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Traurige Corona-Nachricht: Winter-Tollwood fällt komplett flach - „Trotz sehr guten Hygienekonzepts“

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Berichtet über den Austausch mit der Region Atwina: Barbara Krönner bei ihrem Vortrag „Die Schokoladenseite der Partnerschaft“ im evangelischen Gemeindesaal. Foto: Mayr
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Berichtet über den Austausch mit der Region Atwina: Barbara Krönner bei ihrem Vortrag „Die Schokoladenseite der Partnerschaft“ im evangelischen Gemeindesaal.

Murnaus Partnerschaft mit Ghana

Kakao aus Afrika, Filteranlagen aus Deutschland

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Die Gemeinde Murnau pflegt eine noch recht junge Partnerschaft mit der Region Atwima in Ghana. Jetzt stellte Mitinitiatorin Barbara Krönner neue Projekte vor.

Murnau – Am Ende gab es Schokolade. Die mit der Papaya-Note. Auch die mit und die ohne Milch. Auf jeden Fall alle mit und aus den Kakaobohnen vom Yayra, mit Nachnamen Glover. Aber das tut hier nichts zur Sache. Denn der Yayra heißt bei allen einfach nur Yayra und ist seit einigen Jahren Partner und Freund von Barbara Krönner. Er baut in Ghana Kakao nach Bio-Norm an. Sie verarbeitet die Bohnen zu Schokolade. In Murnau. Gemeinsamen wollen sie einen Kindergarten in Suhum bauen. Die zwei Geschäftsleute leben im Kleinen die große Partnerschaft zwischen Murnau und Atwina, der ghanesischen Region. Was sich seit dem Besuch der Murnauer Delegation im vorigen Jahr getan hat, stellte Krönner nun im evangelischen Gemeindesaal vor.

Die Reihe „Gespräch am Nachmittag“ zielt auf die Gruppe 50 plus ab. Pfarrerin Simone Feneberg sucht Themen aus dem Alltag. Sie hatte schon Senioren zu Gast, die mit dem Fahrrad im Himalaya unterwegs waren, oder einen Fotografen, der in Kanada nach Bären sucht. Es geht um Kultur, um Reisen, um Politik. Krönner hat das alles miteinander vermischt – und war dahingehend der optimale Gast für die erste Ausgabe, die wieder drinnen im Saal stattfand. „Freut mich, dass wir es wieder hinein wagen“, sagt Feneberg gleich am Anfang. Und es ist wirklich ein Wagnis, da einige Stammgäste aus der Frauenrunde über 80 Jahre alt sind, damit zur Corona-Risikogruppe gehören.

Aber gut, die Abstände waren groß genug, die menschlichen ganz flott überwunden, als Krönner das Bild des Königs mit den drei Tafeln Schokolade zeigte. Gerade drei Tage alt. Vorige Woche ist die Schokoladen-Lieferung aus Deutschland eingetroffen: Kakao aus Ghana, Milch vom Berchtesgadener Land, verarbeitet in Murnau. Alles ganz neu. Corona mag dafür gesorgt haben, dass der geplante nächste Besuch im März ausfiel. Für die Kooperation erwies sich die Lage aber als ausgesprochen förderlich. „Wir haben die Zeit genutzt, um Projekte anzuschieben. Ideen haben wir ohne Ende“, sagt die Konditorin. Neben Schokolade brachten Krönners Kollegen vom Deutsch-Ghanaischen Freundeskreis zwei Wasser-Filteranlagen nach Suhum. Drei Monate hatte Krönner die Maschine daheim im Garten „nur mit Riegsee-Sonne“ testweise betrieben. Sie versorgt nun eine Schule, die der Freundeskreis vor 20 Jahren erschaffen hat, mit bis zu 7000 Litern pro Tag. Das ungefilterte Wasser, auch davon zeigt sie ein Bild, ähnelt einer Flasche Rapsöl – golden, nicht durchsichtig.

Grundschulkinder aus beiden Kulturkreisen haben ein Alphabet gezeichnet. D wie Dirndl heißt es da in der Version der Murnauer Kinder, die sie nun an die Gleichaltrigen nach Ghana schicken. Für Januar ist zudem ein großer Transport geplant. Feuerwehr-Equipment aus dem Landkreis, auch ein ausrangierter Wagen, wird verschifft. Krönner hat schon beim Besuch der Ghanaer mitbekommen, wie beeindruckt diese von der Feuerwehr waren. Sie haben direkt ein Feuerwehrhaus errichtet. Die Ladung im Januar enthält noch Rollstühle und weitere Wasseranlagen. „Kein Schrott“, wie sie betont. Und auch einen Maschinenpark zur Herstellung von Schokolade. Womöglich kommt das bei den Eliten nicht so gut an. Doch Krönner denkt an die Bevölkerung, die praktisch nie in den Genuss kommt, aber brav ihre Bohnen an den Westen abgibt. Mit diesem persönlichen Projekt möchte sie einerseits reiche Kunden belieferen und es darüber finanzieren, andererseits den Menschen vor Ort Zugang zu diesem Luxusgut verschaffen. Und sehen möchte man den König im nächsten Jahr auch wieder. Wenn das die weltweite Viruslage zulässt.

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