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Die Mehr-Bewegen-Kandidaten: (vorne v. l.) Monja Apel, Dr. Elisabeth Tworek, Lisa Stegmeir, Nicole Gey, Stefanie Fischer, Jessica Stöckle, Jasmin Riemenschneider, (2. Reihe v. l.) Ernst Ebert, Florian Müller, Wolfgang Köglmayr, Phillip Zoepf, Reiner Oppelt, Stephan Schwertl, (hinten v. l.) Anton Schlögel, Christian Jansen, Claudia Groll-Hoffmann, Jens Rusch, Stefan Thomas, Franz Fischer und Johannes Köglmayr.

Kommunalwahl 2020 in Murnau

Hochkarätige Verstärkung: Köglmayr und Tworek wechseln zu Mehr Bewegen

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Paukenschlag bei Mehr Bewegen: Die Murnauer Gruppierung konnte zur Kommunalwahl 2020 zwei Größen der Konkurrenz für sich gewinnen. Für die parteifreie Bürgerliste treten der ehemalige CSU-Fraktionschef Wolfgang Köglmayr und die amtierende SPD-Gemeinderätin Dr. Elisabeth Tworek an.

Murnau– Was bisher im Murnauer Wahlkampf abgelaufen ist, war höchstens das Präludium. Ein kleines Vorspiel, in dem die Themen der nächsten drei Monate leise anklangen. Die große Ouvertüre führte nun die Gruppierung Mehr Bewegen mit ihrer Aufstellungsversammlung auf. Fanfaren waren zu hören, die die Ankunft zweier Hoffnungsträger verkündeten. Wolfgang Köglmayr, von 1984 bis 2014 für die CSU im Gemeinderat, und Dr. Elisabeth Tworek, seit 2014 für die SPD im Gremium, treten auf der parteifreien Liste an. In erster Linie, weil sie Phillip Zoepf, den Bürgermeister-Anwärter, protegieren. „Er ist der Kandidat, der es werden sollte“, betont Köglmayr.

Man vernahm aber auch die tiefen, dumpfen Paukenschläge, die die Konkurrenz verschrecken sollen. Bislang war es auf den Versammlungen von ÖDP/Bürgerforum, CSU und Freien Wählern brav zugegangen. Die Attacken gegen die Kollegen beschränkten sich auf kleine Spitzen. Doch Mehr Bewegen hat Würze in den Wahlkampf gebracht. Die Rolle des Souschefs fiel Gemeinderat Franz Fischer zu.

Er knöpfte sich beinahe alle Fraktionen vor. Die CSU, die mehr mit sich selbst beschäftigt gewesen sei. Die Grünen um Veronika Jones, die „vor lauter Wahlkampfständen, Radldemos und populistischen Facebook-Posts gar keine Zeit mehr“ für das Gemeinderatsamt gehabt habe. Die Freien Wähler für ihren kurzfristigen Kurswechsel vom Brüllaffen zum Brückenbauer. Und natürlich Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), der am meisten Kritik abbekam. Er, so Fischer, seit 2017 im Gremium, habe einen Ortschef erlebt, der Fehler mache (Bürgerbeirat, Kemmelpark), Projekte verzögere (Feuerwehr, Ärzte im Kemmelpark), eine unzufriedene Verwaltung führe, nicht bürgernah oder transparent sei und neue Gräben aufreiße. Als einzig fähigen Restaurator sah er natürlich Zoepf, den „Bürgermeister für alle Murnauer“.

Nach dem Appell des Scharfmachers verwunderte es nicht, dass die 22 Anhänger Zoepf mit 100 Prozent zum Kandidaten wählten. „Wow, Wahnsinn, besser geht’s nicht“, sagt Zoepf. Seine Rede – das hatten er und Fischer geschickt aufgeteilt – war dann nicht zum Tadeln da. Der 47-Jährige lobte sich und seine Gruppierung: als „Mit-Favoriten“ und „konstruktive Mitte von Murnau“. Im Gegensatz zur Konkurrenz habe sich seine Fraktion nie an den Streitereien beteiligt. Mit der Rolle als neutraler Moderator zieht Zoepf in den Wahlkampf. Er sieht sich als der Mann, der die Gräben wieder zuschüttet. „Ich muss nicht in die Rolle schlüpfen – ich bring sie einfach mit“, sagt er mit einem kleinen Seitenhieb Richtung Welf Probst von den Freien.

Drei Sitze hatten die Außenseiter vor sechs Jahren geholt, bei der Wahl 2020 sollen es fünf oder noch mehr werden. Alleine Köglmayr und Tworek dürften zwei Plätze sichern. Die Leiterin der Kulturabteilung im Bezirk Oberbayern hat sich als Kultur- und Bildungsexpertin einen Namen gemacht. In diesen Angelegenheiten zählt ihr Wort. Für die SPD wiegt der Verlust schwer, auch wenn er vorhersehbar war. Tworek hatte nur wegen Elisabeth Höchner, ihrer Bekannten, auf der SPD-Liste kandidiert. Als Höchner 2015 aufhörte, „ist mir die Leitfigur verloren gegangen“. Nun hat sie eine neue: Zoepf, „der geeignetste Kandidat“.

Als noch spektakulärer lässt sich Köglmayrs Kandidatur einordnen. Unter Bürgermeister Dr. Michael Rapp galt er als Strippenzieher der CSU, ehe es 2014 zum Zerwürfnis mit einigen Parteikollegen kam. Die alten Weggefährten fragten nun wieder nach. „Die CSU hatte auch Interesse“, bestätigt der Schreibwaren-Händler. Entscheidend sei der Bürgermeister-Kandidat gewesen. Über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren tauchte Zoepf regelmäßig auf. „Er hat mich weichgeklopft.“ Obwohl Köglmayr formell noch CSU-Mitglied ist, sieht er sich nicht als streng-konservativen oder schwarzen Politiker. Über sich sagt er in der dritten Person: „Es ist nicht immer ganz einfach mit dem Köglmayr, der hat eine Meinung – und die vertritt er zunächst auch.“ Neben dem 60-Jährigen stehen weitere bekannte Gesichter auf Zoepfs Liste: Gemeinderat Reiner Oppelt, Lehrer Stephan Schwertl, Trachtler-Chef Johannes Köglmayr oder Geschäftsfrau Stefanie Fischer.

Die Liste: 1. Phillip Zoepf, 2. Dr. Elisabeth Tworek, 3. Franz Fischer, 4. Johannes Köglmayr, 5. Stefanie Fischer, 6. Stephan Schwertl, 7. Claudia Groll-Hoffman, 8. Jens-Michael Rusch, 9. Reiner Oppelt, 10. Wolfgang Köglmayr, 11. Lisa Stegmeir, 12. Florian Müller, 13. Stefan Thomas, 14. Bernhard Gerstberger, 15. Jessica Stöckle, 16. Dominik Moroder, 17. Jasmin Riemenschneider, 18. Ernst Ebert, 19. Christian Jansen, 20. Dominik Meyer, 21. Monja Apel, 22. Philipp Watz, 23. Nicole Grey, 24. Anton Schlögel. Ersatz: Josef Stöckle, Caroline Koch.

Weitere Informationen zur Kommunalwahl 2020:

https://www.merkur.de/politik/kommunalwahl-2020-bayern-datum-termine-stimmzettel-buergermeister-landrat-kreistag-gemeinderat-12344668.html

https://www.merkur.de/lokales/garmisch-partenkirchen/landkreis/kommunalwahl-bayern-ere1211475/buergermeisterwahl-2020-im-kreis-garmisch-partenkirchen-wahlen-und-kandidaten-13271058.html

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