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Prominenter Eschenloher: Weihbischof Florian Wörner trägt sich in Bürgermeister Anton Kölbls Beisein ins Goldene Buch ein.

Eschenloher Bürgermeister wird 60 Jahre alt

Katastrophenfall: Anton Kölbl streicht Geburtstags-Urlaub

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Aus dem Südtirol-Urlaub zum 60. Geburtstag ist nichts geworden: Der im Landkreis ausgerufene Katastrophenfall veranlasste Anton Kölbl, zu Hause zu bleiben und die Reise zu verschieben. Er sagt: „Da verlässt ein Bürgermeister Kölbl nicht das Dorf.“

Eschenlohe – Die Episode lässt tief blicken. Sie verdeutlicht sehr genau, wie Anton Kölbl denkt, fühlt, handelt.

Die Unterkunft war längst gebucht. Eschenlohes CSU-Bürgermeister Kölbl, der am Montag 60 Jahre alt geworden ist, wollte den runden Geburtstag mit Ehefrau Eva in Südtirol verbringen: ganz ohne Trubel und Festivitäten, sondern mit Schneeschuhwandern und einem Gipfelschnaps. Doch am Freitagvormittag war der Urlaubsplan von einer Sekunde auf die andere Makulatur, der Termin verschoben. Hätte Kölbl ihn durchgezogen ohne Rücksicht auf Verluste, hätte das allem widersprochen, wofür er steht. Landrat Anton Speer (Freie Wähler) rief wegen der Witterungslage für den Landkreis den Katastrophenfall aus: „Da verlässt ein Bürgermeister Kölbl nicht das Dorf“, sagt Kölbl über Kölbl. Die Äußerung weckt Assoziationen an 2005, als Eschenlohe gegen die Folgen eines Hochwassers ankämpfte. An vorderster Front stand damals nicht der oberste Rathaus-Chef, sondern Kölbl, zu dieser Zeit Kommandant der Feuerwehr und eine Art Galionsfigur im Anti-Flut-Einsatz.

Damals wie heute ist Kölbl, ganz der Steinbock, das personifizierte Verantwortungsbewusstsein, beharrlich und gradlinig. Flüge hat er genau wegen dieser Eigenschaften bisher nur aus beruflichen Gründen angetreten; niemals würde er längere Strecken in der hochwassergefährdeten Zeit zurücklegen – ihm wäre „das Risiko zu hoch“, nicht mehr rasch nach Hause zu kommen. Auf ihn soll Verlass sein. Selbst wenn sich der passionierte Segler in Norddeutschland aufhält, sucht er sich stets den nächstgelegenen Flughafen heraus, um im Notfall schnell zurückkehren und seine Positionen einnehmen zu können: Bürgermeister. Und Fels in der Brandung.

2008 trat Kölbl das Rathaus-Ehrenamt an, und auch das hat indirekt mit dem Flutproblem zu tun. Probleme sind für Kölbl generell da, um gelöst zu werden. Der Vollblut-Schreinermeister kandidierte, weil er wollte, dass das von Überschwemmungen gepeinigte Dorf eine umfassende Hochwasserverbauung erhält, die über jene an der Loisach hinausreicht, die längst in trockenen Tüchern war. Das Thema, das er mal „die Eschenloher Geißel“ nannte, hat ihn über Jahre geprägt; dreimal – 1999, 2002 und 2005 – erlebte er als Wehr-Kommandant den Katastrophenfall, seine Familie hatte selbst mit großen Schäden zu kämpfen. Bei der Pfingstflut 1999 war er erst wenige Wochen zuvor zum verantwortlichen Wehr-Mann aufgestiegen; 2005 stand er 37 Stunden lang ohne Pause auf den Beinen. Heute, mit 60 Jahren, zählt Kölbl sich zur „stillen Reserve“ der Wehr. Fehlt es an Personal, rückt er mit aus. Sonst lässt er Jüngeren den Vortritt und hört meist im Feuerwehrhaus den Funk mit, organisiert, wirkt im Hintergrund.

18 Jahre hatte Kölbl als Stellvertreter fungiert, 10 Jahre als Kommandant; mit 16 war er zu den Rettern gestoßen – eine Selbstverständlichkeit, ein vorgezeichneter Weg. Schon sein Vater Hans war Wehr-Kommandant gewesen, und auch er hatte die Schreinerwerkstatt in Eschenlohe betrieben. Diese läuft wegen des Bürgermeisterpostens heute auf Sparflamme. Sie bedeutet aber die Möglichkeit, bei den Kommunalwahlen 2020 nicht um jeden Preis antreten zu müssen. Eine weitere Kandidatur sei „keine Selbstverständlichkeit“, sagt Kölbl, ohne sich in die eine oder die andere Richtung zu äußern. Natürlich gebe es wichtige Vorhaben, die weitergeführt werden müssten; elementar ist in Kölbls Augen vor allem die Bypassstraße, die eine Schließung der maroden Eschenloher B2-Röhren ermöglicht und im Zuge des Auerbergtunnel-Vorhabens realisiert werden soll. „Aber solche Dinge hat man immer.“

Diese K-Frage lässt Kölbl also offen. Dabei ist er eigentlich ein Mann der klaren Worte – und ein Mensch mit Faible für die Natur. Im Juli machte er „etwas Besonderes für mich“ und bestieg in einer Gruppe mit Bergführer den rund 3660 Meter hohen Großvenediger, nachdem er Dinge wie Kameraden- und Selbstrettung aus einer Gletscherspalte sowie den Umgang mit dem Eispickel erlernt hatte. Die Hochtour, die Belastung in der dünner werdenden Luft, stellte eine Grenzerfahrung dar. Doch Kölbl, begeisterter Opa von Katja, Johannes und Felix, sechs, fünf und drei Jahre alt, liebt die Berge und speziell Skitouren, die er so oft es geht auf Gipfel der Region unternimmt, allen voran Hörnle und Herzogstand. In diesen Stunden in der Natur mit grandiosen Aussichten geht ihm das Herz auf.

Für Montagnachmittag, quasi zur Feier das Tages, plante Kölbl eine Tour aufs Hörnle mit seiner Eva. Mit einer großen Gratulantenschar rechnete er nicht. „Jeder meint, ich bin nicht da“, sagt Kölbl, und er scheint mit dieser Situation ganz zufrieden zu sein. „Nur die, die mich gut kennen, können sich an fünf Fingern abzählen, dass ich nicht in den Urlaub gefahren bin.“ Sie wissen, wie Anton Kölbl denkt, fühlt, handelt.

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