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Einspruch: Joachim Lobewein bei seiner Protestaktion.

Protestaktion am Untermarkt

Maibaum-Spruch gerät erneut in die Kritik

Er findet den Spruch „fremdenfeindlich“. Daher hat der Seehauser Joachim Lobewein am Mittwoch gegen eine Tafel protestiert, die am Murnauer Maibaum hängt. Es gab sowohl positive als auch negative Reaktionen.

Murnau – Joachim Lobewein steht am Mittwochvormittag erst eine Stunde am Murnauer Maibaum. In dieser Zeit gibt es nach seinen Angaben bereits zwei Angriffe. Ein Mann habe die Tafel umgeworfen. „Ich habe ihm klar zu verstehen gegeben, dass ich mir das nicht gefallen lasse“, betont Lobewein. Der Seehauser merkt sich die Autonummer des Mannes und ruft die Polizei. Lobeweins Aktion ist brisant: Er stört sich an dem Spruch, der am Maibaum angebracht ist. Dieser lautet: „Liebe die Heimat und deren Sitten – dann brauchst du nicht um Fremdes bitten.“

Lobewein (65) findet den Satz „fremdenängstlich, fremdenfeindlich, fremdenverachtend und das Fremde vertreibend“. So steht es auf einer Tafel, mit der er sich vor dem Maibaum postiert hat. Gegenüber dem Garmisch-Partenkirchner/Murnauer Tagblatt betont er: „Die Art des Umgangs mit dem Begriff Fremde ist heute so nicht mehr hinnehmbar.“ Es gehe um Menschen.

Das Thema ist nicht neu. Bereits im März hatte die Murnauerin Inga Grüttner Kritik an dem Spruch geäußert. Dies habe er damals nicht mitgekriegt, erklärt Lobewein. Den Artikelhat er nach eigener Aussage erst jetzt in die Hände bekommen. Da der besagte Satz immer noch am Maibaum hängt, fühlte sich der Seehauser animiert, die Protestaktion zu starten. Dass das Gaufest ansteht, sei Zufall. 

Er bleibt nicht bei der bloßen Kritik: Lobewein, der sich als Polit-Aktivist und Kritiker sieht und früher beruflich 40 Jahre in der Ökobranche tätig war, fordert Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) und Kulturreferentin Dr. Elisabeth Tworek (SPD) auf, die Inschrift „unverzüglich entfernen“ zu lassen. „Wir leben im Jahr 2018 und nicht mehr am Ende des 19. Jahrhunderts.“ Lobewein vertritt die Ansicht, dass man den Spruch ersatzlos streichen sollte.

Der Maibaum ist heuer neu aufgestellt worden, die besagte Tafel wurde wieder befestigt. Johannes Köglmayr, Vorsitzender des Murnauer Trachtenvereins, will sich zu der Protestaktion nicht groß äußern. Nur so viel: „Wir stehen für jede persönliche Diskussion offen, die auf sachlicher Ebene geführt wird.“ Ansonsten verweist er auf seine Stellungnahme vom März. Damals legte er dar, dass 1979 nach längerer Pause das Maibaumaufstellen wiederbelebt wurde. „Dabei wurden die heutigen Zunftzeichen und weitere Utensilien, welche bereits die vorherigen Maibäume schmückten, verwendet.“ Laut mündlicher Überlieferung beziehe sich die Tafel auf die Auswanderung etlicher Vereinsmitglieder in der Zeit um 1900 „und hat somit keinerlei politischen Hintergrund“.

Am Maibaum bekommt Lobewein auch positive Reaktionen. Von Hans Kohl etwa, Ortssprecher der Grünen. „Mich stört, dass man den Spruch unkommentiert wieder angebracht hat.“ Kohl findet, dass man in der heutigen Zeit alles vermeiden sollte, „was Emotionen weckt und falsch interpretiert werden könnte“. Dass die Tafel unverzüglich entfernt werden sollte, das würde Kohl so nicht unterschreiben. Doch er hielte es für angebracht, dass sich die Murnauer Kommunalpolitik damit befasst. 

Lobewein will die Aktion am Samstag, 7. Juli, ab 9 Uhr in der Murnauer Fußgängerzone wiederholen.

Roland Lory

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