+
Fachsimpeln in Hochried: Archäologe Johannes Sieveking (l.), der eine Terrakotte in den Händen hält, und James Loeb um 1925.

Neue Ausstellungssequenz im Schlossmuseum Murnau

Dauerhaftes Denkmal für Mäzen James Loeb

  • schließen

Der Mäzen hat Murnau reich beschenkt: James Loeb finanzierte unter anderem das Gemeindekrankenhaus. Heute gilt er als eine der großen Persönlichkeiten des Orts. Im Schloßmuseum gab Loeb bisher nur eine Stippvisite. Nun erhält er eine Dauer-Würdigung.

Murnau – James Loeb (1867 bis 1933) war ein bescheidener Mensch. Notleidende unterstützte der amerikanisch-jüdische Bankier mit deutschen Wurzeln ohne großes Aufhebens. Auch Murnau bedachte er mit seiner Großzügigkeit. Loeb, der von 1912 bis zu seinem Tod in seiner Villa in Hochried lebte – heute wird dort die gleichnamige Klinik betrieben –, finanzierte neben vielen kleineren Projekten unter anderem das komplette Gemeindekrankenhaus. Nun bekommt der zurückhaltende Antikenkenner und -sammler, der, wie es heißt, die Künste mehr liebte als Finanzgeschäfte, ein bleibendes Denkmal im Schloßmuseum. Loeb, dem lediglich im Jahr 2000 einmal eine Sonderausstellung gewidmet worden war, erhält seinen festen Platz in der Dauerpräsentation: zunächst im kleinen Rahmen in der Abteilung Ortsgeschichte (erstes Obergeschoss), ab 2020, wenn nach über 25 Jahren eine Modernisierung des Bereichs ansteht, in einem eigenen Raum.

Für Dr. Hermann Mayer erfüllt sich damit „absolut ein großer Wunsch“. Der Vorsitzende der Murnauer James Loeb Gesellschaft, die es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht hat, das Gedenken an den Menschenfreund zu fördern, spricht von einer „ganz tollen Geschichte“. Loeb sei seit 2000 etwas in Vergessenheit geraten, sagt Mayer, der auf diesem Feld über beste Kontakte verfügt. „Nun kehrt er nach Murnau zurück.“ Bei Museums-Chefin Dr. Sandra Uhrig rannte Mayer mit seiner Loeb-Mission offene Türen ein. „Für uns ist das eine wunderbare Ergänzung und erweitert die Ausstellungspalette: Wir können bis in die klassische Antike zurückblicken“, sagt Uhrig – und eine Lücke schließen. Zudem sei das Thema nicht oktroyiert; immerhin lebte und wirkte Loeb in Murnau, das er maßgeblich prägte.

Ab 1901 trug er antike Kleinkunst zusammen, und zwar „mit Sachverstand“, wie Uhrig hervorhebt. Es handelt sich um viele hundert Objekte, einige von unschätzbarem Wert, die er zum großen Teil der Antikensammlung München stiftete: vom berühmten Poseidon Loeb über etruskische Dreifüße, Schmuck der Spätklassik und des Hellenismus bis hin zu Vasen, Bronzen und über 400 Terrakotten, Tonfiguren mit menschlichen und tierischen Abbildern. Bis 2020 stellt die Antikensammlung jeweils mehrere jährlich wechselnde Objekte zur Verfügung, die in einer Originalvitrine aus Loebs Villa präsentiert werden. Das Schloßmuseum wartet zudem mit Informationen zu den Exponaten und zu Loeb auf. Danach soll alles eine Nummer größer werden: Für den eigenen Loeb-Raum hätte Uhrig „am liebsten viele Exponate“. Mayer würde dem Haus im Namen der Gesellschaft auch Bände der Loeb Classical Library zur Verfügung stellen, die der Altphilologe und Kunsthistoriker einst eingerichtet hat und die heute rund 550 der wichtigsten Publikationen aus griechischer und römischer Antike in englischer Übersetzung beinhaltet. Dazu könnten Original-Holzeinbauten der Bibliothek in Hochried und Musikalien kommen. Loeb war ein sehr guter Violoncellist und Pianist. 50 Jahre lang galt seine Musikaliensammlung als verschollen, nachdem seine Bibliothek in Murnau aufgelöst worden war. In der Neuen Stadtbücherei Augsburg tauchte ein bedeutender Teil davon wieder auf. Einmal im Jahr, so Uhrig, sei auf Basis der Notenblätter eine musikalische Veranstaltung geplant.

Loebs Original-Bände seiner Classical Library, die bis 2015 im Kloster Benediktbeuern standen, verwahrt heute die Diözesanbibliothek Augsburg. Mayer aber hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, diese irgendwann nach Murnau zurückzuholen. Sie wären ein weiterer großer Mosaikstein fürs Loeb-Denkmal.

Eröffnung

Die neue Ausstellungssequenz im Schloßmuseum, präsentiert in Zusammenarbeit mit Dr. Florian Knauß (Direktor der Staatlichen Antikensammlungen und Glyptothek in München) sowie der James Loeb Gesellschaft, wird am morgigen Mittwoch um 18 Uhr eröffnet (Veranstaltungssaal). Sie ist ab Donnerstag, 27. April, zu sehen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Kurze Zustiege für alpine Touren: Baudrexl veröffentlicht Kletterführer
65 Mehrseillängentouren in fünf Gebieten - mit maximal 30 Minuten Zustieg. Keine Frage: Matthias Baudrexl (27) aus Garmisch-Partenkirchen hat einen besonderen …
Kurze Zustiege für alpine Touren: Baudrexl veröffentlicht Kletterführer
Fall Zitzmann und das Bürgerbegehren: Räte müssen noch einmal abstimmen
Zurück auf Anfang. Wegen eines Formfehlers befasst sich der Gemeinderat erneut mit Spielwaren Zitzmann. Vielleicht ist das Bürgerbegehren zu dessen Erhalt am …
Fall Zitzmann und das Bürgerbegehren: Räte müssen noch einmal abstimmen
„Holländer“-Schiff kommt unter den Hammer
Es stand auf der Bühne, dann fuhr es durch den Ort, jetzt steht dem Schiff aus dem „Holländer“ ein neues Schicksal bevor: Es soll versteigert werden. 
„Holländer“-Schiff kommt unter den Hammer
„Bayerische Buam“ brechen zum Abenteuer ihres Lebens auf
Wochenlang mit einem alten Karren durch Russland, die Ukraine bis nach Tadschikistan fahren? Was sich für die einen wie Horror anhört, ist für Michael Hejda und Daniel …
„Bayerische Buam“ brechen zum Abenteuer ihres Lebens auf

Kommentare