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Spielen glänzend mit: (v.l.) Phillip Zoepf, Rudolf Utzschneider, Rolf Beuting und Veronika Jones.

Die menschliche Seite der Bewerber im Fokus

Ihre Stärken, ihre Schwächen: Murnauer Bürgermeister-Kandidaten bekennen Farbe

Einer ist nach eigener Einschätzung ein guter Handwerker, ein anderer trinkt gerne Eierlikör, eine kann nicht singen. Wie Murnaus Bürgermeister-Kandidaten ticken, hat das Publikum in der vollen Westtorhalle erfahren. Ein Bewerber kam erst zum Schluss – ihn hatte eine Murnauer Tradition aufgehalten.

Riedhausen/Murnau – „Kirchen – Kuchen – Kandidaten“ mobilisiert am Sonntag ganze Scharen von Murnauern aller Altersstufen: Sie alle wollen auf Einladung der christlichen Kirchengemeinden Murnaus sechs Wochen vor der Kommunalwahl die menschliche Seite ihrer Bewerber ums Bürgermeisteramt kennenlernen, sich in der Westtorhalle Riedhausen ein persönliches Bild machen. Im Nu sind sämtliche Sitz- und bald darauf auch alle Stehplätze belegt, die Halle ist voll. Nach 150 Leuten ist Schluss, rund 50 müssen draußen bleiben – eine Außenübertragung, wie von einigen im Spaß gefordert, ist technisch nicht machbar. Vorab stärken sich die Besucher mit Kuchen, serviert in heimeliger Hallen-Atmosphäre bei Kerzenschein. „Wir wollten dieses Kaffeehausfeeling an einem politisch neutralen Ort und Leute in die Halle locken, die sonst nicht hierherkommen“, erklärt Johannes Unterstein (Pfarrei St. Nikolaus). „Außerdem waren wir mit dieser Veranstaltung vor sechs Jahren schon hier, und das Hallenteam unterstützt uns hervorragend.“ Mit so vielen Besuchern hat aber auch er nicht gerechnet.

Unterstein moderiert mit Dr. Dieter Kirsch (evangelische Gemeinde) die Veranstaltung – beide haben sich zusammen mit Pfarrer Florian Bracker in einigen Sitzungen 77 unterschiedliche wie ungewöhnliche Fragen überlegt und dazu eine Art Parcours vorbereitet. Auf der Bühne stehen zwei Sofas, ein roter Thron, zwei Bierbänke mit Ja- und Nein-Schildern, eine Schnur mit Zahlen von eins bis fünf – das Publikum darf gespannt sein, was passieren wird. Vier Kandidaten nehmen auf den Sofas Platz: Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), Rudolf Utzschneider (CSU), Phillip Zoepf (Mehr Bewegen) und Veronika Jones (Bündnis 90/Die Grünen). Welf Probst (Freie Wähler) fehlt in der Runde, er ist mit den Schäfflern unterwegs und stößt erst zum Ende der Veranstaltung in Tanztracht dazu.

Wie aber sollen vier Leute 77 Fragen in einer Stunde beantworten? Die Auflösung: Alle in der Halle erleben ein rasantes Ping-Pong-Spiel. „Mehr bewegen ein bisschen anders ausgelegt“, witzelt Zoepf. Blitzschnell muss man sich jeweils entscheiden, was zwischen eins (ich stimme voll zu) und fünf (ich widerspreche zutiefst) für ein Statement zutrifft. Dementsprechend wird auf der Bühne hin- und hergesprungen. Man spricht Ernstes und Heiteres an, politische und private Themen. Das Publikum amüsiert sich prächtig. Die Jugend hat keinen Bock auf Politik – dass das nicht stimmt, darin sind sich zumindest alle einig, Eierlikör findet dagegen nur Rolf Beuting toll.

Weiter geht es auf dem „heißen Stuhl“. Jeder der vier Bewerber muss sich zuerst blitzschnell zwischen zwei Begriffen entscheiden und danach einen Begriff kurz kommentieren: von aktiver Sterbehilfe und freiwilligem Pflichtjahr über Homophobie bis hin zur Organspende, um nur einige zu nennen. Beachtlich schlagfertig sind alle vier. Danach ist Selbsteinschätzung zu eigenen Talenten gefragt. Singen kann Rolf Beuting offenbar sehr gut, Veronika Jones dagegen wohl gar nicht, ebenso wenig wie Skifahren. Rudolf Utzschneider ist angeblich ein guter Heimwerker, Phillip Zoepf gesteht hier Schwächen ein; er spielt lieber Fußball. Talent zum Bürgermeister, da sind sich die vier einig, besitzen sie alle und drängen sich unter der Eins. Das Publikum erkennt an, dass ehrlich geantwortet wird.

Murnauer Bürgermeister-Kandidaten ganz persönlich: Geburten der Kinder haben Veronika Jones geprägt

Sportlich wird es in der nächsten Runde. Je nach Meinung gilt es, sich auf die Ja- oder die Nein-Bank zu setzen – auch hier zeigen sich unterschiedliche Meinungen, etwa zur Legalisierung von Cannabis oder zur Widerspruchslösung bei der Organspende.

Die recht persönlich gehaltenen Fragen zum Schluss zeigen am besten, was die Kandidaten für das Bürgermeisteramt in Murnau bewegt und ausmacht. Beuting etwa nennt als politisches Vorbild Papst Franziskus und vermisst oft Menschlichkeit in der Gesellschaft. Jones bekennt, die Geburten ihrer Kinder haben sie besonders geprägt.

Bei der abschließenden Gretchenfrage („Mit welchem von den Kandidaten würden Sie gerne Essen gehen“) merken die Zuschauer, dass es den Bewerbern ein Bedürfnis ist, sich untereinander noch besser kennenzulernen. Das will auch das Publikum, und so ergeben sich im Anschluss noch viele angeregte Gespräche. Zweck der Veranstaltung also erfüllt – auch wenn diesmal eher der Spaß im Vordergrund steht.

Doch ernst wird es noch früh genug.

Barbara Jungwirth

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