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Kostenexplosion beim Murnauer Kinderhaus: Statt 7,5 kostet es nun mehr als 10 Millionen Euro - Erneute Kritik an Gebäudeform

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Von: Roland Lory

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Luftbild: der Kindergarten St. Nikolaus heute.
Luftbild: der Kindergarten St. Nikolaus heute. © Bartl

Finanzielle Hiobsbotschaft für den Markt Murnau: Die Kosten für das geplante Kinderhaus galoppieren davon. Nach aktuellem Stand wird das Gebäude 10,15 Millionen Euro verschlingen. Im Mai waren es noch 2,5 Millionen Euro weniger.

Murnau – Als es im Mai 2022 im Murnauer Bauausschuss um das geplante Kinderhaus am Längenfeldweg ging, war auch Matthias Marschner vom Büro Hirner & Riehl vor Ort. Der Architekt sprach damals mit Blick auf den Vorentwurf von einem „Zwischenstand“. Er betonte, noch nicht sagen zu können, „wo wir kostenmäßig landen – das wäre unseriös zu dem Zeitpunkt“.

Hohe Bau- und Energiepreise

Inzwischen ist klar, wo der Markt Murnau landet: nämlich bei 10,15 Millionen Euro. Im Mai war noch von 7,5 Millionen die Rede gewesen. Im Gemeinderat war man am Mittwochabend logischerweise nicht erfreut angesichts dieser Kostenexplosion. Rathaus-Geschäftsleiterin Zenzi Oppenrieder nennt die Gründe: „2019 erfolgte eine Kostenschätzung für ein siebengruppiges Kinderhaus. Die Kostenmehrung erschließt sich aus den erweiterten Flächenanforderungen (acht Gruppen) sowie den erheblich gestiegenen Bau- und Energiepreisen, entsprechend dem Bauindex des Statistischen Bundesamtes.“ Wie sollen die Mehrkosten finanziert werden? Diese Frage „wird im Rahmen der Haushaltsberatungen für 2023 geklärt“, sagt Oppenrieder. „Außerdem werden mögliche Fördermittel geprüft.“

Einmal mehr meldete sich CSU-Gemeinderat Franz Neuner bei diesem Thema zu Wort. Dass das Kinderhaus gebaut werden soll, befürwortet er. Er plädiert auch für eine Top-Ausstattung. Doch Neuner glaubt, dass „wir von Anfang an viel Geld“ hätten sparen können, wenn man auf das trapezförmige Auslaufen der Gebäudeflügel verzichtet hätte. Seiner Ansicht nach sollte man „jeden Schnickschnack“ vermeiden. Es sei „unsere Aufgabe“, sorgsam mit „des Bürgers Geld“ umzugehen. Eines der Hauptziele müsse Kostenersparnis sein. „Es ist heute leider zu spät.“ Bereits im Mai hatte der Froschhauser darauf hingewiesen, dass ein Abweichen vom rechten Winkel mit zusätzlichen Kosten verbunden sei.

Hosp: Debatte zu spät

Welf Probst von den Freien Wählern bemängelte, dass es nur einen Entwurf gegeben habe. „Da liegt der Hase im Pfeffer.“ Dass man jetzt bei zehn Millionen Euro liege, sei „Wahnsinn“. „Wir müssen schauen, dass wir von den Kosten herunterkommen.“ Für Probst steht fest: Das neue Feuerwehrhaus „muss ein Zweckbau werden, ohne Schnick und Schnack“. Michael Hosp (CSU) konnte die Diskussion nicht ganz nachvollziehen. Diese hätte seiner Meinung nach vor einem halben oder dreiviertel Jahr geführt werden müssen. Damals „wäre noch etwas zu beeinflussen gewesen“. Den Entwurf an sich findet Hosp „gut“. Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) hält ihn gar für „sehr gut gelungen“. Das, was Neuner Schnickschnack nenne, habe pädagogische Gründe. Eine inklusive und flexible Lösung habe „seinen Preis“.

Veronika Jones-Gilch (Bündnis 90/Die Grünen), Referentin für Kinderbetreuung, verweist in ihrer Stellungnahme auf die leider „angespannte Lage im Bauwesen, gekoppelt mit einer angespannten grundsätzlichen Weltlage“. Dazu komme der Druck, alle Rechtsansprüche in Sachen Kinderbetreuung abzudecken. „Und das Ganze gepaart mit einem Qualitätsanspruch, der nun endlich auch bei diesem Thema Einzug gehalten halt.“ Doch Jones ist überzeugt: „Bei der Kinderbetreuung jetzt an Qualität, die sich auch auf die Räume und Ausstattung bezieht, zu sparen, wäre ein fatales Signal und wenig zukunftsweisend.“

Letzten Endes stimmte der Marktgemeinderat fast einstimmig für die vorgestellte Planung. Der Baustart ist am Längenfeldweg für Herbst 2023 vorgesehen.

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