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Eine Zukunft ohne Bürgermeisteramt im Blick: Uffings Rathaus-Chef Rupert Wintermeier will 2020 nicht mehr kandidieren.

Zwei Rathauschefs machen Schluss

Kommunalwahlen 2020: Das planen die Bürgermeister rund um Murnau 

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Zwei wollen wieder antreten, zwei aussteigen – und vier haben sich noch nicht zu einer Entscheidung durchgerungen: Das eine oder andere Dorf rund um Murnau wird 2020 einen neuen Bürgermeister erhalten. Rupert Wintermeier (Uffing) und Rudolf Kühn (Riegsee) planen, aufzuhören. Ein Überblick.

Nördlicher Landkreis Alle sechs Jahre wieder wählen die Bayern ihre Bürgermeister – das nächste Mal im Frühjahr 2020. In den Dörfern rund um Murnau wird es spannend: Nach dem Stand der Dinge werden in mindestens zwei Rathäuser neue Chefs übernehmen.

Uffing

Rupert Wintermeier redet nicht lange um den heißen Brei. Eine weitere Kandidatur? „Ein klares Nein – ich lasse mich nicht mehr aufstellen“, sagt der hauptamtliche Uffinger Bürgermeister (WGU). „Ich bin 65 Jahre alt und werde im August 66 – ich denke, es reicht jetzt.“ Den Entschluss habe er im vergangenen Jahr gefasst. Wintermeier, dreifacher Vater und sechsfacher Opa, hatte 2008 vom Lehrer zum Gemeinde-Chef umgesattelt. Er bezweifelt, dass es Sinn macht, als 72-Jähriger noch Bürgermeisterarbeit zu erledigen. Wer ihn beerben wird? In dieser Frage hält sich Wintermeier zurück, erzählt lediglich von Namen, die gerüchteweise kursierten; er nennt diese jedoch nicht. Wintermeier will noch eineinviertel Jahre lang Vollgas geben und dann für eine anständige Übergabe sorgen.

Riegsee

Rudolf Kühn ist 2014 in die Bresche gesprungen, als der langjährige Riegseer Rathaus-Chef Franz Höcker aufhörte und sich länger kein potenzieller Nachfolger aus der Deckung wagte. Der studierte Agrar-Ingenieur mit Bio-Betrieb im Ortsteil Aidling sah sich mit Verweis auf sein Alter – Kühn ist heute 64 – von Anfang an als Übergangs-Bürgermeister für eine Periode. Daran hat sich nach heutigem Stand nichts geändert: „Ich höre auf.“ Und zwar ganz und gar: Kühn, ein Dino der Lokalpolitik, will sich 2020 zurückziehen – nach 6 Jahren als Erster und 24 Jahren als Zweiter Bürgermeister sowie 30 Jahren als Gemeinderatsmitglied (1984 bis 2014). Die Nachfolge-Frage wird spannend – und dürfte vor allem auch von einer Entscheidung abhängen, die der Gemeinderat 2019 treffen muss. Soll der Riegseer Bürgermeister weiter ehrenamtlich arbeiten? Oder leistet sich das Dorf einen hauptamtlichen Rathaus-Chef, der schnell mal mehr als doppelt so viel kostet wie Kühn? Es steht zu vermuten, dass das zweite Modell im Kreis geeigneter Kandidaten auf weitaus größeres Interesse stößt als das aktuelle.

Seehausen

Markus Hörmann ist mit sich im Reinen, er weiß, was er will – und macht kein Geheimnis daraus: Der Seehauser Bürgermeister (CSU) möchte 2020 wieder kandidieren, keine Frage. Aktuell absolviert der Diplom-Geologe (53) seine zweite Amtszeit, zuvor war er Stellvertreter gewesen. Hörmann sieht sich mitten in der Arbeit. Man habe einige Dinge angestoßen, die jahrelanger Vorplanung bedurften und nun „zur Verwirklichung kommen“. Darunter befindet sich die schier unendliche Geschichte mit dem Titel „Bahnunterführung Ettaler Weg“, die seit Mitte der 1970er Jahre läuft; ein vorzeitiger Baubeginn ist beantragt, noch heuer könnten die Arbeiten angeblich starten. Ein Neubau des Feuerwehrhauses soll östlich der Turnhalle entstehen. Das alte Gebäude entspreche nicht mehr dem Standard, stünde dann aber für Alternativnutzungen zur Verfügung, sagt Hörmann. Er könnte sich dort weitere Bauhof-Lagerflächen, den Vereinestadl oder einen Handwerksbetrieb vorstellen. Große Themen bleiben zudem das Gewerbegebiet und die Nord-Umfahrung Murnaus.

