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Wie in einem Gemälde von Monet fügt sich das Tango-Orchester in die Natur des Seidlparks ein.

Hunderte Besucher erleben besondere Konzerte

Klingender Park: Gesamtkunstwerk nach Seidls Geschmack

Er war selbst ein begeisterter Musiker und Primgeiger sowie Vorsitzender des Münchner Orchestervereins. Emanuel von Seidl hätte wohl die größte Freude an dem gehabt, was sich Samstagabend in „seinem“ Murnauer Park abspielte.

MurnauAus allen Ecken ertönte Musik. Hunderte von Menschen flanierten durch den Murnauer Seidlpark und genossen, was die verschiedenen Ensembles der Musikschule darboten. Im Rahmen der Bayerischen Landesausstellung in Ettal inszenierten der Förderkreis Murnauer Parklandschaften und die Camerloher Musikschule den „Klingenden Seidlpark“.

An exponierten Plätzen spielten insgesamt 160 Schüler im Wechsel und verbreiteten bei milden Temperaturen eine behagliche Stimmung. Überall machten es sich die Besucher auf Stühlen und Mauern gemütlich. Wie etwa am Rosenpavillon bei den Hirschen, wo die „Alte Musik“ mit Stücken aus der Renaissance aufwartete. Mit der damaligen Zeit nachempfundenen Instrumenten, wie Rauschpfeifen, Krummhörnern, einem Zink, altertümlichen Streichinstrumenten, sogenannten Gamben, und einer Landsknechtstrommel wurden die Zuhörer in die Vergangenheit versetzt. „Manchmal braucht man genau so etwas zur inneren Einkehr“, sinnierte Bärbel Gottschalk aus Wiesbaden. Sie verbringt gerade ihren Urlaub in Murnau und ist erstaunt darüber, was der Ort zu bieten hat. „Es ist eine tolle Idee, einen Park auf diese Art mit Leben zu füllen.“

Und genau so war es auch gedacht. Während am Pavillon die Violoncellisten und Streichensembles ihre Künste zeigten, lockten sanfte Flötenklänge eines Quartetts mit Lehrerin Ruth Kleber die Musikfreunde hinüber zum Freundschaftshügel. Auf dem Weg dorthin luden kleine und große Gitarren- und Klarinettenspieler an der Orchesterbank im Hermen-Rondell zum Lauschen und Genießen ein. Dort hatte sich auch Seidl regelmäßig mit Münchner Bohemien zum gemeinsamen Musizieren getroffen.

Abwechslung bot die Ziach-Zupf-Schlog-Combo, die mit Volksmusik-Instrumenten moderne Stücke mit Tangoelementen und aus der Popmusik spielte. Am Weiher neben dem frisch renovierten Eiskeller gab es zur Stärkung Getränke, Schupfnudeln und Bratwurstsemmeln, während das Tango-Orchester mit rhythmischen Klängen gute Laune verbreitete. Gleichzeitig fühlte man sich, als wäre man mitten in ein Gemälde von Claude Monet geraten. Vor einem weiten Teppich aus Seerosenblättern fügte sich die 24-köpfige Combo, in tiefes Rot gekleidet, in ein malerisches Bild ein und zog die Leute an wie ein Magnet.

Dort, wo einst Seidls Badehaus gestanden war, hatte auch der Architekt oft gesessen und auf den ruhig daliegenden Teich geblickt. Vom sogenannten „Gloriettl“ sind heute nur noch einzelne Mauerfragmente geblieben. In naher Zukunft aber möchte der Förderkreis nach dem Eiskeller auch dieses wieder zum Leben erwecken. „Zumindest wollen wir mit einer nachempfundenen Konstruktion auf vier Säulen an das Badehaus erinnern“, sagt der Erste Vorsitzende Bernd Rogge. Die Einnahmen aus Spenden und der Verköstigung gehen jedenfalls direkt in die Erhaltung des Seidlparks.

Die Initiatoren schafften es, die einzelnen Darbietungen durch einen gut geplanten Ablauf zu einem Gesamtkunstwerk zu machen. Seidl, der es als Architekt und Musiker gut verstand, Dinge zu einer ästhetischen Komposition zusammenzufügen, hätte sich geehrt gefühlt und seine Freude gehabt.

Beate Berger

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