In der Diskussion: der Name Kemmelpark, hier an einer Einkaufsmarkt-Fassade. Foto: roy/Archiv

Umstrittene Bezeichnung wieder in der politischen Diskussion

Kemmelpark: Kommt ein weiterer Namens-Wettbewerb?

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Die kritischen Stimmen verstummten nie: Die Bezeichnung Kemmelpark für das Wohn- und Gewerbegebiet im Murnauer Norden war und bleibt umstritten. Die SPD-Fraktion bringt nun einen Ideenwettbewerb für einen unbelasteten Namen ins Spiel – falls die Murnauer dies wollen. Nicht jeder ist begeistert.

Murnau - Rainer Paschen wohnte jahrelang an der Kemmelallee 6 im Murnauer Kemmelpark. Doch so richtig wohl fühlte er sich mit dieser Straßenbezeichnung in der Anschrift nie. „Mich hat der Name immer grundsätzlich gestört, und ich habe mir Gedanken gemacht deswegen“, sagt der Erste Vorsitzende des Murnauer Seniorenbeirats. Er halte „nicht viel von Straßennamen, die an Blutvergießen und Elend erinnern“. Entsprechend rennt die SPD-Fraktion im Murnauer Gemeinderat bei Paschen offene Türen ein: „Ich halte das für eine gute Idee.“

Die Sozialdemokraten sorgen dafür, dass die politische Diskussion um die umstrittene Bezeichnung Kemmelpark wieder mehr Fahrt aufnimmt. Ganz aktuell legen die SPD-Vertreter Dr. Elisabeth Tworek, Felix Burger und Ernst Ochs einen Antrag vor, den Namen, der im Ursprung auf die Schlacht am Kemmelberg im belgischen Flandern im April 1918 mit rund 200 000 Toten zurückgeht, neu zu bewerten; Tworek nahm dazu Forschungsrecherchen im Marktarchiv vor. Das SPD-Trio regt an, dass der Markt bis April 2018 an zentraler Stelle im heutigen Kemmelpark eine Informationstafel errichtet, die in knappen Sätzen den Bezug zur Schlacht am Kemmelberg dokumentiert und „auf die vielen damaligen Menschenopfer hinweist“. Weiter soll die Entstehungsgeschichte des Namens von 1938 bis heute dokumentiert werden. Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) hatte vor Wochen erklärt, dass ein Hinweis zur Herkunft der Bezeichnung geplant sei.

Und: Falls die Murnauer Bevölkerung, insbesondere die Anwohner des Wohn- und Gewerbegebiets, sich einen unbelasteten Namen wünschten, will die SPD, dass die Gemeinde „durch einen Ideenwettbewerb erneut die Namensfindung für diesen jungen Ortsteil unterstützt“.

Die Bezeichnung Kemmelpark hatte der Gemeinderat im Sommer 2005 mit einer 15:9-Mehrheit beschlossen. Teilnehmer eines Wettbewerbs hatten diese zuvor am häufigsten vorgeschlagen. Schon damals stießen sich viele am militärischen Kontext, und wirklich verstummt ist diese Kritik nie. In wenigen Monaten wird sich die Schlacht am Kemmel zum 100. Mal jähren, und schon vor Wochen hatte Tworek sich gegenüber dem Tagblatt„überzeugt“ gezeigt, „dass eine Umbenennung so manchen Gedankenlosen zum Nachdenken anregen könnte“. Das Jubiläum, finden die SPD-Räte, sollte für den Markt Anlass sein, sich noch einmal eingehend mit der Entstehungsgeschichte von „Kemmelpark“ zu befassen, das auf die Namensgebung „Kemmelkaserne“ durch NS-Behörden zurückgehe. Der Gemeinderat sei zwischen 1972 und 2005 mehrmals an der Benennung beteiligt gewesen.

Für die SPD steht fest: Die Bezeichnung Kemmelkaserne „diente von Anfang der Propaganda des NS-Staates, ein zu jedem Tabubruch bereiter Unrechtsstaat“. Weil der Name von einer Schlacht damals verfeindeter europäischer Nationen ausgehe, heißt es im Antrag weiter, „widerspricht er dem heutigen politischen Ziel eines geeinten Europa, dem friedlichen Miteineinander europäischer Nachbarn“. Möglich wäre es, dass die Murnauer, „besonders die heutigen Anwohner“, sich einen neuen Namen wünschten, der unbelastet sei.

Hier gehen die Meinungen auseinander. Es gibt Bürger wie Paschen mit dem flauen Gefühl im Magen, andere sprechen sich allerdings dagegen aus, dieses Fass noch einmal aufzumachen. Dr. Albert Wentlandt etwa sagt, dass eine Informationstafel „eine gute Geschichte sein mag“; er sieht jedoch „überhaupt keinen Grund für eine Namensänderung“. Kemmel sei für ihn „erst einmal ein neutrales Wort“. Es handle sich dabei „um einen Berg in Flandern, sonst nichts“; einen Berg mit blutiger Vergangenheit, sagt Wentlandt, „das ist bekannt“.

Er hat sich mit dem Thema eingehend beschäftigt, aus gutem Grund. Keine Frage: Für die Institution, die Wentlandt vertritt, hätte eine Umbenennung eventuell weitreichende Folgen – ihr Name ist mit dem Wohn- und Gewerbegebiet im Norden eng verknüpft: Dr. Albert Wentlandt fungiert als Geschäftsführer der „Seniorenzentrum Kemmelpark GmbH“ an der Kemmelallee 3.

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