Großweil

Seit fast 17 Jahren ist Manfred Sporer (CSU-Dorfgemeinschaft) Erster Bürgermeister von Großweil. Er bliebe gerne über 2020 hinaus im Amt, sollte die Gesundheit mitspielen. „Ich habe bis dato immer noch Lust und Laune sowie Spaß an der Arbeit“, erklärt Sporer kurz und bündig. „Deshalb würde ich noch einmal kandidieren.“ Der 57-jährige Polizei-Beamte ist verheiratet, hat drei Kinder und ein dreijähriges Enkelkind.

Ohlstadt

Christian Scheuerer (52) gibt sich gewohnt zurückhaltend: Er habe die Frage, ob er 2020 noch einmal kandidieren werde, für sich „noch nicht zu 100 Prozent entschieden“, sagt der parteifreie Erste Bürgermeister von Ohlstadt, der seit 2014 im Amt ist. Im Herbst will er seinen Entschluss öffentlich machen: „Das Gesamtpaket muss passen.“ Aber erkennt Scheuerer wirklich große Hinderungsgründe, die ihn von einer weiteren Kandidatur abhalten würden? „Die sehe ich momentan nicht“, räumt der Verwaltungsexperte, der verheiratet und Vater von zwei Kindern ist, auf hartnäckige Nachfrage hin ein. In jedem Fall will der hauptamtliche Gemeinde-Chef parteifrei bleiben. „Das macht Sinn, so kann man ganz anders fürs Dorf arbeiten.“

Eschenlohe

Anton Kölbl hält sich bedeckt. Er scheint in Eschenlohe fest im Sattel zu sitzen – und doch ist eine weitere Kandidatur 2020 für den ehrenamtlichen Ersten Bürgermeister „keine Selbstverständlichkeit“. Kölbl, seit 2008 im Amt, macht deutlich, dass er nicht an seinem Stuhl im Rathaus klebt. Der 60-jährige Schreinermeister verweist auf seine Familie, die drei Enkel: „Ich kann mir auch noch etwas abseits der Bürgermeisterarbeit vorstellen.“ Aber auch der Gedanke, über 2020 hinaus im Rathaus zu sitzen, scheint nicht völlig abwegig: „Ich bin keiner, der sich vor der Arbeit fürchtet“, sagt Kölbl – und formuliert vorsichtig: Wenn „alle Umstände passen“, könne er sich „vorstellen“, über eine weitere Kandidatur nachzudenken.

Schwaigen

Hubert Mangold kam 2014 zum Schwaigener Bürgermeisteramt wie die Jungfrau zum Kind. Sein Vorgänger Karl Schwarzberger war zunächst als einziger Bewerber angetreten, doch nicht einmal die Hälfte der Wähler hatte für ihn gestimmt. Dafür kürten die Schwaigener Wahlleiter Mangold zum unfreiwilligen Gegenkandidaten. Der musste sich erst einmal überlegen, ob er das Amt überhaupt will, bevor er in der Stichwahl zum neuen Rathaus-Chef gekürt wurde. 2020 könnte der Bürgermeister also zum ersten Mal wirklich kandidieren. Ob er’s tut, bleibt offen. Mangold, der in seiner ersten Periode viel angestoßen hat, verweist auf den erheblichen Zeitaufwand: „Das ist ein stressiges Amt und liegt schon an der Grenze für einen ehrenamtlichen Bürgermeister“, sagt der 54-Jährige, der verheiratet ist und zwei Kinder hat. Wöchentlich 50 Stunden arbeite er für die Kommune, dazu kommen 20 im angestammten Job bei einer Telekom-Tochter. Mangold besitzt eine 100-prozentige Rückkehr-Garantie. Bis Sommer oder Frühherbst will er über eine Kandidatur entscheiden. Eine große Rolle spielt für ihn dabei die Frage, ob sich auch das Gros des Gemeinderats erneut aufstellen lässt, mit dem „gut arbeiten ist“.

Spatzenhausen

Aloisia Gastls Einzug ins Spatzenhauser Rathaus kam unter tragischen Umständen zustande. Nach dem Tod des langjährigen Bürgermeisters Georg Wagner übernahm die Stellvertreterin den Posten zunächst kommissarisch, bevor die Hofheimerin Ende 2017 offiziell ins Amt gewählt wurde – mit dem festen Vorsatz, beim nächsten regulären Termin 2020 nicht mehr anzutreten. Heute sieht die 60-Jährige, die gerade zum ersten Mal Oma geworden ist, die Sache differenzierter. Gastl, gelernte Industriekauffrau und Gartenbäuerin, hat erkannt: „Um etwas zu erreichen, müsste man länger dabei bleiben.“ Eine Kandidatur 2020 schließt sie nicht mehr ganz aus. „Sie hängt aber von mehreren Faktoren ab.“ Gastl will die Frage auch mit dem Gemeinderat beratschlagen, um zu wissen, ob sie weiter mit Unterstützung rechnen kann.

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