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Luftreinigung an Schulen: Murnau baut vor

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Von: Silke Reinbold-Jandretzki

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Initiator der Studie: Prof. Dr. Christian Schwarzbauer aus Murnau mit einem der Sensoren, die in Klassenzimmern diverse Werte messen.
Initiator der Studie: Prof. Dr. Christian Schwarzbauer aus Murnau mit einem der Sensoren, die in Klassenzimmern diverse Werte messen. © Mayr-Archiv

Noch läuft vielerorts eine Studie zur Frage, wie sich in Corona-Zeiten die Luftqualität in Klassenzimmern am effektivsten verbessern lässt – auch in Murnau. Der Gemeinderat will Schüler schützen und hat im Haushaltsplan 2022 die Möglichkeit geschaffen, optimal auf die Forschungsergebnisse reagieren zu können.

Murnau – Eine Entscheidung macht – noch – keinen Sinn. Gemeinderat und Verwaltung befinden sich bei diesem Thema aktuell im luftleeren Raum: Sie warten auf Ergebnisse eines Forschungsprojekts, das der Murnauer Prof. Dr. Christian Schwarzbauer von der Fakultät für angewandte Naturwissenschaften und Mechatronik an der Hochschule München initiiert hat und leitet. Der Spezialist für Medizintechnik untersucht in mittlerweile über 200 Klassenzimmern – unter anderem in Murnau –, die Effektivität verschiedener Lüftungskonzepte. Es geht darum, herauszufinden, wie sich die Aerosol-Konzentration – und damit das Corona-Ansteckungsrisiko – am besten verringern lässt. Die Resultate, sagt Schwarzbauer im Tagblatt-Gespräch, „werden am 8. Dezember gesammelt öffentlich gemacht“ – damit niemand aus dem Ergebnis in einem anderen Ort falsche Rückschlüsse für sich zieht.

Viele, die Verantwortung dafür tragen, dass die Corona-Infektionszahlen in Schulen möglichst niedrig bleiben, warten auf den Ausgang – auch in Murnau. Der Gemeinderat hat, was die haushaltsrechtlichen Voraussetzungen angeht, in der Sitzung am Dienstagabend einen breiten Finanzkorridor geschaffen, um in jede Richtung auf die Studienergebnisse reagieren zu können. Im Zuge der Etatberatungen sprachen sich die Räte mehrheitlich dafür aus, einen Ansatz von 450 000 Euro zu bilden, mit dem man sich alle Möglichkeiten offenhält; gleichzeitig geht man auf der Einnahmenseite von 140 000 Euro Förderung aus. Kämmerer Josef Brückner hatte vorgeschlagen, mit den Summen das „Worst-Case-Szenario“ abzubilden, also die (finanziell) ungünstigste Situation für die Gemeinde.

Schwarzbauer hält sich noch bedeckt

Denn: Was Schwarzbauer als beste Lösung präsentieren wird, bleibt aktuell völlig offen – der Wissenschaftler plaudert auch nicht aus dem Nähkästchen. In der Untersuchung an der Christoph-Probst-Mittelschule kommen die klassische Fensterlüftung, mobile, leistungsfähige Raumluftreiniger sowie ein kosteneffizientes, leicht nachrüstbares System mit Abluft-Ventilatoren in der Außenwand, das vom Max-Planck-Institut in Mainz entwickelt wurde, zum Einsatz. Für dieses existiert nach Angaben Schwarzbauers indes noch keine kommerzielle Lösung im großen Maßstab; Gemeinden müssten eine Individuallösung erstellen. Er rechnet indes damit, dass in nächster Zeit vermehrt Firmen mit diesem Angebot auf den Markt kommen werden. Auch stationäre raumlufttechnische Anlagen wären denkbar, machen allerdings einen Umbau nötig.

Lange Lieferzeiten

Die Varianten sind unterschiedlich teuer, auch die Förderquoten weichen voneinander ab – eine Kalkulation ist entsprechend schwer bis unmöglich, so lange die beste Lösung nicht feststeht. An Emanuel-von-Seidl- und James-Loeb-Grundschule sowie Christoph-Probst-Mittelschule, für die der Markt zuständig ist, sollen 66 regelmäßig genutzte Räume ausgerüstet werden, 80 Filtergeräte stehen in der Diskussion. Ein Antrag von Michael Manlik hatte den Fokus in den Haushaltsberatungen noch einmal auf das Thema gelenkt. „Wir wollen nicht tatenlos zusehen, wie sich das Infektionsgeschehen an unseren Schulen ausbreitet“, sagte der Fraktionssprecher von ÖDP/Bürgerforum in der Sitzung. Die zuständige Referentin Anna Schlegel-Herz (ÖDP/BF) hält die im Antrag geforderten stationären Anlagen für „absolut sinnvoll“. Manlik verwies darauf, dass ein Förderantrag bis Jahresende gestellt sein muss. Nach Ansicht von Veronika Jones (Bündnis 90/Die Grünen) hätte man längst Geräte bestellen müssen: „Jedes ist besser als nichts.“ Sie verwies auf lange Lieferzeiten. Kämmerer Brückner stellte allgemein klar: „Ich möchte ihnen den Glauben nehmen, dass diesen Winter noch etwas passieren könnte.“ Dr. Michael Rapp (CSU) mahnte, die Studie nicht zu vernachlässigen und wirtschaftlich zu denken. Zudem appellierte er, sich impfen zu lassen. Philipp Zoepf (Mehr Bewegen) sah „absolute Einigkeit, dass wir etwas machen müssen. Und es ist nur ein Haushaltsansatz“.

Kommende Woche wissen alle mehr. Noch aber ist Schwarzbauer auch angesichts der Menge der mittlerweile beteiligten Schulen „ziemlich beschäftigt“.

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