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Möglicher Standort für den Shop: der leerstehende Erdgeschoss-Laden (l.) im Eckhaus an der Schlossergasse.

Kontroverse Diskussion im Murnauer Gemeinderat

Umstrittene Anschubhilfe für Startups

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Wie weit darf Wirtschaftsförderung gehen? Jan-Ulrich Bittlinger, der im Murnauer Rathaus für diesen Bereich zuständig ist, würde gerne im Untermarkt einen Laden anmieten – als Starthilfe für junge Textil-Händler. Kritiker im Gemeinderat warnen jedoch vor einer Wettbewerbsverzerrung.

Murnau – Leerstände im Zentrum sind für einen Einkaufsort wie Murnau keine schöne Visitenkarte. Wenn sie überhandnehmen, können sie zu ernsthaften Schwierigkeiten führen. Der Grund: Zugeklebte Schaufenster laden nicht gerade zum Bummeln und Shoppen ein. Das ist auch dann der Fall, wenn in einer Flaniermeile Betriebe ins Erdgeschoss einziehen, die mit Einzelhandel nichts zu tun haben – etwa Büros oder Dienstleister. In Murnau, speziell im Ober- und Untermarkt, ist dieses Problem bekannt.

Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger will gegensteuern und die Einkaufsqualität hoch halten. Der Rathaus-Mitarbeiter macht sich daher für ein außergewöhnliches Gemeinde-Projekt stark, das nicht bei allen Ortspolitikern auf Zustimmung stößt. Das Thema kam in der Sitzung des Gemeinderats zur Sprache, in der die Haushaltsberatungen im Mittelpunkt standen.

Der Markt soll, so Bittlingers Idee, einen kleinen, derzeit leerstehenden Laden am Untermarkt 34 anmieten – und als Shop nutzen, in dem Startups aus dem Innovationsquartier beziehungsweise aus dessen Umfeld ihre Produkte verkaufen können. Der Arbeitstitel: „Murnau Manufaktur“. Konkret handle es sich um vier Jungunternehmer aus dem Staffelsee-Ort, die im Textilbereich aktiv seien, berichtet der Wirtschaftsexperte, und beispielsweise Boxershorts, T-Shirts oder Souvenirs herstellten. „Das ist eine unglaubliche Chance“, sagt er. Sollte die Kommune nicht zuschlagen, ziehe voraussichtlich ein Immobilienmakler oder eine Versicherungsagentur ein. Es bestehe die Gefahr, warnt Bittlinger, dass der Untermarkt schleichend seinen Charme als Einkaufsstraße verliert. „Das muss man verhindern.“

Bittlinger versteht den Startup-Laden als eine Art Anschubhilfe. „Das ist kein Zuschussgeschäft“, stellt er klar. Die vier Neueinsteiger teilten sich die Miete, könnten vielleicht eines Tages selbst den Mietvertrag übernehmen. Oder man nutze die Fläche weiterhin als ein kleines Gründerzentrum. Natürlich, räumt er ein, trage die Kommune ein seiner Ansicht nach überschaubares Risiko, sollte das Konzept nicht funktionieren. Der Mietvertrag sei zeitlich befristet und liege bereits auf dem Tisch. Nun muss nur noch die Ortspolitik zustimmen. Mit der Angelegenheit soll sich bald der Hauptausschuss beschäftigen.

In der Sitzung des Gemeinderats wurde der Vorstoß kontrovers diskutiert. Die Reaktionen fielen durchwachsen aus. Die einen waren begeistert. Zum Beispiel sprach Veronika Jones (Grüne) von einem „hervorragenden Lösungsansatz“. Und Maria Schägger (Freie Wähler) meinte: „Das ist gelebte Wirtschaftsförderung.“ Sabine Pecher (ÖDP/Bürgerforum) erklärte zwar, dass sie mit Blick auf ungeklärte Rechtsfragen noch ein „mulmiges Gefühl“ habe. Aber: „Wir sollten den Versuch wagen.“

Doch es gab auch skeptische Stimmen. Die Idee sei ja grundsätzlich gut, meinte etwa Michael Hosp (CSU). Nur habe er die Befürchtung, dass das Ganze einen zu starken Eingriff in den Wettbewerb darstelle. Und auch Welf Probst (Freie Wähler) äußerte sich distanziert. Es sei ja prinzipiell richtig, etwas gegen Leerstände und Falschbelegungen im Ortskern zu unternehmen, erklärt der Handwerksmeister, der seinen Betrieb ebenfalls im Untermarkt hat, auf Nachfrage. Aber: „Die Gemeinde sollte nur Vermittler sein, nicht Subventionierer.“ Was dem Kommunalpolitiker gar nicht gefällt, ist Bittlingers Vorgehensweise. Der Gemeinderat sei erst diese Woche per E-Mail über das Vorhaben informiert worden. Probst fühlt sich vor vollendete Tatsachen gestellt – und fordert: „Man muss mit uns reden.“

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