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Vollgelaufen: die Kraftwerk-Baustelle in der Loisach am 31. August.

Pilotanlage in Großweil: Einstieg in eine kritische Phase

Loisach-Schachtkraftwerk: Baustelle geht‘s zweimal nass rein

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Die Umsetzung des bahnbrechenden Schachtkraftwerks, das derzeit in der Loisach bei Großweil entsteht und umweltfreundlichen Strom liefern soll, wird sich bis ins nächste Jahr ziehen. Die Arbeiten liegen drei Wochen hinter dem Zeitplan. Allein zweimal lief nach hohen Niederschlägen die Baugrube mit Wasser voll.

Großweil– Günther Rösch hat den Akt längst fest in seinen Tagesablauf integriert – er ist ihm in Fleisch und Blut übergegangen. „Das ist schon zur Gewohnheit geworden und gehört dazu“, sagt der Technische Leiter der Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen. „Um 7 Uhr im Büro schaue ich nach.“Rösch, einer der beiden Geschäftsführer der Wasserkraftwerk Großweil GmbH, wirft dann einen Blick auf die aktuellen Wetter-Prognosen auf einschlägigen Internetseiten und führt sich Langzeit-Vorhersagen zu Gemüte. Großweils Bürgermeister Manfred Sporer, ebenfalls Geschäftsführer der GmbH, schaut morgens zunächst analog aus dem Fenster, bevor er sich im Laufe der Vormittags damit beschäftigt, was die kommenden Tage bringen werden. Und zwar an Witterung, genauer: an Niederschlägen.

Während fast ganz Deutschland monatelang über Dürre klagte und sich Regen wünschte, konnten Sporer und Rösch diesen gar nicht gebrauchen – und wurden im Großen und Ganzen erhört. Die Gesellschaft, die beide vertreten, errichtet aktuell als Investorin im Großweiler Loisach-AbschnittRaue Rampe ein Schachtkraftwerk. Es handelt sich um eine Pilotanlage, die einmal rund 2,4 Gigawattstunden Strom pro Jahr erzeugen und rein rechnerisch etwa 800 Haushalte versorgen soll. Das Wasser stürzt dabei einen zweieinhalb Meter tiefen Schacht hinab und treibt dort Turbinen an. Der erzeugte Strom wird ins Bayernwerk-Netz eingespeist. Einen eigenen Vertrieb hat die GmbH, in der Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen, Gemeinde Großweil und Kraftwerk Farchant gemeinsame Sache machen, also nicht.

Die Umsetzung des Projekts, das die Technische Universität München entwickelt hat, ist mit Tücken behaftet. Trotz der relativ langen Trockenperioden lief die Baustelle nach Angaben Sporers in Regenphasen wegen hohen Wasserstands der Loisach bereits zweimal – Mitte Juni und Ende August – voll und musste ausgepumpt sowie gereinigt werden. Beim ersten Mal war das nicht weiter schlimm, da sowieso gerade Kies ausgebaggert und das angeschwemmte Material einfach mit entfernt wurde. Zuletzt fiel indes ein höherer Aufwand an. Arbeiter mussten Sand händisch mit Schaufel und Besen in Behälter füllen, die aus dem Spundwandkasten gehoben wurden. Dieser hat die Maße des späteren Kraftwerks und wurde in den Fluss gesetzt, der sich in Fließrichtung rechts daran vorbei bewegt. Die Bodenplatte ist betoniert, jetzt zieht man Seitenwände hoch. In der Baustelle kann trocken gearbeitet werden.

Aufwändig gereinigt: Arbeiter beseitigen an der Baustelle die Folgen des Hochwassers. 

Es sei denn, es kommen hohe Pegelstände. Bei bestimmten Werten werden die Verantwortlichen alarmiert, ein greift eine Art Notfall-Aktionsplan, um die Baustelle abzusichern: Geräte und alles, was schwimmen kann, werden entfernt. Das habe bisher „einwandfrei funktioniert“, sagt Rösch.

Dennoch wird er in den nächsten zwei bis drei Wochen möglicherweise mit besonderer Anspannung die täglichen Wetterprognosen verfolgen. Diese Phase sei „äußerst kritisch. Sollten wir da ein Hochwasser abkriegen, würde uns das sehr viel Zeit und Geld kosten“. Dann wären Saugrohre, Schläuche sowie Stahlbewehrung bereits eingebaut und müssten aufwändig wieder entfernt werden, „weil alles verschmutzt wäre“. Doch danach, sagt Rösch, „sind wir aus dem Gröbsten raus“. Stehen Außenwände und Betonkörper um die Saugschläuche, kann ein Hochwasser deutlich weniger Schäden und Verzögerungen verursachen.

Aktuell hinkt man dem Zeitplan um etwa drei Wochen hinterher. Neben den Flutungen – eine abgeschlossene Hochwasser-Risiko-Versicherung, die einen eventuellen wirtschaftlichen Schaden in Grenzen halten soll, musste bisher nicht in Anspruch genommen werden – sorgte die Bohrung für eine Rückverankerung, die deutlich schwieriger war als erwartet, für einen Verzug. Noch im März hatte man gehofft, dass der in der Loisach erzeugte Öko-Strom Ende 2018 fließen könnte (wir berichteten). Doch heuer wird daraus nichts mehr. Auf genaue Prognosen, was die Fertigstellung des Projekts betrifft, das geschätzt bis zu 5,4 Millionen Euro kosten soll, verzichten Sporer und Rösch. Großweils Bürgermeister verweist auf die Abhängigkeit von der Witterung, die sich nicht voraussagen lasse. Sporer und Rösch werden sie im Blick behalten. Jeden Tag aufs Neue.

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