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Schwierige Zeiten: Georg Kern a m Schreibtisch des Autohaus-Stammsitzes Murnau-Hechendorf. Drei weitere Standorte sind bereits Geschichte.

Murnauer Traditions-Unternehmen schließt

Autohaus Kern: Das Ende einer Institution

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Das traditionsreiche Murnau-Hechendorfer Autohaus Kern steht vor dem Aus: Spätestens Ende Juni wird der Stammsitz an der Olympiastraße nach über 80 Jahren schließen. Acht Mitarbeiter verlieren ihren Job. Die Tankstelle, eine eigenständige Firma, bleibt erhalten.

Murnau– Er redet nicht lange um den heißen Brei herum: „Wirtschaftliche Notwendigkeiten lassen uns keine andere Wahl“, sagt Georg Kern. Es führt schlicht kein Weg daran vorbei, dass das Murnau-Hechendorfer Autohaus Kern an der Olympiastraße bald Geschichte sein wird.

Georg Kern und seine beiden Schwestern zeichnen derzeit jeweils als alleinvertretungsberechtigte Geschäftsführer. Sie sind die dritte Generation im Betrieb. Ihr Vater Albert Kern, in Murnau eine unternehmerische Institution und ein politisches Urgestein der Freien Wähler, liegt mit zwei kurzen Unterbrechungen seit etwa einem halben Jahr schwerstkrank in einer Klinik. Die Gesundheit von Kern senior, der heute 85 Jahre alt wird, lässt eine Rückkehr an den Schreibtisch nie mehr zu.

Die Firma, einst ein florierender Betrieb mit vier Standorten, verschwindet Stück für Stück von der Bildfläche. Nach den Filialen in München (2001) und Weilheim (vor rund fünf Jahren) schloss im vergangenen Dezember das Autohaus mit Werkstatt für Lkw und Pkw in Geretsried. Spätestens Ende Juni wird zu schlechter Letzt der Stammsitz in Murnau folgen. Acht Mitarbeiter haben bereits ihre Kündigung bekommen. Die eigenständig geführte Tankstelle MP-21 bleibt erhalten: „Sie läuft sehr gut und wird weiterhin Bestand haben“, sagt Georg Kern. Von den sechs Firmen in der Gruppe werden seinen Worten nach derzeit drei abgewickelt, um den verbleibenden drei das Überleben zu sichern. Was aus dem Murnauer Firmenanwesen werde, sei „völlig offen“.

Das Unternehmen Autohaus Kern galt einst als regionale Macht der Branche, die gegen Ende der 1980er Jahre ihre volle Blüte erreichte. „Damals waren wir der größte BMW-Händler Deutschlands in Einzelbesitz“, sagt Kern. Rund 200 Mitarbeiter arbeiteten für die Firma mit ihren vier Standorten, die 1000 neue BMW und an die 400 gebrauchte im Jahr verkauften. Doch das Blatt wendete sich schlagartig, als Kern 2001 und 2003 in zwei Etappen die BMW-Händlerverträge für seine Autohäuser verlor. Man habe „nicht mehr ins Bild von BMW gepasst“, sagt Georg Kern. Es war der Anfang vom Ende: „Seitdem ist es bergab gegangen.“ Zuletzt hielt das Unternehmen in Murnau noch die Sparte Nutzfahrzeughandel am Leben, die Kern seit den 1950er Jahren besetzte. Zudem werden Lkw sowie Pkw repariert.

Die Anfänge des Betriebs reichen bis 1930 zurück. In Hechendorf fing Georg Kerns gleichnamiger Großvater mit einer Radwerkstatt in einem Schuppen an, bevor er 1936 wegen der Olympischen Spiele in Garmisch-Partenkirchen die Genehmigung für eine Tankstelle an der heutigen Bundesstraße erhielt. Das Unternehmen wuchs von da an stetig. Nach dem Zweiten Weltkrieg zählte man rund 200 Beschäftigte in Hechendorf. Die Firma sei damals eine Art „eierlegende Wollmilchsau“ gewesen, so Kern. Zu dieser gehörten neben Werkstatt und Handel unter anderem eine Schreinerei, eine Dreherei, Motorinstandsetzung und eine Elektrikersparte. Schließlich gründeten Seniorchef Georg beziehungsweise sein Sohn Albert Kern weitere Autohaus-Standorte in München, Geretsried und Weilheim.

Nun verschwindet die letzte dieser Niederlassungen – eine Frage der wirtschaftlichen Vernunft. Doch es gibt auch die andere Seite, die emotionale: Er sei mit dem Unternehmen aufgewachsen, sagt Georg Kern. „Das tut einem selbst schon im Herzen weh.“

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