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Bereits im Bau: das Wohn- und Geschäftshaus an der Reschstraße in Murnau.

Bauausschuss lehnt Nutzungsänderung für Wohn- und Geschäftshaus ab

Pläne für „Zuhause auf Zeit“ stoßen auf Kritik

Eine Wohn- und Geschäftsimmobilie, die gerade an der Murnauer Reschstraße entsteht, soll jetzt ein so genanntes Boardinghaus werden, also ein Zuhause auf Zeit. Dem Bauausschuss gefiel das gar nicht. Er lehnte die Umnutzung mit großer Mehrheit ab.

Murnau– Ein Boardinghouse (von englisch boarding = Verpflegung/Beköstigung, house = Haus) ist ein Beherbergungsbetrieb, der Zimmer oder Apartments mit hotelähnlichen Leistungen in meist städtischer Umgebung vermietet. Doch anders als eine Pension oder ein Hotel ist in einem Boardinghouse ein längerer Aufenthalt vorgesehen. Aus diesem Grund wird im deutschen Sprachraum auch die Bezeichnung „Zuhause auf Zeit“ verwendet. Boardinghäuser werden hauptsächlich von Firmen genutzt, die über einen längeren Zeitraum Mitarbeiter in andere Orte entsenden.

Mit dieser Form von Beherbergung hatte sich jetzt der Murnauer Bauausschuss zu befassen. Denn ein Antragsteller will eine Nutzungsänderung erreichen: von einem Wohn- und Geschäftshaus in ein Boardinghaus. Die Immobilie an der Reschstraße ist bereits im Bau. Das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen genehmigte das Objekt mit neun Wohnungen und einer Gewerbeeinheit bereits 2016. Zuvor hatte der Bauausschuss seinen Segen gegeben.

Doch der Tekturantrag fiel nicht auf Gegenliebe. „Ich finde das eher schwierig“, betonte Franz-Xaver Fischer (Mehr Bewegen) vor dem Hintergrund, dass immer über zu wenige Wohnungen geklagt werde. Auch Sabine Pecher (ÖDP/Bürgerforum) konnte sich mit der Nutzungsänderung nicht anfreunden. „Ich finde das bedenklich. Das hat eine Signalwirkung.“ Pecher sah ferner die Gefahr, dass dort Zweitwohnungen entstehen. „Durchaus problematisch“ stufte auch Marktbaumeister Klaus Tworek den Antrag ein. Bis auf CSU-Gemeinderat Johann Scherrer lehnten ihn alle Ausschussmitglieder ab. „Das Landratsamt wird wieder auf uns zukommen, wenn das nicht haltbar ist“, sagte Tworek.

Auch auf dem Gelände der ehemaligen Tengelmann-Filiale an der Lindenthalstraße sollen zumindest teilweise Boarding-Einheiten entstehen. Die Rede ist von einem Mehrzweckgebäude mit Boardinghaus und Büroräumen. Der Bauausschuss hatte sich schon mehrfach mit der Zukunft des Areals befasst, zuletzt im Januar. Damals war von 26 Wohnungen die Rede. Den Räten erschien das Vorhaben seinerzeit aber als zu massiv, daher lehnten sie die Planung ab.

Wuchtig ist der anvisierte Bau nach wie vor. Daraus machte Rathauschef Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) kein Hehl. „Das wird ein Tanker, der da gebaut wird, keine Frage. Aber das geht noch.“ Skeptisch beäugte Stefan Lechner (ÖDP/Bürgerforum) die Planung. „Wenn das auf der grünen Wiese wäre, würden wir sagen, das ist viel zu groß.“ Beuting erwiderte, dass sich der Umfang am Bestand orientiere.

Zur Boarding-Thematik erklärte Bauamtsmitarbeiter Ingo Presuhn, dass das im Mischgebiet „ganz gut passen“ würde. Der frühere Tengelmann steht in einem solchen. Lechner fand hingegen: „Wir schaden damit unseren Hotels, wenn das Schule macht.“

Der Bauausschuss stimmte den Plänen für das besagte Mehrzweckgebäude am Ende mehrheitlich zu – vorausgesetzt, es fügt sich in die Eigenart der näheren Umgebung ein. 24 der nötigen Stellplätze sollen in in einem dreigeschossigen Tiefgaragen-Stapelparker entstehen. Nun darf sich das Landratsamt mit der Sache befassen.

Roland Lory

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