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In festlicher Kleidung – angeführt vom Trommlerzug der Spatzenhauser Blaskapelle – bewegen sich die Teilnehmer des Festzuges durch den Markt. 

Jubiläumsfeier mit Umzug und Ehrungen

Krieger- und Soldatenverein: Bekenntnis zu Frieden und Freiheit

Der Krieger- und Soldatenverein ist einer der ältesten Vereine Murnaus. Jetzt feierte er sein 175-jähriges Bestehen. 

Murnau – Die Napoleonischen Kriege lagen noch keine 30 Jahre zurück. Und die Frankfurter Reichsverfassung von 1849, die eine konstitutionelle Monarchie vorsah, war noch nicht geschrieben. Die Gründung des Murnauer Krieger- und Soldatenvereins 1842 durch den damaligen Bürgermeister Joseph Liebhart und sieben weiteren Bürgern fiel in eine Zeit grundlegender politischer Umwälzungen. Dies ist heuer 175 Jahre her – Grund genug für den noch immer aktiven Verein, dieses äußerst seltene Jubiläum auf stilvolle Weise zu feiern.

    Hierzu gehörte traditionsgemäß ein Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Nikolaus, zelebriert von Kaplan Markus Lidl, eine klangvolle Kirchenmusik wie die von der Blaskapelle Spatzenhausen gespielte Deutsche Messe von Franz Schubert sowie eine Totenehrung mit Kranzniederlegung vor dem Kriegerdenkmal. Dabei erinnerte der Vorsitzende Wolfgang Rogge an die Verstorbenen und Verwundeten des Zweiten Weltkriegs und an deren Angehörige. Drei Pferdegespanne und die Abordnungen von sieben befreundeten Krieger- und Soldatenvereinen sowie acht Ortsvereinen, Polizei und Bundeswehr bewegten sich darauf in einem Festzug durch die Lederergasse und den Markt zum Veranstaltungsort, dem Griesbräusaal.

    Angesichts der kritischen Weltlage ließ der CSU-Landtagsabgeordnete Harald Kühn, der auch Mitglied des Vereins ist, keinen Zweifel daran, dass die Sicherheitsorgane wie Bundeswehr und Polizei auch nach dem Berliner Mauerfall keineswegs überflüssig geworden seien: „Wir haben uns in Murnau immer klipp und klar zur Bundeswehr bekannt – egal, woher der Zeitgeist gerade geweht hat“, rief er in den Saal. Der Krieger- und Soldatenverein habe die Aufgabe übernommen, sich um seine Mitglieder und um die Hinterbliebenen zu kümmern, sagte er weiter. Ein klares Bekenntnis zu Frieden, Freiheit und sozialer Gerechtigkeit sei gefragt: „Damit sich so schlimme Ereignisse wie die beiden Weltkriege nicht mehr wiederholen, müssen wir beim einzelnen Menschen anfangen, das heißt, bei der Herzens- und Charakterbildung in Verbindung mit unseren christlichen Grundwerten.“

    Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) rief den Verein dazu auf, als Mahner für Versöhnung, Frieden und Freiheit aufzutreten: „Gerade die Älteren unter ihnen wissen, was es heißt, Krieg zu haben und im Krieg zu sein. Dort werden die Abgründe des Menschen deutlich, aber auch seine besten Seiten wie Solidarität, Menschlichkeit und Kameradschaft.“

    Rogge ging auf die Aufgaben des Vereins ein, wobei er das Gedenken an die Gefallenen am Volkstrauertag und die Betreuung der Witwen von verstorbenen Mitgliedern hervorhob. Mit der Ernennung zum Ehrenmitglied wurde Hans-Jürgen Steib, der auf 40 Jahre im Verein zurückblicken kann, eine besondere Würdigung zuteil. Für ihre langjährige Mitgliedschaft wurden Gerd Jobst (50 Jahre, goldene Ehrennadel), Wolfgang Rogge, Sebastian Kautnik und Florian Sebald (alle 40 Jahre, goldene Ehrennadel), Rainer Bachmann (25 Jahre, goldene Ehrennadel) und Florian Hibler (15 Jahre, silberne Ehrennadel) ausgezeichnet. Und auch die Erinnerungsgaben in Form einer Murnauer Marktansicht für alle beteiligten Vereine durften nicht fehlen.

Heino Herpen

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