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Stimmungs-Granaten: die aktuelle Besetzung mit (v.l.) Hubert Schmid, Christian Hollerer, Florian Strobel, Wolfgang Lifka, Tina Zwickel und Maciej Pohalski.

Kultband des Murnauer Volksfestes

Mythos Manyana

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Sie spielen Mainstream aus Überzeugung – und sind vielleicht deshalb so erfolgreich. Zum 33. Mal treten die Musiker der Cover-Band Manyana aus München am Montag in Murnau auf. Warum noch heute die jungen Leute zu ihrer Musik auf die Tische steigen, wissen sie selbst nicht. Ein Erklärungsversuch.

Murnau– Unnützes Wissen, mit dem man beim Murnauer Volksfest glänzen kann, Folge eins: Das durchschnittliche Manyana-Mitglied trinkt pro Auftritt etwa drei bis vier Liter Flüssigkeit. Allerdings kaum Alkohol. Ausgeschenkt wird Wasser. Nur eine Radler-Mass gönnt sich Wolfgang Lifka pro Party-Abend. Man muss klaren Kopf bewahren, um nicht in der Textzeile zu verrutschen. Ganz wichtig, betont der Sänger der Münchner Band. Nur früher waren sie leichtsinniger, tranken mehr Bier und kaum Wasser.

Mit den Madeln ist die Sache komplizierter. Da lässt sich nicht so einfach abschätzen, wie viele an einem Abend hergehen. Obendrein gesagt: Das ist auch eine verdammt unverschämte Frage, wenn die Ehefrau mit am Tisch sitzt. Zu dem Thema schweigt Lifka lieber. Ein Gentleman macht das so, versichert er. Und außerdem: „Wir sind doch nicht die Rolling Stones.“ Da muss er lachen. Gut, damals habe er immer die eine oder andere nette junge Dame bei Auftritten getroffen. So viel verrät er. Aber heute ist das kein Thema mehr. Aus dem Alter „bin ich raus“. Das sagt Lifka mit 58.

Bei den Stones kennt man auch den Sänger – bei Manyana nicht

Fürs Bierzelt ist er noch nicht zu alt. Am Montag, 11. Juli, kommt Lifka zum 33. Mal mit seiner Cover-Band nach Murnau. Nirgendwo spielen die Manyana länger. Heute stehen die Kinder auf den Tischen, auf denen früher schon ihre Eltern tanzten. Warum das so ist, „kann ich wirklich nicht sagen“, betont der Sänger, Keyboarder und Schlagzeuger. Nur aufgefallen ist ihm auch, dass sich die Veranstaltung über Generationen weitergetragen hat. Vielleicht ist die Erklärung ganz einfach: Lifka und seine Kollegen müssen verdammt gut gewesen sein. Schnell sprach sich im Oberland herum, was für grandiose Partyabende die Münchner zaubern. In Murnau und in Penzberg – zwei ihrer Lieblingsplatzerl. Heute geht man hin, weil alle hingehen. Am Manyana-Montag, der legendär geworden ist.

Wer genau das Mikro hielt, war nie wichtig. „Am Tag danach weiß keiner mehr, ob die Sängerin blonde oder braune Haare hatte“, sagt Lifka. Dieses Schicksal teilen die vielen, vielen Cover-Gruppen. Mick Jagger und den Stones passiert das nicht. Aber gut, den Namen Lifka muss man sich auch erst einmal einprägen.

Letztens erst kam ein junges Mädchen zu ihm an die Bühne. Die Mama hatte sie geschickt, erkundigte sich nach dem Namen und wollte wissen, ob da denn immer noch die gleichen wir vor 30 Jahren rocken. Er entgegnete: „Ja.“ Das Trio um Peter Prandl, Hubert Schmid und Lifka hat sich gehalten. Auch wenn Gründer Prandl vor 15 Jahren hinter die Bühne gewechselt ist und nun am Mischpult steht.

Aktuelle Bierzelt-Tour mit neu-eingebauter Sängerin 

Die Band rühmt sich damit, nie große Wechsel gehabt, gleichzeitig aber auch einen Generationenwechsel eingeleitet zu haben. Lifka stimmt das zuversichtlich, dass die Gruppe auch in 10 oder 15 Jahren noch im Murnauer Festzelt auftritt. Er bezweifelt nur, dann selbst noch auf der Bühne zu stehen. Für die aktuelle (Bierzelt-)Tour haben die Manyana eine neue Sängerin eingebaut: die 23-jährige Tina Zwickel, die problemlos Lifkas Tochter sein könnte. Der Rest der Siebener-Kombo rockt seit Jahren mit. Früher in den 1980ern, als man zum Tanzen noch in die Tanzlokale ging, spielten die Manyana nicht nur in Bierzelten. Heute schon. Die Gruppe arbeitet mit mehreren Festzeltbetreibern zusammen – darunter mit Christian Fahrenschon, der die Murnauer Festwoche veranstaltet. Sein Onkel Walter lud die Manyana 1985 in die Marktgemeinde. Man kannte sich aus Rosenheim. Die Band-Mitglieder sagten sich: „Probieren wir’s mal.“

Seitdem lieben sie Murnau, weil der Funke so leicht überspringt. Lifka hält es für eines der größten Missverständnisse in diesem Geschäft, dass einzig die Band für die Stimmung sorgt. Er sagt, als Musiker lege man nur die Lunte und zünde sie an. Ob die Menge explodiert, sei eine andere Sache. Die Leute müssen Lust zum Feiern haben, betont er. „Wenn sie nicht wissen, warum sie überhaupt da sind, wird das nichts.“ Natürlich lässt sich am Stimmungsregler drehen. Einige Dinge – kleiner Tipp an Nachwuchs-Bands – sollte man unbedingt vermeiden. Zu Exotische oder ruhige Stücke will keiner hören. Lifka hört gerne Rainhard Fendrich, Udo Lindenberg oder Deep Purple. Aber damit lasse sich kein toller Party-Abend füllen. Mainstream braucht es, Helene Fischer, Sierra Madre, Fürstenfeld – das Lied, das seit 1985 und damit am längsten in Murnau gegrölt wird. „Wir spielen den Mainstream aus Überzeugung.“ Etwa 90 Prozent füllen die Manyana mit Stücken aus dem Stamm-Repertoire. Ansonsten laufen aktuelle Hits, die sie zwar gerne spielen, aber nicht immer für Stimmung sorgen. „Da wird sich teilweise zu Tode gerappt.“ Deshalb kürzt die Band diese Chart-Stürmer oft. Damit verbringen sie den Winter. Denn im Sommer, in der Hauptsaison, proben die sieben Musiker kaum.

Dennoch bleibt Zeit für Urlaub. Vorige Woche fuhr Lifka mit seiner Frau nach Wien. Seine zweite Heimat neben München. Auch in Madrid war er dieses Jahr schon. Mit einem Spezl. Der war ganz erstaunt, dass die Spanier in jedem dritten Satz das Wörtchen „Manyana“ verwenden. „Die kennen euch ja echt überall“, habe der Freund gesagt. Lifka klärte ihn auf, dass „mañana“, das Lieblingswort der Spanier sei. Es bedeutet so viel wie „morgen“ – oder auch „Schau ma moi“. Peter Prandl gefiel das Wörtchen so gut, dass er vor 40 Jahren seine Band danach benannte – unnützes Wissen, Folge zwei.

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