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Die stolzen Wahrzeichen der Marktgemeinde Murnau: das Schloss und die Pfarrkirche St. Nikolaus. 

Ortsporträt

Kommunalwahl 2020 in Murnau: Hauptprobleme sind teurer Wohnraum und zu viel Verkehr

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Das müssen Sie zur Kommunalwahl 2020 in Murnau wissen. Vor der Wahl wird jede Gemeinde des Kreises Garmisch-Partenkirchen auf den Prüfstand gestellt.

Murnau – Wer zum ersten Mal nach Murnau kommt, ist sofort dem Charme erlegen. Der pittoreske Markt mit seinen Bürgerhäusern, eingebettet in eine herrliche Naturlandschaft, verzauberte schon einst die Maler der legendären Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“. An dieser Anziehungskraft hat sich bis heute nichts geändert.

Doch hinter der schönen Fassade verbergen sich handfeste Probleme und Herausforderungen, mit denen die Ortspolitik seit Jahren zu kämpfen hat und die auch in der nächsten Legislaturperiode die Arbeit des Gemeinderats bestimmen werden. An erster Stelle steht die akute Wohnungsnot – ein Dauerbrenner. Der hohe Zuzugsdruck, das knappe Angebot an Bauland und der Anlagenotstand treiben die Immobilienpreise in absurde Höhen – mit gravierenden Folgen. Wohnen ist in der zweitgrößten Landkreis-Gemeinde (rund 12 500 Einwohner) zum Luxus geworden. Die Rede ist bereits von einem Grünwald am Staffelsee. Normal- und Geringverdiener können es sich häufig nicht mehr leisten, Wohnungen oder Häuser zu mieten, geschweige denn zu kaufen – und müssen notgedrungen wegziehen.

Eine gefährliche Entwicklung, die dem Wirtschaftsstandort Murnau schadet. Denn wer Firmen ansiedeln und neue Arbeitsplätze schaffen will, der muss auch Unterkünfte für die Beschäftigten anbieten können. Es ist nur ein schwacher Trost, dass es anderen Kommunen im Speckgürtel Münchens nicht viel besser geht.

Kommunalwahl 2020 in Bayern: Welche Aufgaben hat der Bürgermeister?

Kommunalwahl 2020 in Murnau: Bezahlbarer Wohnraum ist wichtiges Thema

Die Immobilienpreise hätten mittlerweile ein Ausmaß erreicht, „durch das sich große Teile der Bürgerschaft nicht mehr angemessen mit bezahlbarem Wohnraum versorgen können“, findet Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), der 2014 die einstige CSU-Bastion eroberte und sich zur Kommunalwahl am 15. März um eine zweite Amtszeit bewirbt. „Fast täglich komme ich in Kontakt mit Menschen, die für ihre größer oder kleiner werdende Familie oder die erwachsenen Kinder Wohnraum suchen.“ Die Gemeinde versucht, mit Wohnbauprojekten gegenzusteuern – etwa amLängenfeldweg, wo derzeit 29 Mietwohnungen entstehen. „In den letzten sechs Jahren wurde so viel Geld wie nie zuvor in den öffentlichen Wohnbau in Murnau gesteckt“, sagt der Rathauschef. Weitere Vorhaben, etwa für junge Erwachsene oder Familien, seien in der konkreten Planung. Beuting weiter: „Es geht letztlich darum, Murnau für alle Bevölkerungsschichten attraktiv zu halten.“

Dass auf diesem Gebiet Handlungsbedarf besteht, darüber ist sich die Ortspolitik einig. Doch bei den Fragen nach dem Wie und Wo gehen die Meinungen oft weit auseinander. So fordern beispielsweise die Grünen deutlich mehr Anstrengungen – und ein beherzteres Vorgehen. Aus den Reihen der Freien Wähler ist hingegen immer wieder die Warnung vor zu viel Wachstum zu hören.

Doch es ist nicht nur die Wohnbaupolitik, die die Volksvertreter fordert. Auch die steigende Verkehrsbelastung sorgt für Kopfzerbrechen – und kontroverse Standpunkte. Im Kern geht es um die Frage, welchen Stellenwert das Auto künftig in der Staffelsee-Gemeinde haben soll. Das Ringen um die besten Konzepte dürfte jedenfalls spannend werden.

Fest steht: Vor allem auf den Durchfahrtsstraßen führen die Blechlawinen zu immer mehr Staus, Lärm und Gestank – und trüben die Lebensqualität. „In den vergangenen zehn Jahren sind über 1200 private Autos zusätzlich in Murnau angemeldet worden. Zusammen mit anderen Faktoren wie die steigende Zahl der Arbeitsplätze, Pendler und Übernachtungsgästen zeigt das: Wir haben ein Problem“, sagt Beuting. Bei den Gemeindestraßen habe man einige Verbesserungen erzielen können, etwa durch Tempo-30-Regelungen. Aber: „Der Stau auf der Bundesstraße lässt sich mit den Mitteln der Kommune allein nicht vollständig auflösen. Durch ein Parkleitsystem, die fortgesetzte Verbesserung der Infrastruktur für Radfahrer und den geplanten Ortsbus kann man die Probleme aber zumindest mildern“, meint Beuting. Als Allheilmittel wurde in der Vergangenheit stets der von vielen ersehnte Bau der Westtangente gehandelt, die die bestehende Entlastungsstraße verlängern und auf diese Weise eine vollständige Umfahrung schaffen würde. Doch in letzter Zeit wurden auch Stimmen laut, die an der Wirksamkeit des millionenteuren Straßenbaus zweifeln und stattdessen ein Umdenken in Sachen Mobilität fordern.

