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Freuen sich über die große Resonanz: Gabi Rudnicki und Matthias Kratz (r.) von der Murnauer Horváth-Gesellschaft mit dem Produzenten Uli Aselmann.

Diskussion mit Produzenten Uli Aselmann

„Jugend ohne Gott“: Ein Film, der die Augen öffnet

Mit einer derart großen Resonanz hatten die Veranstalter nicht gerechnet: Etliche Besucher wollten sich im Murnauer Griesbräu-Kino die Neuverfilmung von Horváths „Jugend ohne Gott“ ansehen und mit dem Produzenten Uli Aselmann diskutieren. 

Murnau – Mit diesem Andrang hatten die Veranstalter zur Filmvorführung „Jugend ohne Gott“ und zum anschließendem Filmgespräch mit Produzenten Uli Aselmann nicht gerechnet: Kinoinhaber Georg Betzmeir rief den Ausnahmezustand aus und musste potentielle Kinogänger wegen Überfüllung nach Hause schicken. Für Organisator Matthias Kratz von der Horváth-Gesellschaft ist das starke Interesse ein Zeichen, „dass Horváth in Murnau gut angekommen ist und seinen Platz hatte“.

    Zwischen 1924 und 1933 hat der Schriftsteller Ödön von Horváth in der Marktgemeinde gelebt. Nachdem er 1937 den Roman „Jugend ohne Gott“ geschrieben hatte, wurde dieser ein Jahr später in acht Sprachen übersetzt und zwischen 1969 und 1996 viermal verfilmt. „Dass es über einen Zeitraum immer wieder Anlass zu Verfilmungen gab, spricht für die Literatur und den Autor“, erklärte die Vorsitzende der Horváth-Gesellschaft, Gabi Rudnicki, im Vorgespräch zum Film.

    Uli Aselmann stellte sich dem Publikum als „Filmhersteller“ vor, dessen Aufgabe es ist, „Ideen zu finden, die man fürs Kino herstellen kann“. Horváths Roman erschien dem Germanisten als eine aktuell interessante Vorlage mit Identifikationsmöglichkeiten und unterschiedlichen Erzählperspektiven. Um den Inhalt für möglichst viele Jugendliche interessant zu machen, wählte Aselmann eine in die Zukunft gerichtete Darstellung. Diese berührte die Murnauer, scheint sie auch vor dem Hintergrund globaler Ereignisse weder allzu fern noch gar zu abwegig. Auch wenn damit kein direkter Vergleich zu Horváths Roman gegeben ist, gibt es viele Parallelen. Und die wesentlichen Grundelemente bleiben im dargestellten Camp einer Gewinner-Verlierer-Gesellschaft erhalten: Einteilung der Menschen in Leistungsträger und Leistungsempfänger. Leben zwischen viel Lüge und wenig Wahrheit, zwischen der Idylle des Alpenvorlandes und der Grausamkeit einer Leistungszucht. Dabei sind die Rollen erstklassig besetzt mit bekannten Jungschauspielern wie Anna-Maria Mühe, Jannik Schümann, Emilia Schüle oder Alicia von Rittberg. Den integeren Lehrer aus Horváths Roman spielt Fahri Yarim.

    Die Hälfte der Zuschauer blieb zum anschließenden Filmgespräch, für das Betzmeir die nachfolgende „Bullyparade“ abgesagt hatte. „Die Aufarbeitung war ein Muss“, meinte der Kinobesitzer. Aselmann erntete großes Lob und Anerkennung für seinen aufrüttelnden Beitrag. „Gehen Sie damit in die Schule“, forderte eine Dame. „Das sollten sich Politiker anschauen“, meinte ein anderer. Betroffenheit wurde zum Ausdruck gebracht über die „extreme Spaltung“. Eine Jugendliche hat es sehr zum Nachdenken gebracht: „Ein krasser Film. Es ist wichtig, vielen Jugendlichen die Geschichte näherzubringen.“ Also ein Film, der Augen öffnet. Aber auch genauso ein Film, der Hoffnung macht, aus einer düsteren Situation einen neuen, lichten Weg zu finden und zu gehen. Auch wenn Aselmann keine Wahlempfehlung ausspricht, schickt er dennoch eine klare Botschaft mit: „Uns kann unsere Demokratie nicht egal sein!“

Birgit Schwarzenberger

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