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Kein schöner Anblick: der Teich im Murnauer Kulturpark mit toten Fischen.

Genaue Ursache noch unklar

Kulturpark Murnau: Fische sterben in Gemeinde-Teich

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Im Teich des Murnauer Kulturparks sind jede Menge Fische verendet. Die Ursache ist noch unklar. Tierschützer prangern die Wasserqualität an. Die Gemeinde sei untätig geblieben.

Murnau– Trübes Wasser mit Blasen am Rand, verrottende Pflanzenreste, dazu jede Menge Fische, offenbar qualvoll verendet: Einer Murnauerin (Name der Redaktion bekannt) bot sich ein elendes Bild, als sie am Ostermontag am Teich im Kulturpark vorbeikam. „Da lagen 30 bis 40 tote Fische, mindestens“, sagt das Mitglied des Tierschutzvereins des Landkreises. Am Dienstag verständigte die Frau die Marktgemeinde, deren Bauamt für den Teich zuständig ist. Mitarbeiter aktivierten die Pumpe, die sich noch in der Winter-Pause befunden hatte, ebenso den Springbrunnen und den künstlichen Teichzulauf. Zudem holte Personal die toten Tiere aus demWeiher. Doch das Wasser blieb brackig, und es fanden sich in den folgenden Tagen weitere verendete Fische: „Der Zustand hat sich nicht merklich gebessert“, sagt die Einheimische. Insgesamt habe sie sich viermal innerhalb einer Woche bei der Verwaltung gemeldet und gebeten, mehr zu unternehmen. Im Nachhinein ärgert sie sich: „Man hätte die Fische gleich herausholen sollen“ – und damit retten. In ihren Augen kümmerte sich zu lange niemand nachhaltig um das Problem. Nach dem Motto: „Sind halt nur Fische.“

Bewegung kam in die Sache, als sich Tessy Lödermann einschaltete, an den richtigen Hebeln zog und die Sache publik machte: Die Gemeinde zog nach einer Tagblatt-Anfrage vom Montag am Dienstag eine Wasserprobe, zudem ließ die Feuerwehr Murnau Frischwasser in den Teich. Lödermann, Vorsitzende des Tierschutzvereins des Landkreises und bekannt als nimmermüde Kämpferin, informierte auch das Veterinäramt. Dieses wird das Geschehen verfolgen und „notfalls vor Ort nachschauen“, betont Stephan Scharf, Sprecher des Landratsamts, an das die Veterinär-Behörde angegliedert ist. „Unsere Empfehlung lautet: viel frisches Wasser, die toten Fische aus dem Teich holen und das verrottende Material entfernen.“ Gleiches rät Lödermann. Sollte sich die Wasserqualität nicht verbessern, müsse man überlegen, „ob man überlebende Fische nicht erst einmal entnimmt“, sagt Scharf.

Die Kreisbehörde sah sich ihm zufolge mit Schwierigkeiten konfrontiert, als es darum ging, die Zuständigkeiten in Murnau zu klären. „Es hat sich keiner so richtig verantwortlich gefühlt.“ Der etwa 15 Jahre alte Teich wurde als Biotop angelegt. Seit rund 10 Jahren schwämmen darin Fische, die „niemand aus der Gemeinde“ eingesetzt habe, sagt Scharf. Das bestätigt Jan-Ulrich Bittlinger, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Marktes Murnau: „Der Teich ist ausdrücklich kein Fischteich. Die Goldfische wurden vor einigen Jahren dort ausgesetzt und haben sich seither vermehrt.“ Das Veterinäramt habe Kontakt aufgenommen und empfohlen, Tiere zu untersuchen: „Wir wissen derzeit nicht genau, welche Ursache das Fischsterben hat“, sagt Bittlinger. Bei der Wasserprobe sei „einzig der CSB-Wert“ (Chemischer Sauerstoffbedarf, Anm.d.Red.) leicht erhöht gewesen. Dieser steige, „je mehr Fäkalien im Wasser sind, die Sauerstoff binden. Dies kann ein Zeichen einer Fischüberpopulation sein oder einer Verunreinigung durch andere Fäkalien“. Bittlinger stellt klar: Bevor die Untersuchungen nicht abgeschlossen sind, wolle der Markt „keine Spekulation über die Gründe des Fischsterbens anstellen“. Die Gemeinde werde aber unabhängig von der Ursache gerne angebrachte Vorschläge realisieren. Dazu zählt, Eisfreihalter im Herbst anzubringen, die Wasserqualität mehrmals im Jahr zu überprüfen sowie nach der Frostperiode früher Frischwasser zuzuführen.

Lödermann sieht es als dringend geboten an, „jemanden zu bestimmen, der die Zuständigkeit für den Teich hat und diesen regelmäßig kontrolliert“. Sie verweist darauf, dass die Gemeinde Verantwortung für Tiere trage und betont: „Ein intakter Teich ist um diese Jahreszeit glasklar.“ Lödermann erhielt zudem Hinweise, dass das Schilf am Wasser gemäht worden sei. Das würde auch die Reste im Weiher erklären. Bittlinger bestätigt die Arbeiten, die am gefrorenen Teich stattfanden. Das Schnittgut wird jeweils abgekehrt und kompostiert. „Wir gehen nicht davon aus, dass vereinzeltes Schilfmaterial für das Fischsterben verantwortlich ist“, sagt er.

Rathaus-Chef Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) zeigt sich aufmerksamen Bürgern und dem Tierschutzverein gegenüber dankbar. Man greife die Empfehlungen gerne auf. „Der Teich war zwar nie als Fischteich geplant und ist für Fische vermutlich auch nicht der ideale Lebensraum“, sagt Beuting. „Aber wir werden als Gemeinde das Notwendige unternehmen, damit dennoch tierwürdige Lebensbedingungen unter den vorhandenen Gegebenheiten möglich sind.“

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