Kommunalwahl 2020 in Bayern: Welche Aufgaben haben Stadtrat und Gemeinderat?

Wie dem auch sei: Murnaus To-do-Liste beschränkt sich nicht nur auf die beiden Mammutthemen Wohnen und Verkehr. Speziell die jungen Menschen brauchen berufliche Perspektiven – und zwar nicht nur in den dominierenden Branchen Gesundheit und Tourismus. Das vielfach ausgezeichnete Innovationsquartier im alten Gemeinde-Krankenhaus, in dem in erster Linie Startup-Unternehmen der Kreativbranche gefördert werden, ist ein guter Anfang.

Die finanzstarke Marktgemeinde muss sich außerdem den Herausforderungen stellen, die der demografische Wandel sowie die Digitalisierung mit sich bringen, und anspruchsvolle Infrastrukturprojekte wie den Neubau des Feuerwehrhauses stemmen.

Eins ist sicher: Egal, wer die Bürgermeisterwahl in Murnau gewinnt – neben Beuting gehen Rudolf Utzschneider (parteifrei, für die CSU), Welf Probst (Freie Wähler), Phillip Zoepf (Mehr Bewegen) und Veronika Jones (Bündnis 90/Die Grünen) ins Rennen –, langweilig wird der Spitzenjob im Rathaus bestimmt nicht.

Kommunalwahl 2020 in Murnau: Sitzverteilung im Gemeinderat

Der Gemeinderat Murnau besteht aus 24 Mitgliedern plus dem Ersten Bürgermeister. Amtsinhaber ist Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum).

Kommunalwahl 2020: Die aktuelle Sitzverteilung im Gemeinderat.

Sitzverteilung: ÖDP/Bürgerforum: sieben Sitze (Stefan Lechner, Gabriele Lechner, Michael Manlik, Sabine Pecher, Holger Poczka, Anna Schlegel-Herz, Josef Gramer); CSU: sieben Sitze (Michaela Urban, Josef Bierling, Lorenz Brey, Michael Hosp, Andreas Müssig, Regina Samm, Johann Scherrer); Freie Wähler: drei Sitze (Welf Probst, Dr. Julia Stewens, Maria Schägger), Mehr Bewegen: drei Sitze (Phillip Zoepf, Reiner Oppelt, Franz Fischer); SPD: drei Sitze (Felix Burger, Ernst Ochs, Dr. Elisabeth Tworek); Bündnis 90/Die Grünen: Hans Kohl.

Zur Kommunalwahl am 15. März treten die im Gemeinderat vertretenen Parteien und Gruppierungen wieder an. Um das Amt des Rathaus-Chefs bewerben sich:

  • Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum)
  • Rudolf Utzschneider (parteifrei, für die CSU)
  • Welf Probst (Freie Wähler)
  • Phillip Zoepf (Mehr Bewegen)
  • Veronika Jones (Bündnis 90/Die Grünen)
Großes Bewerberfeld: Amtsinhaber Rolf Beuting (2. v. r., ÖDP/Bürgerforum) hat es bei der Bürgermeisterwahl mit gleich vier Gegenkandidaten zu tun. Diese sind: (v. l.) Veronika Jones (Bündnis 90/Die Grünen), Welf Probst (Freie Wähler), Rudolf Utzschneider (parteifrei, für die CSU) und Phillip Zoepf (Mehr Bewegen). Dieses Foto entstand heuer beim Neujahrsempfang der Marktgemeinde Murnau.

Kommunalwahl 2020: Die Bürgermeister von Murnau

  • 1909 bis 1931: Sebastian Utzschneider
  • 1932 bis 1933: Robert Wohlgeschaffen
  • 1933: Otto Engelbrecht
  • 1933 bis 1934: Urban Wust
  • 1934 bis 1938: Alois Federl
  • 1938 bis 1945: Josef Amann
  • 1945 bis 1946: Ludwig Ernst
  • 1946 bis 1948: Robert Wohlgeschaffen
  • 1948: Dr. Max Asam
  • 1948 bis 1952: Wilhelm Brandl
  • 1952 bis 1978: Wilhelm Simet
  • 1978 bis 1996:Werner Frühschütz (CSU)
  • 1996 bis 2002: Harald Kühn (CSU)
  • 2002 bis 2014: Dr. Michael Rapp (CSU)
  • seit 2014: Rolf Beuting (ÖDP)

Die Ortsteile Weindorf und Hechendorf wurden 1974 beziehungsweise 1978 eingemeindet. Bis dahin hatten sie eigene Bürgermeister.

Landkreis-Gemeinden im Fokus: Alle Gemeinden vor der Kommunalwahl 2020

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