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Am Einkaufszentrum an der Zufahrt zum früheren Militärareal steht in großen Lettern Kemmelpark.

Umstrittene Bezeichnung Kemmelpark in Murnau

Kein neuer Namenswettbewerb

Der Murnauer Kemmelpark behält seinen Namen. Es wird keinen neuen Wettbewerb geben, um eine andere Bezeichnung für das Areal im Norden der Kommune zu finden. SPD-Rat Ernst Ochs schlägt vor, eine Städtepartnerschaft mit dem Ort Kemmel ins Auge zu fassen.

Murnau – Zehntausende Soldaten haben im April 1918 bei der Schlacht um den Kemmelberg (Flandern) ihr Leben gelassen. Im kommenden Frühjahr jährt sich das blutige Gefecht zum hundertsten Mal. Aus diesem Anlass stellt die Marktgemeinde Murnau demnächst eine Informationstafel im Kemmelgelände auf. In den Haushalt für 2018 werden hierfür 10 000 Euro eingestellt. Dies hat das Kommunalparlament mit einer Gegenstimme (Josef Gramer/fraktionslos) beschlossen. Der Vorschlag war von der SPD-Fraktion gekommen.

Den zweiten Teil ihres Antrags zogen die Genossen allerdings zurück. Dieser lautete: Falls die Murnauer Bevölkerung, insbesondere die Bewohner des Kemmelparks, sich eine unbelastete Bezeichnung wünschen, unterstützt der Markt Murnau durch einen Ideenwettbewerb erneut die Namensfindung für das Viertel im Murnauer Norden.

SPD-Rätin Dr. Elisabeth Tworek erklärte auf Nachfrage des Murnauer Tagblatts, warum die Sozialdemokraten davon Abstand nahmen. „Es stellte sich in den letzten Monaten heraus, dass die Informationstafel mit der Entstehungsgeschichte des Namens ,Kemmelpark‘ von 1938 bis heute in Murnau breite Zustimmung findet. Auch die Verwaltung plädierte für die Errichtung einer Informationstafel bis April 2018, sprach sich jedoch gegen eine Namensänderung aus.“

Im Laufe der vergangenen Monate habe sich des weiteren herausgestellt, dass die Anwohner offensichtlich mit dem Namen Kemmelpark zufrieden seien. „Denn unser Vorschlag, mit einem Ideenwettbewerb erneut die Namensfindung für diesen jungen Ortsteil anzustoßen, blieb ohne Reaktion von Seiten der Murnauer Bevölkerung“ – insbesondere der Anlieger. „Eine Namensänderung gegen den Willen der Anwohner war jedoch nie unsere Absicht.“

Tworeks Fraktionskollege Ernst Ochs wartete dagegen mit einem anderen Vorschlag auf: Murnau könnte mit dem belgischen Ort Kemmel eine Städtepartnerschaft eingehen. „Das wäre ein Beitrag für ein friedliches, vereintes Europa.“ Außerdem würde man damit den Begriff Kemmel „positiv besetzen“. Die Idee sei aus der Bürgerschaft an ihn herangetragen worden, sagt Ochs, der sie „gut“ findet. Darüber diskutiert wurde im Gremium nicht. Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) sagte, die Arbeitsgruppe, die sich mit dem Thema Städtepartnerschaft auseinandersetzt, solle sich mit dem Vorschlag befassen.

Die Fraktion ÖDP/ Bürgerforum hatte die ganze Thematik vor ein paar Jahren aufs Tapet gebracht. Der Gemeinderat folgte damals dem Vorschlag und sprach sich dafür aus, dass der Ort eine Städtepartnerschaft auf EU-Ebene anstrebt.

Noch einmal zurück zur Bezeichnung Kemmel: NS-Behörden hatten die Murnauer Kaserne wenige Monate vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nach der Schlacht am Kemmelberg benannt. Nach 1945 hieß die Liegenschaft der US-Amerikaner Kimbro-Kaserne. 1972 wurde die Bezeichnung Kemmelkaserne dann wiederbelebt. Bürgermeister Wilhelm Simet sprach sich damals dafür aus.

1995 war das Militärareal Geschichte. Zehn Jahre später organisierte man einen Namenswettbewerb. Der Marktgemeinderat entschied sich mit 15 zu neun Stimmen für die Bezeichnung Kemmelpark. Die Namensgebung rief seither immer mal wieder Kritik hervor.

Roland Lory

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