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Top-Werbung: Barack Obama im Juni 2015 in Krün mit Karg-Bierglas.

Neu eingeführtes alkoholfreies Weißbier wird im Kreis Traunstein gebraut - aus gutem Grund

Ein Karg, aber kein Murnauer Original

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Obama prostete in Krün einst aller Welt mit einem Karg-Weißbierglas zu – getrunken hat der US-Präsident beim G7-Gipfel das Alkoholfreie der Konkurrenz. Die Murnauer Traditions-Brauerei produzierte diese Sorte nicht. Nun gibt es das Karg auch „ohne“. Ein original Murnauer ist’s nicht. Aus gutem Grund.

Murnau – Das Bild ging um den Globus: US-Präsident Barack Obama strahlte im Juni 2015 den internationalen Medien beim Krüner G7-Frühschoppen entgegen, in der Hand ein Weißbierglas, auf dem das Karg-Logo prangte. Ein Marketing-Meisterstück: Damit war die kleine Murnauer Weißbier-Brauerei plötzlich in aller Munde. Franz Schubert, der sich mit Tochter Victoria die Geschäftsführung teilt, gab Interview um Interview. Er freute sich über diesen PR-Coup – und ärgerte sich zugleich, weil ein schaler Nachgeschmack blieb. Denn ausgerechnet bei Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel stand zwar Karg auf den Gläsern, befand sich aber nicht darin. Der Protokollchef hatte Alkoholfreies angeordnet – genau die Sorte, die in Schuberts Sortiment fehlte. Ein Bier-Gate? Nein, in keiner Weise: Der Karg-Chef machte kein Geheimnis daraus, biss sich aber irgendwie auch in den Allerwertesten: Hätte er gewusst, wie viel Interesse Karg mit dem prostenden US-Präsidenten auf sich ziehe, sagte er damals, „hätte ich eigens für Obama ein Bier gebraut – das hätte sich gelohnt“. Und er kündigte bierernst an: „Wir sind dran.“

Knapp zwei Jahre später befindet sich tatsächlich ein alkoholfreies Karg-Weizen auf dem Markt. Seit rund zwei Monaten gehört es zum Sortiment, eingeführt ohne großes Tamtam. Ein Murnauer Original wie die anderen fünf Weißbier-Sorten ist es streng genommen nicht. „Gebraut und abgefüllt“, heißt es offen und ehrlich auf dem rückseitigen Etikett, werde das Bier für Karg in Tacherting (Kreis Traunstein). Dort kommt das Produkt einer Brauerei, zu der Victoria Schubert-Rapp persönliche Kontakte pflegt, in Flaschen mit dem Karg-Etikett – „hergestellt nach dem selben Verfahren, nach dem ich es auch machen würde“, betont Schubert. Nach einem Vor-Ort-Besuch sei man zu dem Ergebnis gekommen: „Das wäre ein Anfang für uns.“

Eine eigene Null-Promille-Produktion ließ sich aktuell nicht realisieren – zu groß wären Aufwand, Investitionen und Platzbedarf gewesen. „Bei der Menge, die wir im Moment davon verkaufen, rentiert sich das nicht“, sagt Schubert. Gleichzeitig trinken zunehmend mehr Menschen ihr Bier gern „ohne“. Vor allem nach der Obama-Aufregung hörte Schubert deshalb immer wieder die Frage, wann es ein Alkoholfreies von Karg gebe. „Es rundet unser Sortiment jetzt ab“, sagt Schubert. Er sei mit der Lösung „zufrieden“ und betont, die Kooperation sei „nichts Außergewöhnliches. Es gibt einige Brauerein, die für andere herstellen“.

Dies bestätigt Oliver Dawid, Geschäftsführer des Branchenverbands Private Brauereien Bayern: „Das kommt tatsächlich häufig vor, gerade wenn es um alkoholfreies Bier geht.“ Dawid findet dieses Vorgehen betriebswirtschaftlich nachvollziehbar. Es sei normal, dass kleine Brauereien in Anbetracht des zu erwartenden Umsatzes erst einmal nicht selbst investierten. Diese müssten wohl einen nicht unerheblichen sechsstelligen Betrag in die Hand nehmen. Zudem brauche es Spezialwissen, viel Erfahrung und besondere Fertigkeiten, um ein „gutes, bekömmliches und haltbares“ alkoholfreies Bier herzustellen. Da Karg auf den Brau- und Abfüllort hinweist, laufe hier alles „super korrekt“, sagt Dawid.

Übrigens: Auch die Klosterbrauerei Ettal setzt bei manchen Sorten auf Kooperation – darunter ebenfalls das alkoholfreie Weißbier. Mit einem Partner, der Bitburger Braugruppe, gründete sie die Benediktiner Weißbräu GmbH. Produziert wird im hessischen Lich nach Originalrezeptur. Auf den Etiketten prangt nicht „Ettaler“, sondern „Benediktiner“. Auf ihrer Internetseite erläutert die GmbH die Zusammenarbeit offensiv und im Detail. In der BR-Sendung „Quer“ wurde vor längerer Zeit dennoch Kritik laut. Von „bayerischer Mogelpackung“ war die Rede, weil das Produkt als bayerisches Bier daherkomme, aber in Hessen hergestellt werde. In der Klosterbrauerei reagierte man empört, sprach von einer „Unverschämtheit“.

„Alkoholfreies Weißbier ist generell derzeit eine beliebte Sorte und verzeichnet bayernweit jährlich steigende Absätze“, betont der Ettaler Braumeister Florian Huber. „Herstellungsverfahren und auch die Qualitätskontrolle für diese Sorte sind jedoch aufwändiger und bedürfen einer relativ großen Investition.“

Davor schreckt Karg (noch) zurück. Franz Schubert verzichtet in dem Fall nicht nur aufs Brauen, er konsumiert auch privat kein alkoholfreies Weißbier, sondern schätzt das echte. Und Barack Obama, der als Präsident mittlerweile abgedankt hat, sagt Schubert, „könnte inzwischen auch etwas Gescheites trinken“.

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