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Im Gemeindeeigentum: die Fläche westlich des James-Loeb-Hauses (l.). Hier sollen in den nächsten Jahren Wohnungen entstehen.   

Aus dem Marktgemeinderat

Kemmelpark: Forschungzentrum bekommt Zuschlag für Filetfläche

Das kam unerwartet: Der Murnauer Gemeinderat hat dem Forschungs- und Therapiezentrum den Zuschlag für die freie Filetfläche im Kemmelpark erteilt. Nun ist auch klar, was westlich des James-Loeb-Hauses entstehen soll. 

Murnau – Das war so nicht zu erwarten gewesen: Der Murnauer Marktgemeinderat hat bezüglich der freien Filetfläche im Kemmelpark dem Forschungs- und Therapiezentrum den Zuschlag erteilt. Gleichzeitig beschloss das Gremium, dass westlich des James-Loeb-Hauses auf Gemeindegrund Wohnraum entstehen soll.

Diese Lösung hat sich offenbar erst in den Tagen vor der Sitzung herauskristallisiert. Drei Varianten waren für das vakante Areal im Herzen des Kemmelparks zur Wahl gestanden: das Forschungszentrum, eine Mischung aus Wohnen und Gewerbe auf genossenschaftlicher Basis sowie ein 144-Zimmer-Business-Hotel.

Das Gremium prüfte drei Vorschläge auf Herz und Nieren

Zuletzt hatte sich der Aufsichtsrat der Murnauer Grundstücks-Verwaltungs-GmbH mit der Materie auseinandergesetzt. Diese vermarktet das ehemalige Militärgebiet. Das Gremium prüfte die drei Vorschläge auf Herz und Nieren – und gab dem Marktgemeinderat die Empfehlung, für das Forschungs- zentrum zu stimmen. Die Volksvertreter votierten einmütig dafür. Darüber hinaus entschieden die Räte, im Bereich des ehemaligen Gemeindekrankenhauses (James-Loeb-Haus) bezahlbaren Wohnraum im Erbbaurecht zu schaffen. Dabei soll vor allem genossenschaftlicher Wohnungsbau berücksichtigt werden. Die Verwaltung wurde beauftragt, umgehend ein Bauleitverfahren auf den Weg zu bringen. Das Ziel: Die Kommune will möglichst bald, spätestens aber innerhalb von drei Jahren mit der Errichtung beginnen.

Eine der aufwendigsten Entscheidungen der letzten Jahre 

Westlich des James-Loeb-Hauses stehen 5700 Quadratmeter zur Verfügung (Kemmelpark: 2500 Quadratmeter). Vorhanden Häuser – sie sind älteren Datums – werden eventuell abgebrochen. Zur Zahl der Wohnungen wurde offiziell nichts bekannt. Doch aufgrund der Grundstücksgröße ist davon auszugehen, dass es wohl nicht weniger als die 28 Stück werden, die im Kemmelpark geplant waren.

„Das war eine der aufwändigsten Entscheidungen, die wir in den letzten Jahren hatten“, fasste Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) zusammen. Alle Gemeinderäte hätten sich sehr viel Mühe gemacht. „Es ist ein sehr guter Kompromiss für Murnau herausgekommen.“ Beuting sieht die Lösung als „kleines Zeichen an die Bürger, dass wir ihre Sorgen und Nöte ernst nehmen“.

Bei der Firma, die das Forschungszentrum bauen will, knallen die Sektkorken

Von einem „guten Ergebnis“ sprach auch Regina Samm (CSU). Es handle sich um „zwei Projekte, die Murnau braucht“. Welf Probst (Freie Wähler) empfand es als erfreulich, „dass der Gemeinderat in seiner Mehrheit die Bedeutung des Projektes Forschungs- und Therapiezentrum erkannt hat und mit der Entscheidung dafür ein wirklich innovatives Unternehmen nach Murnau holt“. Probst kann sich vorstellen, wenn dieses Projekt erst einmal angelaufen ist, „dass sich weitere Unternehmen für Murnau und diesen Standort in Zukunft interessieren werden“. Eine kritische Anmerkung konnte er sich jedoch nicht verkneifen. „Die derzeitige ständige Anheizung des Themas bezahlbarer Wohnraum in der Öffentlichkeit führt meines Erachtens nicht zu einer schnelleren Verbesserung der Situation, sondern schürt unnötig Sozialneid und spaltet die Murnauer Bevölkerung.“ Bei der Firma Neurovision Pharma GmbH, die das Forschungszentrum bauen will, knallen derweil die Sektkorken. „Wir freuen uns natürlich riesig“, betonte gestern Geschäftsführer Prof. Dr. Ludwig Aigner. Die Firma entwickelt Medikamente zur Behandlung von neurologischen Erkrankungen wie etwa Alzheimer oder Parkinson sowie Querschnittverletzungen. Die Unfallklinik sieht er als „extrem wichtigen Partner“. 50 Millionen Euro soll der Neubau circa kosten, es ist von 40 bis 50 Mitarbeitern die Rede. Laut Aigner gibt es Überlegungen, den Sitz von Grünwald nach Murnau zu verlegen.

Die Räte fassten weitere Beschlüsse: So wird das James-Loeb-Haus dauerhaft als Innovationsquartier genutzt. Diesem stehen, nachdem das Rathaus aus seinem Provisorium ausgezogen ist, die bis dahin von der Verwaltung genutzten Flächen zur Verfügung. Ferner will die Gemeinde bei der Ausweisung zusätzlicher Gewerbeflächen prüfen, ob eine eigene kommunale Bebauung (etwa ein weiterer Gewerbehof) oder ein Projekt möglich ist, das über eine Gewerbe-Genossenschaft/Baugruppe abgewickelt werden kann.

Roland Lory

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