung dar und ist nicht lange gut machbar“, sagt Jones. Bislang erhalten sie und ihre Kollegen eine Pauschale in Höhe von 50 Euro pro Monat sowie 50 Euro pro Sitzung. Selbstständige haben außerdem Anspruch auf eine Entschädigung für einen Verdienstausfall.

Jones ist sich bewusst, dass ihr Vorstoß für Diskussionen sorgen wird – und vermutlich auch auf Widerstände stößt. Doch wer etwas verändern will, müsse sich auch auf Auseinandersetzungen einlassen. „Das soll ein Denkanstoß sein“, sagt Jones über ihren dreiseitigen Antrag. Sie selbst wird sich an den Debatten im Gemeinderat nicht mehr aktiv beteiligen können. Diesen Job muss ihr Nachfolger übernehmen. „Er vertritt die selben Positionen“, erklärt Jones. Sie sei aber nicht aus der Welt – und werde das Ringen im Gemeinderat von außen kommentieren.

Andreas Seiler

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