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Verantwortungsvolle Tätigkeit: Gesundheits- und Krankenpfleger – auf diesem Agenturbild ist die Versorgung eines Schlaganfall-Patienten zu sehen – sind gesuchte Klinikmitarbeiter. 

...weil es so nicht weitergehen kann

Kampf gegen die Pflegenot: Jetzt planen Klinik-Mitarbeiterinnen eine Demo

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In der Pflege fehlt es an Personal – ein Umstand, der in Deutschland allgegenwärtig ist. Drei Krankenschwestern aus der Murnauer Unfallklinik wollen das nicht hinnehmen – und planen daher für nächste Woche eine Demo. Die Forderungen: mehr Wertschätzung und bessere Arbeitsbedingungen für ihren Berufsstand.

Murnau – Es ist ein Horrorszenario, das tatsächlich in München passiert sein soll: Ein Mann erleidet einen Schlaganfall, bekommt jedoch aufgrund knapper oder fehlender Kapazitäten auf den Intensivstationen nicht sofort die ideale Behandlung – und stirbt am nächsten Tag. Für Christiane Hammes ist das Problem offensichtlich: Die Kliniken leiden unter einem akuten Fachkräftemangel. Dies führe dazu, „dass Betten oder sogar ganze Stationen dauerhaft gesperrt sind“. Die 41-jährige Ohlstädterin kennt die Branche bestens. Seit 20 Jahren ist sie als Krankenpflegerin in der Murnauer Unfallklinik (UKM) beschäftigt. Auch der Einsatz von angelernten Hilfskräften – eine weit verbreitete Praxis – ist ihrer Ansicht nach keine zufriedenstellende Lösung. „Pflegen kann jeder“ – diese Annahme sei schlichtweg falsch. Dazu brauche es eine mehrjährige Ausbildung und laufend Fortbildungen.

Doch Hammes hat es satt, immer nur die Missstände zu beklagen: „Ich will was tun“, sagt sie. Schließlich liege ihr der Beruf sehr am Herzen. Also geht sie am Montag, 29. Oktober, in Murnau zusammen mit zwei ihrer Kolleginnen, Miriam Garcia del Castillo und Angie Funke genannt Kaiser, auf die Straße – und hofft, dass sich möglichst viele Pflegekräfte und Menschen, die die Aktion unterstützen, anschließen.

Pflegeberufe müssen attraktiver werden

200 bis 300 Teilnehmer könnten es schon werden, schätzt Hammes, wenn die „Demonstration für mehr Wertschätzung in der Pflege“, so der offizielle Titel, stattfindet. Treffpunkt ist um 14.30 Uhr am Volksfestplatz (Kemmelallee). Danach geht’s in die Fußgängerzone. Hammes, die als offizielle Versammlungsleiterin angemeldet ist, und ihre Mitstreiterinnen rühren im Vorfeld kräftig die Werbetrommel, verteilen etwa Flyer in den Kliniken der Region.

„Das ist keine Demo gegen das UKM“, betont Hammes. Aber natürlich seien auch die Betriebe hier im Landkreis vom Pflegenotstand betroffen. Die entsprechenden Berufe müssten attraktiver werden, fordert sie, um wieder ausreichend Nachwuchs zu gewinnen. Dazu zählten unter anderem mehr Personal auf den Stationen, kürzere Arbeitsblöcke, eine unabhängige Pflegekammer als Interessenvertretung und eine bessere Bezahlung. Es ist kein Geheimnis, dass man mit der verantwortungsvollen Tätigkeit keine Reichtümer verdient. Ein frisch ausgelernter Krankenpfleger bekommt nach Angaben von Hammes im Monat etwa 1600 bis 1700 netto – zu wenig, um in einer Hochpreisregion wie Oberbayern über die Runden zu kommen.

„Man muss das gesamte Gesundheitswesen vom Kopf auf die Füße stellen“

Dass Handlungsbedarf besteht, das scheint in der Gesellschaft breiter Konsens zu sein. Für die Demo haben sich laut der Krankenschwester bereits mehrere Redner angemeldet, darunter Vertreter der Unfallklinik, der Gewerkschaft Verdi und der Politik. Mit dabei sind die beiden frisch gewählten Landtagskandidaten Andreas Krahl (Grüne) und Susann Enders (Freie Wähler). Beide wissen sehr genau, um was es geht: Schließlich waren der Seehauser und die Weilheimerin bislang selbst im UKM im Pflegebereich tätig.

Der Personalengpass in der Branche sei „eines der drängendsten Probleme, das auf uns zukommen wird“, sagt Krahl. Die Politik habe es verschlafen, die richtigen Weichen zu stellen, um den Beruf zu stärken. Entscheidend sind jetzt seiner Meinung nach als erste Schritte die Schaffung einer Pflegekammer, die als starke Lobby auftritt, und die Einführung eines Flächentarifvertrags.

Bei Enders klingt es ähnlich: Es sei ein Fehler gewesen, alles nur dem Renditestreben unterzuordnen. Es müsse wieder der Mensch – sowohl der Patient als auch der Mitarbeiter – im Mittelpunkt stehen. Enders: „Man muss das gesamte Gesundheitswesen vom Kopf auf die Füße stellen.“

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