Einen Ansturm auf 15 500 Artikel gibt es im Februar 2018 beim Basar im Kultur- und Tagungszentrum. 
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Einen Ansturm auf 15 500 Artikel gibt es im Februar 2018 beim Basar im Kultur- und Tagungszentrum. 

Kirchenverwaltung will kein Risiko eingehen

Kinderflohmarkt-Absage löst in Murnau Ärger aus

  • Roland Lory
    vonRoland Lory
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Die Absage des Kinderflohmarkts in Murnau löst Ärger aus. Anderswo finden solche Veranstaltungen auch statt, lautet die Kritik.

  • Die Absage des Kinderflohmarkts in Murnau löst Ärger aus.
  • Veronika Jones kritisiert, dass andernorts solche Veranstaltungen auch stattfinden.
  • Die Kirchenverwaltung von St. Nikolaus will jedoch kein Risiko eingehen.

Murnau – Es sind Termine, die sich vor allem Mütter immer rot im Kalender anstreichen. Der Kindersachenbasar, den die Basargruppe der Murnauer Pfarrei St. Nikolaus zwei Mal im Jahr organisiert, ist ein Besuchermagnet. Hunderte strömen in der Regel ins Kultur- und Tagungszentrum, um nach günstiger und gut in Schuss befindlicher Kleidung, aber auch nach anderen Dingen Ausschau zu halten.

Jones: Viele Familien auf solche Angebote angewiesen

Die Veranstaltung hätte am morgigen Samstag auf dem Gelände der Kindertagesstätte St. Nikolaus am Längenfeldweg stattfinden sollen. Doch der Flohmarkt wurde, wie kurz vermeldet, abgesagt. Dies ruft Kritik hervor. Veronika Jones, die für die Grünen im Marktgemeinderat und Kreistag sitzt, hat sich mit einem Leserbrief als „Privatperson“ ans Tagblatt gewandt. Sie ist in der Basargruppe aktiv. Sie fragt sich, warum die Veranstaltung nicht abgehalten werden kann. „In anderen Orten wie zum Beispiel Ismaning findet ein ähnlicher Basar statt. Ganz normal. Nur eben mit beschränkter Besucherzahl. Mit einem klaren Hygienekonzept. So wie in jedem Geschäft auch.“ Jones fragt: „Ist den Verantwortlichen, deren Entscheidungen zur Absage geführt haben, eigentlich bewusst, was sie hier anrichten? Gerade in unserem teuren Landkreis sind sehr viele Familien stark auf solche Angebote angewiesen.“ Es gebe dort ein beispielloses breites Angebot an einwandfreier und günstiger Second Hand Ware. „Nicht wenige Familien versorgen sich dort mit Kinderkleidung für eine ganze Saison, finden Weihnachtsgeschenke und können sich Sachen leisten, die sonst unerschwinglich wären. Wer also genug Kleingeld hat, kann der Kauflust ungebremst im Warenhaus frönen, wer es nicht hat, hat dieses Jahr vielfach ein Nachsehen.“ Jones empfindet dies als „echtes Armutszeugnis“.

Kirchenverwaltung für Absage verantwortlich

Als Veranstalter fungiert die Katholische Kirchenstiftung St. Nikolaus. Wie Pfarrer Siegbert Schindele mitteilt, stimmten die Mitglieder der Kirchenverwaltung mit 8:1-Stimmen für eine Absage. In Zeiten von Corona habe man nicht die Verantwortung übernehmen wollen, sagt der Geistliche. „Die Kirchenverwaltung hatte Angst, dass, wenn sich 500 Leute vor der Tür drängen, keinerlei Abstand möglich ist.“ Bei vergangenen Basaren seien teilweise Hunderte vor dem Eingang gestanden, bevor überhaupt aufgemacht wurde. Ein Hygienekonzept, das vorlag, war laut Schindele auf 200 Besucher ausgelegt. Der Pfarrer findet es „unendlich schade“, dass die Veranstaltung nicht stattfinden kann, sieht in dem Angebot einen „Riesennutzen für ärmere Familien“. Er selbst hatte als Einziger für die Abhaltung des Flohmarkts gestimmt, hätte auf die „Vernunft der Leute“ gebaut. Doch der Murnauer Seelsorger trug die Absage am Ende mit. „Ich möchte mich nicht allein gegen alle stellen.“

Kirchenpfleger: „Es geht halt jetzt nicht“

Kirchenpfleger Franz Neuner nennt noch andere Gründe für die Absage. Zum Beispiel: Was passiert, wenn sich während der Veranstaltung ein Kind an Spielgeräten verletzt? „Als Kirchenstiftung sind wir da in der Haftung.“ Die Benutzung der WCs sieht Neuner ebenfalls kritisch. „Das geht nicht. Das sind nur Kindertoiletten.“ Zudem macht der Kirchenpfleger auf den zu erwartenden Andrang aufmerksam: „Wenn aufgesperrt wird, stehen Massen an Leuten davor.“ Die damit verbundenen Risiken will man nicht eingehen. Auch Neuner bedauert, dass der Flohmarkt ausfällt. „Es ist nicht so, dass wir nicht mögen. Es geht halt jetzt nicht. So leid es uns tut.“

Genehmigung lag vor

Angelika Wagner, Leiterin der Basargruppe, will sich nicht groß äußern. Nur so viel: „Ich finde es schade, dass keine Lösung gefunden werden konnte.“ Nach Schindeles Angaben hatte das Landratsamt die Veranstaltung an der Kita genehmigt. Auch die Gemeinde „hatte kein Problem damit“.

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