In exponierter Lage in der Dorfmitte: die Filiale der Sparkasse Oberland in Uffing, in der es keinen Schalterbetrieb mehr geben wird.
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In exponierter Lage in der Dorfmitte: die Filiale der Sparkasse Oberland in Uffing, in der es keinen Schalterbetrieb mehr geben wird.

Kein Schalter-Service mehr in Uffing, Weindorf, Schlehdorf: Sparkasse fährt Präsenz vor Ort massiv zurück

  • Silke Reinbold-Jandretzki
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  • Boris Forstner
    Boris Forstner
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Die Sparkasse Oberland fährt ihre Präsenz in der Fläche massiv zurück. In der Region sind die Filialen Uffing, Murnau-Weindorf und Schlehdorf von den Einschnitten betroffen. Kunden können Geschäfte an Automaten tätigen – ohne Service am Schalter. In Uffing und Schlehdorf gibt es Termin-Beratungen. Bürgermeister reagieren mit Bedauern, aber auch mit Verständnis.

Uffing/Murnau/Schlehdorf – Der Verlust schmerzt. „Es geht wieder ein kleines Stück persönliche Nahversorgung ab“, sagt Uffings Bürgermeister Andreas Weiß (parteifrei). Seine Gemeinde zählt zu jenen elf Orten, in denen die Sparkasse Oberland ihr Angebot einschränkt. Es bleiben Automaten, eine Beratung wird es noch nach Vereinbarung in dem Gebäude in exponierter Lage geben, das der Sparkasse gehört. Der Service am Schalter an zwei Vormittagen pro Woche, den das Geldinstitut im Laufe der Corona-Krise eingestellt hatte, ist in Uffing Vergangenheit. Endgültig. Gleiches gilt für Schlehdorf. Die Filiale in Weindorf wird eine reine Selbstbedienungs-Außenstelle, in denen Geldautomat/SB-Terminal zur Verfügung stehen. Eine Beratung erhielten Kunden künftig in der Murnauer Hauptstelle, die unangetastet bleibe – ebenso wie die SB-Stelle am Münterplatz, sagt Pressesprecher Robert Christian Mayer.

Die Bankenwelt hat sich massiv verändert – das spiegelt sich nun in der Entwicklung der verschiedenen Geldinstitute vor Ort wider. „60 Prozent aller Sparkassenkunden benutzen Online-Banking“, betonte Vorstandsvorsitzender Thomas Orbig bei der Vorstellung der Filialnetz-Pläne; auch das Telefon-Servicecenter habe während Corona starke Zuwächse gehabt. Zahlreiche Filialen hatte die Sparkasse Oberland während der Krise geschlossen – und manche werden nicht mehr im Präsenzbetrieb, also mit Mitarbeitern vor Ort, aufmachen.

Einschnitte bei der Sparkasse Oberland: Eine Filiale wird komplett aufgegeben

„Wir haben uns schon 2018 Gedanken gemacht, wie wir uns auf die Kundenbedürfnisse ausrichten können“, sagte Orbig. Das habe mit Corona nichts zu tun, betonte sein Vorstandskollege Michael Lautenbacher. Doch manche Filialen, so Orbig, würden so wenig genutzt, dass es betriebswirtschaftlich nicht mehr günstig sei, sie weiter in dem Umfang zu betreiben.

Der einzige Standort, der komplett aufgegeben wird, ist Schwabsoien. Weitere Geschäftsstellen, an denen es bisher zumindest an einem Tag noch einen Sparkassen-Mitarbeiter vor Ort gab und künftig nicht mehr, sind neben Uffing, Murnau-Weindorf und Schlehdorf Burggen, Reichling, Peißenberg-Wörth, Bernried, Iffeldorf, Raisting, Pähl und Wielenbach. In manchen Filialen werden die Öffnungszeiten weiter eingeschränkt; viele – vor allem in den größeren Kommunen – bleiben völlig unangetastet.

Sparkasse Oberland: In manchen Filialen gibt es Beratungen nach Absprache 

Zumindest in einigen der Filialen, die lediglich noch einen SB-Schalter sowie manchmal nur einen Geldautomaten erhalten, wird wenigstens ab und zu noch Leben einkehren. Sie werden zur „SB-Stelle mit Terminberatung“. Der Kunde kann nach Absprache in der Filiale vor Ort mit seinem gewohnten Berater sprechen, der extra rausgefahren kommt. „Das hat auch Vorteile. Wenn bisher ein Kundengespräch war und gleichzeitig noch ein Gast in die Bank kam, musste immer einer warten“, sagte Orbig. Er weiß, dass drei bis fünf Prozent der Kunden sich mit den Änderungen nicht anfreunden können. Diesen biete man Hilfe an, etwa durch Schulungen.

Die Gespräche mit den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden sind nach Angaben von Orbig sehr positiv verlaufen. „Viele haben schon erwartet, dass so etwas kommt und von sich aus alternative Standortvorschläge für den Geldautomaten gemacht, weil sie für das Sparkassen-Gebäude andere Pläne haben.“

So nahm etwa Schlehdorfs Rathaus-Chef Stefan Jocher (WGL) die Einschnitte nicht wirklich wie einen Blitz aus heiterem Himmel wahr. Direkt am Sparkassen-Schalter ist es seiner Beobachtung nach „sehr, sehr ruhig“ gewesen. „Mich hat es gar nicht überrascht, dass es so kommt. Und ich kann es absolut nachvollziehen.“ Ihn verwundere eher, „dass überhaupt eine Geschäftsstelle bleibt“. Als wichtig erachtet Jocher, dass Schlehdorf einen Geldautomaten behält.

Für Bürgermeister ist wichtig, dass Automaten vor Ort bleiben

 

Verständnis äußert auch Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), der Verwaltungsrat bei der Sparkasse Oberland ist. Grundsätzlich sei es „immer zu bedauern“, wenn Dienstleistungen eingeschränkt werden. „Jedoch hat sich das Nutzungsverhalten der Bankkunden in den letzten Jahren grundlegend geändert.“ Digitale Zugangswege zur Sparkasse spielten inzwischen eine sehr große Rolle. So sei nachvollziehbar, dass in Murnau künftig persönliche Dienstleistungen nur noch in der Hauptgeschäftsstelle angeboten werden. „Wichtig ist für uns, dass die Kunden auch weiterhin den SB-Service in Weindorf nutzen können.“

Auch für Andreas Weiß zählt – trotz allem –, dass sich die Sparkasse nicht ganz aus Uffing zurückzieht und „der Standort bleibt“. Kunden können am Automaten Geld abheben, am SB-Terminal bestimmte Bankgeschäfte erledigen, sich mit Termin beraten lassen. Was fehlt, ist der Service am Schalter: „Das ist schade“, findet Weiß. „Das gehört zum Dorf wie ein Einzelhandelsgeschäft.“

Einen Personalabbau sieht man bei der Sparkasse nicht vor, die vorerst auch keine weiteren Einschnitte plant: „Jetzt“, sagt Pressesprecher Mayer, „ist erst mal Ruhe.“

Lesen Sie dazu auch: Sparkasse Oberland: Filialen kommen auf den Prüfstand

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