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Horváth-Kenner: Dr. Friedrich Wambsganz (l.) mit Teilnehmern auf den Spuren des Ausnahme-Schriftstellers, hier am König-Ludwig-Denkmal.  

Literarische Wanderung durch Murnau

Auf den Spuren Horváths

Diese Tour war nicht nur für Horváth-Fans spannend:  Der Germanist Dr. Friedrich Wambsganz stellte in Murnau zwölf Stationen vor, die an den Schriftsteller erinnern.

Murnau – Wenn sich Dr. Friedrich Wambsganz etwas wünschen dürfte, wäre dies ein beschilderter literarischer Horváth-Rundweg. „Horváth war ein Literat, der Widerstand leistete und sich für Demokratie, Pluralität und auch Humor einsetzte. Ein solcher Rundweg wäre ein wichtiges Merkmal für ein neues Murnau“, findet der Germanist. Und das hätte seiner Meinung nach eine noch höhere Relevanz, als den Platz vor dem Kultur- und Tagungszentrum auf den Namen des Schriftstellers zu taufen.

    Geplant ist die neue Namensgebung für 2018 – nach dem Umzug der Tourismuszentrale in das Rathaus. In der näheren Umgebung des Kultur- und Tagungszentrums befinden sich eine Reihe an Schauplätzen, die an den Schriftsteller erinnern, der von 1924 bis 1933 vorwiegend in Murnau in seinem Elternhaus gelebt hat. Seit 22 Jahren begibt sich Wambsganz zweimal im Jahr mit einer Gruppe auf die literarischen und biografischen Spuren von Ödön von Horváth, einer der schillerndsten Persönlichkeiten Murnaus. An insgesamt zwölf lokalen Stationen stellt Wambsganz in seiner öffentlichen Führung anhand kurzer Auszüge aus den Werken das Schaffen des Dramen- und Volksstückdichters vor. Dabei lässt der Lehrbeauftragte an der Ludwig-Maximilian-Universität München auch die Erfahrungen des Dichters in Murnau sowie seine Probleme während der sich entwickelnden nationalsozialistischen Herrschaft miteinfließen.

    Ausgerüstet mit einem Fundus an Wissen und einem Ordner ausgedruckter Zeitzeugnisse empfing Wambsganz die literaturinteressierten Gäste am ursprünglichen Wohnsitz der Familie Horváth, dem heutigen Horváth-Haus in der Bahnhofstraße 17 bis 19. Betroffenheit machte sich unter den Teilnehmern breit über den Abriss der 1924 erbauten Horváth-Villa unter dem damaligen Bürgermeister Wilhelm Simet Anfang der 70er Jahre. In Richtung Kultur- und Tagungszentrum ging es vorbei am ehemaligen Hotel Fröhler, das als Vorlage zum Theaterstück „Zur Schönen Aussicht“ von 1927 diente. Fragen zur vom Markt Murnau abgelehnten Einbürgerung Horváths wurden gestellt. Wambsganz machte deutlich, dass die Qualität des Schriftstellers damals noch nicht erwiesen war und daher sein Verdienst, als Voraussetzung für eine Einbürgerung, ausblieb: „Man sah noch nicht, dass er für ein besseres Deutschland schrieb.“

    Auf dem Weg wird deutlich, wie sich Horváths eigene Themen sowie seine gesellschaftlichen Beobachtungen in seinen Werke wiederfinden. Auswärtige Gäste hatten sich teilweise schon im Schloßmuseum über die Geschichte des Schriftstellers informiert. Andere brachten biografische Vorkenntnisse mit, so dass ein reges Frage-Antwort-Spiel die zweistündige Literaturwanderung begleitete. Albert Loichinger aus Murnau wollte vor allem einmal sehen, wo all die Häuser stehen. Alles in allem eine interessante Spurensuche, auf die ein beschilderter Rundweg den ein oder anderen sicher einladen würde, sich auf eigene Faust zu begeben.

Birgit Schwarzenberger

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