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Großes Echo: Im Saal des Kultur- und Tagungszentrums ist kein freier Platz mehr zu finden.

450 Besucher verfolgen Tagblatt-Podiumsdiskussion

Kampf ums Murnauer Rathaus: fünf starke Kandidaten

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Da soll mal einer sagen, die Menschen interessieren sich nicht für Politik. Der Saal des Murnauer Kultur- und Tagungszentrums ist am Dienstag brechend voll. 450 Zuhörer erleben fünf Bürgermeisterkandidaten, die sich alle gut verkaufen. Sie debattieren über den Untermarkt, bezahlbaren Wohnraum, das Thema Umfahrung und manches mehr. Auch Spontaneität ist an dem Abend gefragt.

Murnau – Kultur- und Tagungszentrum, Dienstagabend. Es ist 18.30 Uhr. Die Podiumsdiskussion des Garmisch-Partenkirchner/Murnauer Tagblatts beginnt erst um 19.30 Uhr. Doch bereits eine Stunde vorher sind einige Interessierte vor Ort. Als die Debatte startet, sind der große Saal sowie die Empore brechend voll.

450 Zuhörer wollen die fünf Murnauer Bürgermeisterkandidaten Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), Rudolf Utzschneider (parteifrei, für die CSU), Veronika Jones (Bündnis 90/Die Grünen), Welf Probst (Freie Wähler) und Phillip Zoepf (Mehr Bewegen) erleben und sich ein Bild machen, wie die Aspiranten ticken. Um es vorwegzunehmen: Das Publikum sieht fünf starke Bewerber, die sich alle gut verkaufen. Keiner vergreift sich im Ton. Vor allem zwei präsentieren sich angriffslustig: Utzschneider und Probst.

Bei Utzschneider zeigt sich das zum Beispiel beim Thema bezahlbarer Wohnraum. „Mir fehlt die Richtung, wo wir in Murnau hinwollen. Das ist mir zu unkoordiniert.“ Probst fehlt eine Bedarfsanalyse. „Quo vadis, Murnau?“, fragt er. „Wen will ich nach Murnau holen? Will ich den Ort größer werden lassen oder für unsere eigenen Leute Wohnraum schaffen?“ Probst schlägt vor, dass die Gemeinde genossenschaftliche Projekte selbst angehen „und nicht fremd vergeben“ sollte.

Bekanntlich will die Kommune am James-Loeb-Haus Wohnungen schaffen. Die Dimensionen sind allerdings umstritten. Anwohner wollen keine drei Geschosse haben. Für Beuting sind solche Einwände berechtigt. „Aber man muss das Allgemeinwohl gegen Einzelinteressen abwägen.“ Der Rathauschef verweist auf viele Bürger, die keine Wohnung fänden. „Deshalb müssen wir aufs Tempo drücken.“ Zoepf hält das Areal am James-Loeb-Haus für das Projekt geeignet, „weil es den Innenraum verdichtet“. Jones wirbt darum, den „Charme des Ortes“ zu erhalten. „Das schließt eine Nachverdichtung um jeden Preis aus.“ Ihr fehlt ein Gesamtkonzept.

Andere Baustelle: der Untermarkt. Seit Jahren diskutiert die Politik kontrovers, wie mit dem verkehrstechnisch sensiblen Areal südlich der Fußgängerzone umgegangen werden soll. Die einen wünschen sich weniger oder gar keinen Autoverkehr und mehr Aufenthaltsqualität, die anderen wollen hingegen den Bereich als wichtige Zufahrt zum Zentrum erhalten.

Muss der Verkehr aus dem Untermarkt raus? Probst findet Nein. „Der innerörtliche Bereich muss erreichbar sein.“ Utzschneider hat die Geschäfte abgeklappert. Ergebnis: „Die Leute wollen keine Fußgängerzone. Warum soll ich dann eine machen?“ Beuting hat andere Informationen. Ihm zufolge haben 20 Einzelhändler geschrieben, dass sie einen so genannten Shared Space wollen. Das ist eine Begegnungszone, in der alle Verkehrsteilnehmer vollständig gleichberechtigt sind. Zoepf warnt davor, im Untermarkt alles aufzureißen. „Das ist unglaublich teuer.“ Man sollte dort seiner Meinung nach alles belassen, wie es ist. Jones kann sich hingegen einen Shared Space vorstellen, auch im Obermarkt. „Ich glaube nicht, dass alles zum Erliegen kommt. Menschen können auch zu Fuß in die Fußgängerzone gehen. Die meisten schaffen das.“

Die Zukunft des Untermarkts: offen. Derweil lässt auch die Murnauer Umfahrung auf sich warten. An dem Abend spricht sich lediglich Jones dezidiert gegen das Projekt aus. Der Grund: „Man kann nicht ernsthaft noch mehr Straßen bauen.“ Utzschneider sieht es anders. „Schleunigst in die Planung einsteigen“, lautet sein Ratschlag. Für Zoepf ist die West-tangente „der letzte Mosaikstein, der fehlt“. Beuting will hingegen „auf Basis von Zahlen und Fakten diskutieren“. Probst ist dafür, Seehausen „mit ins Boot zu holen“. Den Individualverkehr zu reduzieren, hält er für „nicht realistisch“. Der Verkehr steige immer noch. „Ich finde das nicht gut. Aber die Leute müssen von A nach B kommen.“

Publikumsfragen gibt es an dem Abend, den die Redakteure Silke Jandretzki und Andreas Seiler moderieren, auch. So erkundigt sich Petra Daisenberger, die auf der Gemeinderatsliste der Murnauer Grünen steht, wie die Kandidaten zur Nachhaltigkeit und Energiewende stehen. „Es wurden schon gute Dinge getan“, erklärt Zoepf und nennt die Rekommunalisierung des Strom- und Gasnetzes. Utzschneider verweist auf die Hackschnitzelheizung, die zu Zeiten von Dr. Michael Rapp (CSU) in Betrieb genommen wurde. Beuting macht deutlich, dass in der ablaufenden Periode „viel geschehen“ sei. Fast alle kommunalen Gebäude im Ortszentrum sind ihm zufolge ans Fernwärmenetz angeschlossen worden. Jones drängt: „Es wird nicht reichen, wenn es in diesem Schneckentempo weitergeht.“

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