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Stehen an der Spitze des Kulturvereins: der Erste Vorsitzende Konstantin Zeitler (l.) und der Künstlerische Leiter Thomas Köthe. 

Gemeinderat streicht Zuschüsse

Kulturverein: Streit eskaliert

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Im Konflikt mit dem Kulturverein greift der Markt Murnau zu drastischen Mitteln: Er streicht sämtliche Zuschüsse für das nächste Jahr. Dies beschloss der Gemeinderat. Es ist unklar, ob dann noch Großveranstaltungen wie das Weltmusikfestival Grenzenlos stattfinden werden.

Murnau – Die Marktgemeinde Murnau ist sehr großzügig, was die Unterstützung von Vereinen anbelangt. Über 260 000 Euro sollen nächstes Jahr ausgeschüttet werden. Einer der größten Nutznießer war bislang der Kulturverein, der mit dem Geld seine Veranstaltungen wie die Jazzkonzerte oder das Weltmusikfestival Grenzenlos finanzierte und dabei international bekannte Top-Künstler an den Staffelsee holte. In den vergangenen zehn Jahren, rechnete Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) in der Sitzung des Gemeinderats vor, machten die Finanzspritzen insgesamt zirka eine halbe Million Euro aus.

Für 2019 hatte der Kulturverein rund 46 000 Euro beantragt. Doch er geht diesmal leer aus. Die Ortspolitiker entschieden sich mit einer breiten 17:4-Mehrheit gegen die üppige Zahlung. „Der Markt Murnau wäre sehr gerne bereit gewesen, den Verein weiter zu fördern, denn die Qualität der Veranstaltungen stimmte. Leider wurden die Brücken, die von Seiten der Gemeinde gebaut wurden, vom Verein nicht angenommen“, erklärt Beuting in einer Pressemitteilung. Stattdessen werden nun ganz allgemein 43 000 Euro für hochwertige Kulturveranstaltung in den Haushalt eingestellt. Wer davon profitieren wird, steht noch nicht fest.

Das Ganze ist der vorläufige Höhepunkt einer Auseinandersetzung, die sich zuletzt zuspitzte. Der Kulturverein weigert sich, die SPD-Gemeinderätin und Kulturreferentin Dr. Elisabeth Tworek als Mitglied aufzunehmen – nach Ansicht der Verwaltung und der Mehrheit des Gemeinderats ein klarer Verstoß gegen die Förderrichtlinien des Marktes. Denn danach muss eine Organisation, die in den Genuss von öffentlichen Mitteln kommen will, für alle Murnauer offen sein. Da dies der Kulturverein anscheinend nicht ist, fließt auch kein Geld.

Bemerkenswert: Nach Angaben der Rathaus-Verwaltung hatte der Verein Anfang des Jahres die Bereitschaft signalisiert, auch politische Mandatsträger als Mitglieder zuzulassen. Doch kürzlich habe dieser mitgeteilt, dass Tworek nicht erwünscht sei. „Dieses Verhalten zerstört Vertrauen“, meinte Beuting in der Sitzung.

Es gibt noch einen Aspekt, der das Verhältnis der Volksvertreter zum Kulturverein schwer belastet. Dem Zweiten Vorsitzenden und Künstlerischen Leiter Thomas Köthe, der zugleich Chef der Musikschule ist, wird vorgeworfen, in anonymen Kommentaren auf Merkur.de, dem Online-Portal des Münchner Merkur, den Gemeinderat und die Verwaltung angefeindet zu haben. „Er hat uns angegriffen, beschimpft und an den Pranger gestellt“, sagte Michael Manlik (ÖDP/Bürgerforum). Ihn störe, so Manlik weiter, dass die Angriffe „aus dem Hinterhalt“ unter einem Pseudonym erfolgt seien. Dafür sei eine Entschuldigung fällig – eine Aufforderung, der Köthe offenbar bislang nicht nachkam.

Doch es wurden in dem Gremium auch Stimmen laut, die zur Deeskalation rieten. „Mir widerstrebt es, diese wertvolle Arbeit aufs Spiel zu setzen“, sagte etwa Josef Bierling (CSU). Seine Fraktionskollegin Regina Samm regte an, das Budget für den Kulturverein außerhalb der Vereinsförderung zu schnüren. „Das geht für mich eher in Richtung Tourismus“, meinte sie.

Ob die renommierten Konzertreihen nächstes Jahr auch ohne Unterstützung der Kommune zustande kommen, das vermochte der Erste Vorsitzende Konstantin Zeitler am Freitag nicht sagen: „Mal sehen.“ Der Verein werde sich jetzt erstmal treffen. Dass man Tworek einen Korb gab, verteidigt er. Die Gemeinde habe deren Mitgliedsantrag mit der Förderzusage verknüpft und Druck aufgebaut. „Wir lassen uns nicht erpressen“, sagt Zeitler. Köthe war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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