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Fetzig: Das Orchester Kurzweil spielt in der Traditionswirtschaft Griesbräu auf.

Deutlich weniger Publikum als in den Vorjahren

Künstler-Nacht: Besucher trotzen dem Regen

Klein, aber fein: So hat sich am Mittwochabend die Murnauer Künstler-Nacht präsentiert, die trotz des schlechten Wetters etliche Besucher anlockte. Es waren aber deutlich weniger als in den Vorjahren. Die Aktivitäten fanden vorwiegend in den Lokalen und Einrichtungen statt. Organisator Christian Kolb zog eine positive Bilanz.

Murnau – Es war am Vorabend des Tags der Deutschen Einheit einiges geboten im Murnauer Ortszentrum. Neben Livemusik gab es Kunstinstallationen, eine Musikerzählung und interaktive Projekte. Besondere Beachtung fand die Kunstaktion „The citizen is present“ („Der Bürger ist anwesend“). Dabei war im Obermarkt ein roter Teppich ausgebreitet, worauf zwei Stühle einander gegenüber platziert waren. Auf einem saß Aktionskünstler Adrian Wagner aus Freiburg. Er ging mit den Passanten, die sich freiwillig auf dem leeren Stuhl niederließen, einen wortlosen Blickkontakt ein. Dieser konnte bis zu dreißig Minuten andauern. „Es geht darum, Achtsamkeit im Alltag zu integrieren. Meist läuft man in der Fußgängerzone schnell aneinander vorbei. Dies ist eine Möglichkeit, um inne zu halten“, erklärte Wagner seine Intention.

Die Besucher schauten dem interessiert zu, flanierten bei anfangs mildem Herbstwetter durch die Fußgängerzone, kehrten in den Gaststätten ein und betrachteten die teils kunstvoll gestalteten Auslagen der Geschäfte. Die gute Stimmung wurde dann aber von starken Regenfällen unterbrochen – und es kühlte empfindlich ab. Ausgestattet mit Schutzkleidung und Schirmen trotzten die Gäste dem schlechten Wetter. Die Straßenmusik wurde nach drinnen verlegt, das öffentliche Entzünden flammbarer Kunstwerke vor dem Kultur- und Tagungszentrum fiel sprichwörtlich ins Wasser. Dafür verlagerte sich das Publikum dorthin, wo es ein Dach über dem Kopf gab. Gut besucht war etwa das Griesbräu. Hier spielte das fünfköpfige Orchester Kurzweil aus dem Pfaffenwinkel eine Mischung aus Balkan-Klängen, Rock’n’Roll, Bluegrass und Italo-Folk.

Ganz andächtig ging es hingegen in den beiden Kirchen zu: Eine Musikerzählung in vier Akten wurde in der evangelischen Kirche präsentiert. Erzähler Dieter Kirsch las den Text zu „Noomi und Rut“, während Danuta Weißbach (Cello), Frank Geipel (Didgeridoo) und Klaus Vogt (Hang) die Geschichte musikalisch begleiteten. Dafür wurde St. Nikolaus von einem Labyrinth aus Kerzen erleuchtet. Informativ zeigte sich ein Vortrag im Foyer des Rathauses, wo Dieter Wieland vom Förderkreis Murnauer Parklandschaft über den berühmten Architekten Emanuel von Seidl referierte. So war für jeden Geschmack etwas dabei.

Organisator Christian Kolb, der im Untermarkt eine Fotogalerie betreibt und die Künstler-Nacht zusammen mit Wirten sowie anderen Geschäfts- und Privatleuten auf die Beine gestellt hatte, war von der Resonanz begeistert: „Es ist überall was los – und über 40 Teilnehmer sorgen für ein buntes Programm. Ich sehe das als überwältigendes Zeichen“, meinte er. Diese Euphorie teilt nicht jeder. Denn das Konzept ist bewusst angelehnt an die Murnauer Kunstnacht, die jahrelang von der Agentur Holiday Event am 2. Oktober organisiert worden war. Heuer sollte das Ganze aufgrund des plötzlichen Todes von Veranstalter Rupert Reggel pausieren. Die langjährige Mitorganisatorin Iris Mühle plant, die Großveranstaltung 2020 wieder aufzunehmen (wir berichteten). Dass das Prinzip der Kunstnacht nun in ähnlicher Form von Kolb aufgegriffen wurde, ist Mühle ein Dorn im Auge. Den Fotografen lässt das kalt: „Ich sehe keine Grundlage für irgendwelche Vorwürfe.“

Constanze Wilz

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